Für das RTW-Team bedeute eine Geburt immer einen besonderen Einsatz, erzählte Dr. Matthias Kalmbach, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis Fulda. Rund zehn Notrufe gebe es wegen anstehenden Entbindungen im Schnitt pro Jahr im Landkreis. Mit einer Hebamme als Fachfrau würden sich werdende Eltern und Einsatzkräfte vor Ort sicherer fühlen. „16 Hebammen aus dem ganzen Landkreis haben sich freiwillig gemeldet. Es besteht keine Pflicht zum Einsatz“, sagte er. Bei einem Einsatz rufe der Rettungsdienst anhand der Postleitzahl die Geburtshelferinnen an. Diese haben im Vorfeld Bereiche und Dienstzeiten angegeben. Vor Ort entscheide die Hebamme dann das weitere Vorgehen von der Einleitung der Geburt vor Ort bis zur Begleitung in die nächstgelegene Klinik. „Das Material zur Versorgung bringt der Rettungsdienst herbei“, ergänzte Matthias Kalmbach. Unter anderem seien alle Fahrzeuge mit einem Herzton-Ultraschall ausgestattet, mit dem das Ungeborene untersucht werden kann.
Bei der Geburt den Müttern zu helfen gehöre fest zum Aufgabenbereich der Hebammen, stellte Matthias Kalmbachs Frau Johanna Kalmbach fest, die zur Sprecherin von „Hebammen vor Ort“ gewählt wurde. „Wir unterstützen sehr gerne dieses Projekt. Letztendlich ist es eine Herzensangelegenheit“, fügte sie zum freiwilligen Angebot der angemeldeten Frauen an. Diese seien nicht verpflichtet zu helfen, wenn sie anderweitig im Dienst seien. Vielmehr bedeute das Projekt ein Zusatzangebot, welches für Hebammen als Arbeit abgerechnet werden könne mit den Krankenkassen. Die Sprecherin appellierte an weitere Kolleginnen im Landkreis, sich ebenfalls zu engagieren. Während es beispielsweise in Petersberg schon ausreichende Hilfe gebe, seien die Randgebiete wie Bad Salzschlirf, Hilders oder Tann noch schwach besetzt.
Ziel sei es im Notfall immer die größte Sicherheit für Mutter und Neugeborenes zu leisten, meinte der Erste Kreisbeigeordnete Frederik Schmitt: „Sie sind immer dann in sicheren Händen, wenn eine Hebamme dabei ist.“ Der Landkreis bemühe sich darum, Hebammen bei der Niederlassung in der Region zu unterstützen. „Wir sind relativ gut versorgt im Vergleich zu anderen, halten das Thema aber weiter im Fokus“, erklärte Schmitt. Bei dem Projekt sei Fulda deutschlandweit der zweite Landkreis, der ein solches Unterfangen gestartet habe. Der Main-Kinzig-Kreis betreibe eine ähnliche Unterstützungsstruktur bereits, der Vogelsbergkreis ist ebenfalls seit dem 1. Februar mit einem „Hebammen vor Ort“-Projekt aktiv. Kooperationspartner für das Projekt des Landkreises Fulda sind der Malteser Hilfsdienst, DRK Fulda, DRK Hünfeld, der Kreisverband der Hebammen und der Fachdienst Gefahrenabwehr des Landkreises Fulda.
