Lokales FD 24.05.2022

EU-Projekttag an der Stein-Schule – Ukraine-Krieg im Fokus

Fulda (as) – Objektiv über Gefahren reden, gleichzeitig aber Zuversicht bieten – anlässlich des EU-Projekttages wurde in der Freiherr-vom-Stein-Schule am Montag eine Plenumsdiskussion zum Thema „Der Ukraine-Krieg – Auswirkungen auf Europa und die EU“ geführt. Lucia Puttrich, Hessische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, beteiligte sich an der Diskussion. Sie sprach unter anderem über die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf Deutschland.

Foto: Christine Görlich

Die Europäische Union habe nach dem zweiten Weltkrieg die Grundlage für eine freie und friedliche Entwicklung auf dem Kontinent geschaffen, erklärte Schulsprecher Johannes Odenthal. „Nun sieht sich meine Generation zum ersten Mal mit einer ernsthaften Gefährdung dieser Werte konfrontiert“, führte er weiter aus. Umso wichtiger sei es, die Europäische Union vor Bedrohungen zu beschützen. Die sehr erfolgreiche Spendenaktion der Schule für die Ukraine kürzlich zeige, dass der Krieg neben Verunsicherung und Entsetzen auch viel Solidarität bei den Jugendlichen geweckt habe, so Odenthal. Er freute sich daher über die Möglichkeit zur Diskussion mit Puttrich.

Schulleiter Dr. Ulf Brüdigam erinnerte sich an den vergangenen Besuch der Staatsministerin in 2018 zurück, bei dem sie über das Thema „Zukunft von Europa“ mit den Schülern diskutiert hatte. „Wir gingen der Frage nach, was wir der EU in unserem Alltag verdanken, wohin die verschiedenen Kräfte in Europa steuern und wohin sich die EU bewegt“, erzählte er. Dabei gebe es viele Dinge, die selbstverständlich wirken würden, aber Arbeit erfordern würden. „Die Abwesenheit von Krieg in Europa gehörte damals zur Normalität. Spätestens seit dem 24. Februar wissen wir, dass Frieden in Europa leider nicht selbstverständlich ist“, stellte der Schulleiter fest. Der Krieg beunruhige die Menschen, rücke aber gleichzeitig die Institutionen in den Fokus. Er stellte zudem kurz den politischen Werdegang von Puttrich vor.

Die Staatsministerin lobte ebenfalls die gute Diskussion bei der vergangenen Veranstaltung. Der aktuelle aggressive Angriffs- und Vernichtungskrieg, wie sie den Krieg zwischen Russland gegen die Ukraine bezeichnete, sei vorher undenkbar gewesen. Eine Woche vor Kriegsbeginn sei sie mit dem ukrainischen Generalkonsul an einer Schule gewesen, berichtete Puttrich. „Wir haben noch über die theoretische Möglichkeit einer Invasion gesprochen. Das konnte sich niemand vorstellen“, meinte sie. Die Europäer hatten nicht an einen tatsächlichen Krieg glauben wollen, was sich als Irrtum herausgestellt habe.

In ihrer Generation habe die Staatsministerin den Kalten Krieg miterlebt, bei dem die Sorge um eine atomare Bedrohung immer bestanden habe. Diese sei mit dem Zerfall der UdSSR zurückgegangen. „Es war richtig anzunehmen, dass die andere Seite es erstmal gut meint“, sagte sie. Nun hätten sich die Absichten von Putin aber als Trugschluss erwiesen. Zu möglichen Sorgen der Schüler über einen unmittelbaren Krieg für Deutschland seien offene Gespräche notwendig, forderte sie: „Meine Antwort darauf ist, dass man reden und objektiv die Gefahren aufzeigen muss, aber andererseits auch die Zuversicht nicht verlieren darf.“

Der Krieg sei ein Angriff auf die Demokratie, machte Puttrich klar. Speziell in Polen und den baltischen Staaten sei die Sorge um einen Konflikt mit Russland groß. „Wir sind gewillt und im Stande, zusammen zu stehen“, gab sie mit Blick auf die EU an. Deutschland werde die Folgen des Krieges spüren, so die Staatsministerin. Das zeige sich allein im Bereich der Energie: „Wir werden spüren, dass Freiheit ihren Preis hat.“ Eine kriegerische Auseinandersetzung erwarte sie aber nicht. Die Menschen müssten sich in dieser schwierigen Zeit neu orientieren. Dazu gehöre auch ein politisches Interesse bei den jungen Leuten an den Vorzügen der Demokratie.

Staatsministerin Puttrich diskutiert am EU-Projekttag an der Stein-Schule. Fotos: Christine Görlich