Standing Ovations erhielten die Festredner Dr. Marion Hanel und Professor Dr. Daniel Goldbach für ihre berührende Laudatio, in der sie herausarbeiteten, „was diese tolle Schule zu etwas Besonderem macht“. Dabei konnten die beiden –als Absolventin des Abschlussjahrgangs 1992 und als Abgänger 1994 – auf ihre eigenen dortigen Erfahrungen zurückgreifen. Zudem besuchen derzeit vier der fünf Kinder Dr. Goldbachs, der eine Professur an der Hochschule Aachen bekleidet, das Mittelstufengymnasium. In der Rede wurde deutlich, dass es 1947 ein schwieriges Umfeld gewesen sei, in dem Eltern mutig für die Gründung einer höheren Schule kämpften: Niemand wusste, wie es mit dem Zonenrandgebiet im zerstörten Deutschland weitergehen würde. Zudem sei der ländliche Raum, speziell die damals arme Rhön, nicht das klassische Milieu gewesen, aus dem sich Gymnasiasten rekrutierten. Doch gerade deshalb sei die höhere Schule vor der Haustür so wichtig gewesen.
Während auf Außenstehende die „Ulstertalschüler“ häufig als homogene Gruppe wirkten, wüssten die Ehemaligen, wie man sich mit den unterschiedlichen kulturellen Hintergründen – wie Bauernkind oder Lehrersohn – erst einmal habe kennenlernen müssen. Im Lauf der Schulzeit habe sich eine Heimatidentität entwickelt, die über die eigenen Dorfgrenzen hinausreiche. Durch die überschaubare familiäre Struktur hätten die Lehrkräfte „ihre Pappenheimer gekannt“ und so sei das Mädchen vom Bauernhof während der Erntezeit nie mit dem Abfragen von Lateinvokabeln an der Reihe gewesen. „Liebe Ulstertalschule, Du hast uns Raum und Rahmen zum Reifen gegeben“, betonten Hanel und Goldbach dankbar. Sie listeten unterschiedliche Berufe auf, in denen ehemalige Ulstertalschülerinnen und -schüler heute tätig seien. Dabei war es Hanel, die nach ihrer Chirurgentätigkeit an der Berliner Charité inzwischen als IT-Unternehmerin wirkt, wichtig zu erwähnen, dass sich Erfolg im Leben nicht allein am Einkommen messen lasse, sondern auch an der gelingenden Gestaltung der privaten Beziehungen. Auch dafür habe die Schule weit über den Lehrbetrieb hinaus den Boden bereitet.
Auf die Förderung der sozialen Kompetenzen ging Rita Schmidt-Schales vom Staatlichen Schulamt ein. Als Beispiele listete sie die langjährige Kooperation mit dem Altenheim St. Kilian und das Mitwirken am Stolperstein-Projekt in Wüstensachsen auf. Sie sei immer wieder überwältigt von der Lage der Schule inmitten der Natur. Schulleiter Helmut Liersch nahm die Feier zum Anlass, um dem Anwesenden Dr. Rainer Heimerich zum Geburtstag zu gratulieren. Der Biologielehrer ist maßgeblich für die Kooperation der Schule mit dem Unesco-Biosphärenreservat Rhön verantwortlich.
Nicht nur Dr. Hanel und Professor Dr. Goldbach stellten mit ihrer gemeinsamen Rede ihre Fähigkeit zum Teamwork unter Beweis, auch die Bürgermeister der Ulstertalgemeinden Ehrenberg, Hilders und Tann – ebenfalls alle drei Ehemalige des kleinen Gymnasiums – standen gemeinsam am Rednerpult. Der Hilderser Beigeordnete Karl-Otto Wagner vertrat den erkrankten Bürgermeister Ronny Günkel. Als gemeinsamer Tenor klang Dankbarkeit heraus, die sie selbst rückblickend für ihre Zeit an der USH empfänden: Für die sehr gute Bildungsarbeit, die sich beim Übergang an die weiterführenden Schulen bewährt habe, aber besonders auch für die Weitergabe von Arbeitsmotivation und sozialer Einstellung.
Anhand eines Stück Holzes und eines iPads demonstrierten die Personalratsvorsitzenden Philipp Schleipen und Myriam Kluge-Hohmann symbolisch die Entwicklung der Schule: Mussten vor 75 Jahren Lehrkräfte und Lernende noch selbst Holz zum Heizen mitbringen, so hat die Digitalisierung auch in der ländlichen Schule längst Einzug gehalten. Fuldas Landrat Bernd Woide nannte die USH ein gelungenes Beispiel für gymnasiale Bildung im ländlichen Raum. Diese werde im Hinblick auf eine nicht einfacher werdende Zukunft noch wichtiger. „Wenn es die USH nicht gäbe, müsste man sie heute erfinden“, so der Landrat. Vor einigen Tagen erst frisch gewählt, durften die beiden Schulsprecher Mia Sophie Hartung und Jonathan Müller ihre erste Rede halten. Darin hoben sie scherzhaft als Vorteil der Corona-Pandemie mit Online-Unterricht hervor, „dass endlich auch wir den Lehrkräften einmal etwas beibringen konnten.“ Als neue Herausforderung nannten sie die Integration ukrainischer Kinder an der Schule. Eines davon, Krystyna Ushytska, gehörte neben Luise Heller (7b), Sona Herget (6a), Finja Stumpf (8b), Lara Röder (10b) und Hannah Büttner (8a) zu den Schülerinnen und Schülern, die unter Leitung von Elisabeth Grimm musikalisch die Feier umrahmten. Das ukrainische Lied begleitete trommelnd Konrad Spiegel (6b).
Neu im Amt ist auch Elternbeiratsvorsitzender Thorsten Büttner, ebenfalls ehemaliger Ulstertalschüler. Er dankte den Elterngenerationen der vergangenen 75 Jahre und sah als Herausforderung für heutige Eltern zu lernen, Vertrauen in die Fähigkeiten der Kinder zu entwickeln.
Ihre Verbundenheit zu der „kleinen Schule, die sich keineswegs vor großen Einrichtungen verstecken braucht“, wie Dr. Marion Hanel formulierte, brachten auch über 250 Ehemalige zum Ausdruck, die auf Einladung der Schulgemeinde am Vorabend zu einem Treffen in der Turnhalle für ein Wiedersehen und Austausch von Erinnerungen zusammengekommen waren.
