„Der Juli dieses Jahres ist weltweit der heißeste Monat des Jahres. Es ist nicht mehr fünf vor zwölf, es ist schon zwei Uhr nachts. Der Klimawandel ist da“, so Wetterexperte Dr. Martin Gudd von Radio FFH in der Diskussion. Laut ihm werde es eine eher stufenförmige Entwicklung im Alltag der Menschen geben. Früher, in den 80er Jahren hätte es in Fulda kaum mehr als sieben Sommertage im Juli gegeben, heute seien es über 16. Es wäre daher denkbar, dass die Osthessen sich in zehn Jahren in einem Sommer mit teilweise 40 Grad Celsius wiederfinden könnten.
„Wir, in der Landwirtschaft, erleben immer mehr trockene Phasen im Frühling und im Frühsommer. Früher wechselten sich Trocken- und Regenphasen im Wochentakt ab, nun teilweise in sechs-Wochen Abständen“, so Stefan Schneider, Vorstandmitglied im Kreisbauernverbands Fulda-Hünfeld. Weitere Probleme resultieren aufgrund der Wasserverfügbarkeit, wurde während der Veranstaltung von den Forstamtsleiter Hofbieber, Bernd Mordziol-Stelzer erläutert. Es gebe immer weniger Wasser in den Böden, wodurch Bäume in ihrer Entwicklung gehemmt und Pilze dagegen aggressiver würden. In der Tier- und Insektenwelt finde teilweise ein Artenwandel statt, was für Biotope auch gefährlich werde. In Trockenphasen arbeiten Insekten kaum und werden Inaktiv. Dadurch, dass sie dann kaum an die Oberfläche kommen, entfalle für zahlreiche Vogelarten eine ihrer Hauptnahrungsquellen, merkte Mordziol-Stelzer an.
Torsten Raab, der Leiter der Unesco-Biosphärenreservate Rhön erläuterte außerdem, dass eines der Hauptprobleme das Quellenversiegeln ist. Neue Tierarten bedrohen einheimische Arten, wobei es langfristig auch zu einem Wandel in der Pflanzenwelt kommen werde. Dieser sei bereits dadurch sichtbar, dass einige beginnen würden immer mehr tropische Früchte sowie sämtliche Citrusfrüchte anzubauen. Auch Veränderungen im Wetter seien zu erwarten. Die Winter würden wärmer und die Sommer heißer werden durch die Aufheizung der Atmosphäre. Dadurch müssten sich vor allem Landwirte auf längere Dürreperioden und längere Regenphasen einstellen.
Klar ist, dass Maßnahmen ergriffen werden müssen um zu lernen, wie die Menschheit mit kommenden Situationen umgehen muss. Die Experten gaben hierzu an, dass die Wasserspeicherkraft der Böden erhöht werden müsse. Die Bedingungen müssten für neue Kulturen, wie beispielsweise Sojabohnen, genutzt werden. Innovation und kritisches Denken sei hierbei gefragt. Um den Boden optimal nutzen zu können, werde Deutschland langfristig immer mehr auf Mischwälder umsteigen müssen, was ein Prozess von über 200 Jahren ist. Der Schutz der Quellen ist außerdem besonders zu betonen, damit die Bewässerung sichergestellt werden kann. Kleinere Landwirtschaftsbetriebe müssen sich eventuell zusammenschließen, um sich die nötige Technik leisten zu können und man sollte zunehmend auf Solarenergie setzen.
Auf die Frage, was der Einzelne denn als Privatperson unternehmen könne, waren sich alle Experten einig: Miteinander in den Dialog treten. Der Klimawandel müsse akzeptiert werden. Klimaskeptiker dürften nicht ausgeschlossen werden, sondern müssen mit realen Beispielen abgeholt werden. Außerdem müssen wir alle lernen, mit unseren Ressourcen schonend umzugehen.
