Nach einem kräftigen Hupen zur Begrüßung durch die Traktoren der Landwirte fingen einige Landwirte an, den zahlreichen Versammelten ihre Sorgen und Argumente vorzutragen. „Vor kurzer Zeit noch hätte keiner gedacht, dass uns dieser Berg mal so Angst macht und uns so beschäftigen würde“, erklärte Ralf Enders, Vorstand der Jagdgenossenschaft. Der Ort der Veranstaltung sei bewusst ausgewählt worden, da dort das Gelände der Dickschichtabdeckung enden könnte. „Wir dürfen nicht zulassen, dass uns dieses fruchtbare Ackerland, das für uns überlebenswichtig ist, genommen wird; wir müssen für den Mensch und für die Natur kämpfen“, rief er auf.
Harald Sorg, Ortslandwirt aus Neuhof, erläuterte vor allem den Einfluss, den die benötigten Straßen zusätzlich auf die Landwirtschaft haben würden. Außerdem betreffe es alle Menschen, die in dem Wald Erholung suchen. Jörg Vogels, Landwirt aus Dorfborn und Tiefengruben, bezog sich auf die Auswirkungen auf die Ernte. Die Dickschichtabdeckung würde 20 Hektar fruchtbare Ackerfläche wegnehmen. „Wollen wir Tonnen von Brotweizen oder Tonnen von Bauschutt?“, fragte er die Versammelten. Zudem stellte er die Neutralität von K+S in Frage, das Unternehmen fokussiere sich aus seiner Sicht zu sehr auf die Dickschichtabdeckung. Die Landwirte würden erst wieder an der Diskussion teilnehmen, wenn diese auf Augenhöhe möglich sei. „Es wird wieder ein Stück Unabhängigkeit der regionalen Nahrungskette verloren gehen“, betonte Vogels.
Thomas Helfrich aus Hattenhof machte besonders auf den Einfluss auf das Wetter sowie die Staubemissionen aufmerksam. Die Schwermetalle, die durch die Baumaschinen in die Luft geschleudert werden, würden sich auf die verbliebenden Feldern der Landwirte absetzen und dadurch die Ernteerträge, die Qualität des Futters der Tiere und damit auch die Qualität von Fleisch oder Milch sowie Gemüse verschlechtern. „Welche Zukunft wird Neuhof noch bei der Direktvermarktung haben?“, fragte er sich.
Auch die Forstwirtschaft würde unter der Abdeckung leiden: Nach Rodungen, wären weniger Bäume da, um CO2 zu speichern. Außerdem wäre das Leben der Wildtiere erheblich gestört, wodurch auch die Verbissschäden an jüngeren Bäumen zunehmen würden, erklärte Ralf Enders. Thomas Wehner zog Parallelen zu einem anderen Großprojekt. „Der Bau des Autobahntunnels war nur eine Kostprobe für das, was noch auf uns zukommen soll“, so Wehner. Neuhof sei dann für kommende Generationen nicht mehr lebenswert. Anwesend war zudem der Vizepräsident des Hessischen Bauernverbandes, Stefan Schneider, der die Überlebenswichtigkeit der Felder für die Landwirte betonte. Hubert Enders von der Bürgerinitiative Umwelt Neuhof rief anschließend noch dazu auf, mit allen rechtlichen Möglichkeiten gegen die Vorhaben vorzugehen.
