Lokales FD 27.12.2022

Rhöner Hebamme bei Miss Germany – Familie sieht sie im Finale

Thalau (as) – Mehr „Menschlichkeit in der Geburtenhilfe“ – für dieses Thema tritt die 25-jährige Rhönerin Eva Simone Placzek ein. Die Hebamme hat es bis ins Halbfinale von Miss Germany geschafft. Sie spricht darüber, welche Missstände beim Thema Geburt in Deutschland bestehen und setzt sich für mehr Aufklärung ein. Ihr nächstes Ziel im Wettbewerb ist ein Personality Camp, bei dem unter anderem Jurymitglied Bruce Darnell mit dabei ist.

Fotos: privat

Den Wettbewerb entdeckt hatte Placzek durch eine Werbung auf Instagram, die vor allem das persönliche Projekt in den Fokus stellte. Motiviert durch das Ziel auf die aktuelle Situation der Hebammen hinzuweisen, entschied sie sich zur Anmeldung. Die 25 ist überwältigt von ihrem bisherigen Erfolg. Tatsächlich konnte sie es unter die Top Fünf aller 20 Halbfinalistinnen schaffen: „Das wurde spontan bekannt gegeben und kam unerwartet.“ Die Hebamme beschreibt die Stimmung zwischen den verbleibenden Teilnehmerinnen als sehr wohlwollend: „Es sind tolle Menschen und Persönlichkeiten. Alle unterstützen jeden. Wir haben geguckt, wie wir uns jetzt schon vernetzen können.“ Eine der Frauen beispielsweise stelle den Kinderwunsch als Thema vor, eine andere informiere über sogenannte Sternenkinder, die bei der Geburt oder kurz danach versterben.

In einem Personality Camp ab Februar werden die Halbfinalistinnen persönlich oder gemeinsam gecoacht werden, gibt Placzek an. Anschließend geht es in das Halbfinale, bei dem die zehn Teilnehmerinnen mit der besten Vorstellung ihres Themas weiterkommen. Um ihre Projekte passend zu vermitteln, sind beim Coaching verschiedene Übungen und Workshops geplant. „Ich freue mich schon auf die Trainings. Das wird wahnsinnig toll“, so die Hebamme. Zu den Juroren und Unterstützern gehört Bruce Darnell, den sie bereits kennenlernen durfte: „Jeder durfte sich einmal selber präsentieren und hat Tipps bekommen.“ Aufgeregt wegen dem Halbfinale ist Placzek noch nicht: „Ich kenne die anderen Kandidatinnen ja. Aber man merkt, dass das Ziel näher kommt.“

Im aktuellen deutschen Gesundheitswesen gebe es aktuell einige Mängel, stellt Placzek erschrocken fest: „Das System hat sich sehr schlecht entwickelt, Geburten werden nur nach Stunden berechnet.“ Hinzu komme eine mangelnde Aufklärung für die werdenden Mütter und eine unklare Versorgungssituation. „Alle wollen eine sichere Geburtenhilfe, aber keiner erklärt es“, so die Hebamme. Ein extremer Fachkräftemangel verschlimmere die Situation so weit, dass eine Eins-zu-Eins-Betreuung kaum möglich sei. „Das kann so nicht weitergehen“, meint sie. Ein weiteres Problemfeld sei die psychische oder körperliche Gewalt in der Geburtshilfe, erzählt die 25-Jährige. Das bedeute beispielsweise, dass Frauen bei der Geburt beispielsweise nicht ernstgenommen oder unter Druck gesetzt werden und ihnen Medikamente ohne Einverständnis verabreicht werden.

Sollte sie 25.000 Euro und Titel der Miss Germany gewinnen, will die Halbfinalistin mit dem Preisgeld ein eigenes Unternehmen gründen. Dieses solle für den Bereich des Hebammenberufes Raum schaffen für neue Ideen, ganz nach ihrem Motto für mehr „Menschlichkeit in der Geburtshilfe“. Einen Teil des Geldes würde sie außerdem für die Mitfinanzierung ihres Buchs nutzen, welches sie mit ihrer Kollegin Ramona schreibt. „Da hat jeder eigene Themen, wir holen uns Fachwissen dazu“, gibt Placzek an. Sie selbst ist angesichts der starken Konkurrenz unsicher, ob sie es im Februar weiter schaffen wird. Anders sehe das bei Familie und Freunden aus: „Die sind ganz überzeugt, dass ich es ins Finale schaffe.“ Ähnliche Zustimmung bekomme sie von ihren Followern in den sozialen Medien oder im Podcast, in dem die Hebamme mit ihrer Kollegin Ramona über alles rund ums Thema Geburt spricht.

Placzek wohnt und arbeitet aktuell in Aschaffenburg. Die gebürtige Rhönerin, die ihre ersten zwölf Lebensjahre in Thalau verbrachte, hat immer noch eine enge Verbindung zu Osthessen: „Fulda bleibt meine Heimat. Ich habe auch einige Kontakte mit Hebammen dort.“ Auch ihre Oma wohne noch in der Region.