Lokales FD 29.08.2022

75 Jahre und topfit – Siedlungswerk Fulda feiert Jubiläum

Fulda (sk) – Das Siedlungswerk Fulda wurde im August 1947 als Genossenschaft gegründet. Seitdem wurden weit über 4000 Wohnungen gebaut, von denen sich heute noch 1300 Wohneinheiten im Bestand der Genossenschaft befinden. Daran wurde am Sonntag mit einem Festakt und anschließendem gemütlichen Zusammensein am Gemüsemarkt erinnert.

Foto: Stefan Krug.

15 Gründungsmitglieder, darunter herausragend Joseph Schmitt, hatten begonnen mit dem Wunsch aus christlicher Nächstenliebe etwas gegen die Wohnungsnot in Fulda nach dem Zweiten Weltkrieg zu tun. Fast die Hälfte der Wohnungen in der Stadt hatten Kriegsschäden – und zusätzlich waren tausende Flüchtlinge und Ausgebombte unterzubringen. Alois Früchtl, Vorsitzender des Aufsichtsrats dazu: „Mit Zuversicht gingen die Gründer um Joseph Schmitt damals ans Werk. Zupackend und mit einer Geschwindigkeit, die heute nicht mehr vorstellbar wäre.“ Ohne Eigenkapital, allein mit dem Willen zu helfen, schufen sie tausende Wohnungen. Die ersten großen Projekte waren die Wohnblocks in der ehemaligen Konstantin-Kaserne am Gallasiniring mit 300 Wohnungen überwiegend für Vertriebene, die Reihenhäuser auf der Künzeller Höhe sowie die Ketteler-Siedlung beim Kohlhäuser Feld. Es folgten bis Ende der 1960er Jahre die Großprojekte Ziehers-Süd und Ziehers-Nord. Verstärkt wurden auch immer mehr Eigenheime als „Erwerbshäuser“ gebaut.

Mathias Schmidt, der eine Chronik erstellt hatte, erläuterte auch kaum bekannte Details: „In Waldkappel in Nordhessen wurde Mitte der 1950er Jahre von der Genossenschaft das sogenannte Katholikentagsdorf mit 53 Häusern und einer Kirche errichtet.“ Die 2000. Wohnung wurde 1968 gebaut und die 4000. in 1996. „Auch an einigen Kennzahlen sieht man die erfolgreiche Entwicklung: So stieg das Eigenkapital zwischen 1947 und 1972 von Null auf 2,4 Millionen DM und die Zahl der Mitglieder von 15 auf 2000.“ Auch als die Wohnungsnot zu Beginn der 60er-Jahre weitgehend beseitigt war, blieb die Genossenschaft eine gefragte Adresse. Jedes Jahrzehnt hatte seine eigenen Herausforderungen, denen man sich stellte. Mit der Zeit wurden die Liegenschaften der Genossenschaft immer moderner und komfortabler. Vorzeigebeispiele sind die Fuldaer Wohnanlagen „In den Auegärten“ (2005), „Wohnpark Horasbrücke“ (2011) und „Wohnen am Schlossgarten“ (2017). Besondere öffentliche Aufmerksamkeit fand die vom Siedlungswerk realisierte Umgestaltung des Gemüsemarkts mit dem Solitärbau im Jahre 2002.

Fritz Kramer, ehemaliger Fuldaer Landrat und 30 Jahre Vorsitzender des Aufsichtsrats beim Siedlungswerk, konnte eine kleine Erfahrung mitteilen: „Während einer Bürgerversammlung hatte ich mich in die hinteren Reihen gesetzt, um die Diskussion ungestört zu hören. Nach einer leidenschaftlichen Diskussion sagte eine Nachbarin, dass sie es nicht für möglich gehalten hätte, dass so etwas gebaut wird. Gäbe es je einen Knopf, den man drücken kann, dass der Solitär wieder weg ist, würde sie sofort drücken.“ Kramer schloss mit den Worten: „Es ist gut, dass nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen.“

Früchte fasste die 75 Jahre zusammen und blickte auch in die Zukunft: „Beim Blick zurück kann man zufrieden sein.“ Auch der Blick in die Zukunft mache keine Angst. „Unsere ansehnliche Zwischenbilanz ist für uns Ansporn und Verpflichtung. Getreu dem Motto ‚Wohnraum für die Region Fulda‘ wollen wir auch in Zukunft engagiert für die kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Aufgabe eintreten.“ Ein Dauerthema werden Modernisierungen sein. Der Gesetzgeber plant bis 2045 auch für Wohngebäude Klimaneutralität vorzuschreiben. Diese Vorgabe umzusetzen, wird erhebliche Mittel erfordern. Hinzu kommen aktuell weitere Hürden: Steigende Zinsen, galoppierende Baukosten, Lieferketten-Störungen und Materialmangel, explodierende Energiekosten sowie zusätzliche mietrechtliche Anforderungen (Stichwort CO2-Abgabe). Früchtls Fazit: „Auch wenn wir auf einem guten Weg sind, wird es nicht einfacher. Doch das darf und wird uns nicht bremsen. Unsere Gründerväter haben uns eindrucksvoll vorgemacht, dass Widrigkeiten dazu da sind überwunden zu werden.“

Das Siedlungswerk Fulda hat seinen Sitz in der Heinrichstraße und zählt rund 1800 Mitglieder. Diese sind nicht nur Mieter, sondern dank ihrer Einlage in die Genossenschaft auch Miteigentümer der Wohnungen. Eine zum Jubiläum erschienene umfangreiche Chronik mit bislang noch nie veröffentlichten Dokumenten und zahlreichen Fotos zeichnet die Geschichte der Wohnungsgenossenschaft nach. Das von Dr. Mathias R. Schmidt verfasste Werk ist zum Preis von 24 Euro in der Geschäftsstelle Heinrichstraße 39 erhältlich.

Siedlungswerk Fulda feiert 75-jähriges Jubiläum. Fotos: Stefan Krug.