Museumsleiter Dr. Frank Verse betonte besonders die drei Leidenschaften des Künstlers in seiner Begrüßung. Neben der Malerei war dies die Kunsterziehung, welche ihm sehr wichtig war: „Viele seiner Schüler wurden später selbst zu Künstlern. Durch seine dritte Leidenschaft, die Fliegerei, konnte Oswald Pejas die Welt aus einer anderen Perspektive sehen.“ Er freute sich, in der Ausstellung Bilder aus der privaten Sammlung von Pejas Sohn Wolfram zeigen zu können.
Dr. Wolfram Pejas hielt einen kurzen Einführungsvortrag in die Ausstellung, in dem er neben der Erstellung gemeinsam mit Kuratorin Franziska Schlemmer, auch einige Lebensstationen seines Vaters nachzeichnete: „Zu Anfang hatten wir einen Stapel von 200 Bildern, die wir versucht haben ihrem Erstellungszeitpunkt zuzuordnen. Mit den Jahren mag uns das gelungen sein – die Reihenfolge stimmt aber wahrscheinlich nicht ganz genau.“
„Das Schaffen meines Vaters lässt sich sechs Epochen zuordnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann er mit knappem Geld ein Kunststudium. Da auch die Hochschulen sehr dezimiert waren in ihrem Angebot, musste er sie mehrfach wechseln, um verschiedenen Fächer zu belegen. Dadurch ergab sich eine Studienzeit von fast zehn Jahren. Als er ab 1964 in Athen unterrichten konnte, ergaben sich dadurch auch künstlerisch ganz neue Perspektiven. In Griechenland kannte man keinen blauen Himmel – dort war er weiß. Ab 1969 unterrichtete er an der Freiherr-von-Stein-Schule, bevor er 1975 an das Studienseminar hier in Fulda wechselte“, so Wolfram Pejas. „Nach seiner Pensionierung 1986 konnte er sich seiner Arbeit als freischaffender Künstler widmen. Gleichzeitig begann er zu reisen – Italien, Spanien und Griechenland waren Ziele. Zu seinem 70. und 80. Geburtstag wurde ihm jeweils eine Ausstellung hier im Museum gewidmet. 2006 ist er dann verstorben. Wir freuen uns jetzt zum 100. Geburtstag, wenn auch mit coronabedingter einjähriger Verspätung, wieder eine Ausstellung zeigen zu können.“
Exponate sind neben naiven Kinderzeichnungen auch Arbeiten aus der Jugendzeit, die die Entwicklung des experimentierfreudigen Künstlers vorausahnen lassen. Ferner findet man interessante Arbeiten aus seinen Studienjahren in Düsseldorf, Kassel und Frankfurt. Herausragende Erwähnung seiner künstlerischen Entwicklung gehört den fünf Jahren seiner Tätigkeit als Kunsterzieher in Griechenland. Noch zu erwähnen ist die gezeigte Auswahl an Aquarellen, einer Mal-Technik, die Oswald Pejas in besonderer Weise beherrschte. Ein letztes großformatiges, nicht vollendetes Ölbild auf der Originalstaffelei rundet in der Ausstellung den künstlerischen Lebensquerschnitt ab. Zur Ausstellung ist ein 96-seitigen Ausstellungskatalog mit 77 Farb-Abbildungen beim Imhof-Verlag erschienen, der zum Preis von 19,95 Euro an der Museumskasse erhältlich ist.
