Bundesweit nehmen jährlich mehrere Tausend fremdsprachlich interessierte und begabte Schüler teil. In Hessen wurden für den diesjährigen Wettbewerb 145 Gruppenarbeiten eingereicht, davon elf in Latein. Die Preisverleihung in den modernen Fremdsprachen fand in Dreieich-Sprendlingen statt und die für Latein und Altgriechisch am Mittwoch an der Freiherr-vom Stein-Schule. Schulleiter Dr. Ulf Bräutigam wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass alte Sprachen uns zu den Wurzeln unseres Kulturverständnisses führen: „Alte Sprachen sind sicher nicht tot. Eine neuere Studie hat gezeigt, dass sie besser gesprochen werden sollten, anstatt nur Grammatik zu pauken. Dabei bemerkt man, wieviel man mit nur wenigen Worten sagen kann.“ Er bedankte sich besonders bei allen teilnehmenden Schülern, die in ihrer Freizeit beachtliches geleistet hätten.
Auch Sofia Bruchhäuser vom Hessischen Kultusministerium dankte den Teilnehmern für ihre Leistungen: „Das habt ihr toll gemacht. Alte Sprachen sind die Träger unserer Hochkultur. Die modernen Sprachen haben sich daraus entwickelt und lassen sich leichter lernen für alle, die alte Sprachen beherrschen. Ihr habt euch ein Wissen erschaffen, dass man später auch in anderen Feldern anwenden kann.“ Weiter sagte sie an die Schüler gerichtet: „Ich wünsche euch, dass ihr entdeckt, was euch auszeichnet. Euch allen viel Glück und Erfolg beim Erreichen eurer Ziele.“
Die Vorsitzende des Hessischen Altphilologenverbands, Dr. Marion Clausen wies darauf hin, dass sie selbst schon als Schülerin von Altsprachen begeistert war: „Das teile ich mit Kultusminister Alexander Lorz, der den Griechisch Leistungskurs belegt hatte. Alte Sprachen können uns viel geben – werden aber leider gleichzeitig immer wieder in Frage gestellt.“ Den Schülern sagte sie: „Ihr füllt die Vergangenheit mit neuem Leben in einer Welt, in der oft nur das ökonomische zählt. Dabei sind alte Sprachen in Kunst, Literatur und auch modernen Sprachen weiter sehr mächtig.“ Ulrike Zufall als Vorsitzende der Landesjury stellte die Aufgaben vor und würdigte die Beiträge als herausfordernd und spannend: „Wir danken euch, dass ihr sie so gut gemeistert habt.“
Die Einzelpreise wurden danach von der Jury übergeben. Aus der Region erhielten Eileen Tolsdorf in Latein sowie Victoria Kukshausen in Englisch, beide Schülerinnen der Freiherr-vom-Stein Schule, einen dritten Preis sowie Dominik Langer in Latein von der Gesamtschule Schenklengsfeld einen Anerkennungspreis.
Im preisgekrönten Gruppenbeitrag der Stein-Schüler wurde das Thema Corona verarbeitet in Anlehnung an eine Komödie des römischen Dramatikers Plautus. Dies wurde von den Schülern in einem Video in Latein in altrömischer Kostümierung verarbeitet. Der Clip wurde im Rahmen der Veranstaltung auch gezeigt. Koordinator und Betreuer Mergel erläuterte: „Die Schüler sollen eine Latein-Klassenarbeit schreiben und haben dazu keine Lust. Sie überlegen also, wie sie den alten Lehrer hereinlegen können. Die Türe wurde zugesperrt und von einem Hygienebeauftragten bewacht, da es im Raum einen Coronaausbruch gäbe. Gleichzeitig wurde drinnen mit Alkohol und Shisha-Wasserpfeife gefeiert. So geht es über Wochen. Nachdem der Lehrer merkt, dass er veräppelt wird, fliegt der Schwindel auf. Die Arbeit muss jetzt trotzdem geschrieben werden, und zwar ausgerechnet am Geburtstag des Lehrers.“ Zufall sagte zum Beitrag: „Von der Idee, Umsetzung und Sprache hätte man das wirklich nicht besser machen können. Ein zweiter Preis wurde nicht vergeben. Ein Dritter Preis ging an das Friedrichsgymnasium in Kassel. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Blasorchester der Schule sowie von Eileen Tolsdorf am Cello mit Begleitung von Erik Oldenburg am Klavier.
Die weiteren Einzelpreisträger:
Erste Preise: Carl Schelkmann, Homberg und Elias Scholz Papazoglou, Frankfurt
Zweite Preise: Paula Josefine Burggraf, Casilda Kaulbach Erquiaga, Raphael Schmitt und Adrian Wulff; alle aus Frankfurt
Dritte Preise: Eric Bastuck, Viernheim; Michelle Bernhauer, Bad Schwalbach; Karol Niewiadomski, Frankfurt
Anerkennungspreise: Maria Rupprecht, Frankfurt; Maike Riedel, Wiesbaden; Carolin Beyer, Frankfurt
