Anwohner müssen während der Aufhaldung mit einem erhöhten Lkw-Verkehr von 7,5 Prozent rechnen. 150 Laster sollen täglich 0,85 Tonnen Bauschutt nach Neuhof transportieren, ehe dieser in einer Brecheranlage in eine geeignete Korngrößte gepresst wird. „Die Begriffe ‚Bauschutt‘ und ‚Brecheranlage‘ können Bürger schnell negativ auffassen. Wir müssen frühestmöglich den Menschen das Projekt erklären und einen transparenten Dialog führen“, so Franz Josef Adam, Erster Beigeordneter der Gemeinde Neuhof. Zustimmung erhielt er von Roland Keidel. Der K+S-Werksleiter betonte: „Der Salzberg soll der Natur als grüner Berg zurückgegeben werden.“ Um Missverständnisse zu vermeiden wolle das Bergbauunternehmen alle Stakeholder von Beginn an mit ins Boot holen und über alle Projektfortschritte informieren, so Keidel. Aktuelle Genehmigungen für die Kali- und Salzförderung laufen in 2035 aus. „Eine Nachsorge ist wichtig“, sagte die Leiterin der Abteilung Umwelt und Genehmigungen Dr. Karin Möller-Glock, „damit der Betrieb auch zukünftig laufen kann und Arbeitsplätze gesichert werden.“ Die Antragstellung des Projekts ist für das Jahr 2024 anvisiert. Die Gesamtkosten für das Projekt liegen schätzungsweise im mittleren zweistelligen Millionenbereich und werden vom Konzern K+S selbst übernommen, erklärte Keidel.
Dickschichtabdeckung für K+S die beste Lösung
Bei der Aufbereitung der im Werk Neuhof-Ellers unter Tage gewonnenen Rohsalze fallen aufgrund der natürlichen Wertstoffgehalte zwangsläufig Rückstände von 70 Prozent an. Diese festen Salze werden aufgehaldet. Die Salzhalde hat derzeit ein Volumen 133 Millionen Tonnen, eine Höhe von 160 bis 190 Metern und eine Oberfläche von 105 Hektar. Fallen Niederschläge auf die Halde, entstehen salzhaltige Wässer – sogenannte Haldenwässer – die kontinuierlich gefasst und ordnungsgemäß entsorgt werden müssen. „Eine Dickschichtabdeckung der Rückstandshalde des Werkes Neuhof-Ellers mit Boden und Bauschutt stellt danach die effektivste, nachhaltigste und zugleich wirtschaftlich umsetzbare Lösung dar“, berichtete Möller-Glock. Das Besondere ist die gleichzeitige Verwertung von Bauschutt und Boden, auf dem sich dann eine Pflanzendecke entwickelt. Niederschläge sollen nicht mehr mit dem Haldenkörper aus Salzrückstand in Berührung kommen. Stattdessen wird das Regenwasser größtenteils über die Pflanzen an der Haldenoberfläche verdunsten.
Begleiterscheinungen
Durch die Aufhaldung wird das Vorland des Bergs vergrößert und der Steigungswinkel abgeflacht. Diese Maßnahme ist wichtig für die Stabilität der Halde. Dafür müssen 40 Hektar Wald weichen. „Wir werden selbstverständlich Ersatzmaßnahmen vornehmen und an anderen Stellen Aufforsten“, sagte Möller-Glock. Beginnend auf der Ostseite wird der Berg gegen den Uhrzeigersinn von unten nach oben aufgeschüttet. Ein zusätzlicher Recycling-Platz ist geplant, weil viele Mengen Erde und Schutt bewegt werden müssen. Dieser soll an die Umgehungsstraße angegliedert werden. Der Verkehr soll an Neuhof vorbeifließen.
Friedrichshall als Vorbild
Als Vorbild dient die ähnlich große Halde in Friedrichshall. Die Begrünung ist dort bereits abgeschlossen und K+S-Pressesprecher Marcus Janz berichtete von einer überraschenden Begegnung: „Bei einer Begehung habe ich drei Fasane gesichtet. Friedrichshall hat bereits gezeigt, dass bemerkenswerte Biotope entstehen können.“ Auch die Halde in Neuhof könnte in Zukunft ein grünes Ausflugsziel für Besucher darstellen. Die Neuhofer Bürger konnten das Vorhaben des Konzerns in einem Bürgergespräch am Donnerstagabend erfahren.
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