Johannes Groß (CDU), Vorsitzender der Gemeindevertretung übernahm an diesem Abend die Begrüßung. Als besonderer Ehrengäste hieß er dabei den Bundestagsabgeordneter Michael Brand (CDU), Landtagsabgeordnete Silvia Brünnel (Bündnis90/ Die Grünen), und den Fuldaer Landrat Bernd Woide willkommen. „Die Gemeinde Künzell hat sich prächtig entwickelt“, sagte Groß. In den vergangenen 50 Jahren seien von den Mandatsträgern viele mutige und kluge Entscheidungen getroffen worden. „Wir können nun von den Früchten der Vergangenheit profitieren“, betonte der Vorsitzende. Er wünschte den Gästen einen spannenden Abend voller Emotionen.
Rückblick auf die Gebietsreform
Die Gebietsreform der Großgemeinde Künzell fand 1972 ihren Abschluss. Am 1. April 1972 wurden die letzten selbstständigen Ortsteile Dirlos, Engelhelms und Pilgerzell in die Gemeinde eingegliedert. Der erste Programmpunkt startete mit einem Blick in die Historie, vorgetragen vom Künzeller Bürgermeister Timo Zentgraf. „Vor fast einem Jahr haben wir in der Gemeinde begonnen in den Akten zu stöbern, um die Gebietsreform zu rekonstruieren“, sagte Zentgraf. Dabei seien viele interessante Geschichten ans Tageslicht gekommen. „Beispielsweise forderte Keulos vor Eintritt in die Gemeinde, dass die ‚Unkrautspritze' in Keulos bleiben soll. Das war den Keulosern wohl sehr wichtig“, witzelte Zentgraf. Ebenfalls seien Dirlos und Pilgerzell aufgrund der finanziellen Lage fast gezwungen gewesen, der Gemeinde beizutreten.
Mit dem Kauf der Gutshofflächen mit einer Größe von 70 Hektar im Jahr 1962 durch die damals selbstständige Gemeinde Künzell wurde ebenfalls eine nachhaltige Entscheidung getroffen. „Der Erwerb war die Grundlage für den Ausbau einer Wohngemeinde zum Stadtrand Fulda. Somit konnten wir die Gemeindegrenzen erweitern“, betonte Zentgraf.
Weitere Geschichten hatten die ehemaligen Bürgermeister der Gemeinde Peter Meinecke und Hermann Brück für die Besucher. Im Rahmen eines Interviews erzählten sie von Entwicklungsschritte nach der Gebietsreform. Interviewt wurden sie dabei von Sabine Räth von der Gemeinde Künzell, die an diesem Abend die Besucher durch das Programm führte. Ein Thema habe Brück während seiner Amtszeit und die Gemeinde besonders beschäftig: Kindergärten. „Wir haben irgendwann beschlossen, dass jedes Kind in der Gemeinde einen Platz in den Kindergarten bekommt. Daran hält die Gemeinde bis heute fest“, so Brück. Unter anderem feiern einige der Gemeindekindergärten in diesem Jahr ebenfalls 50. Geburtstag. Ein Projekt, welchem sich Meinecke in seiner Amtszeit verschrieb, war die „Neue Mitte“. „Gemeinsam mit den Investoren haben wir einen tollen Platz erschaffen, der nun vielseitig genutzt wird. Ich bin sehr stolz, dass ich die ‚Neue Mitte‘ in 2014 einweihen durfte“, betonte Meinecke.
Bilder, Eindrücke und Zeitzeugen
Untermalt wurden die Anekdoten und historischen Fakten der Gemeinde mit einem anschließenden Foto-Rückblick: „50 Jahre Großgemeinde Künzell“. Dabei konnten die älteren Generationen in Erinnerungen schwelgen, für die jüngeren Besucher zeigten sich die erzählten Geschichten noch greifbarer. Die Dokumentation zeigte festgehaltene Highlights der Gemeinde. Gespannt schauten die Besucher die Fotografien der vergangenen 50 Jahre an. Bei einigen Fotos wurde geschmunzelt, andere Bilder weckten alte Emotionen. Untermalt wurde die Diashow mit Hits aus den jeweiligen Jahrzehnten.
Wie die Bürger die Gemeindereform empfanden, erzählten im Anschluss elf Zeitzeugen aus den verschiedenen Ortschaften der Gemeinde. Die Vertreter von Dietershausen erzählten beispielsweise, dass die ansässigen Landwirte eher nach Weyhers, Gemeinde Ebersburg, tendierten. Eine Bürgerinitiative sorgte jedoch dafür, dass Dietershausen schlussendlich in die Gemeinde Künzell eingegliedert wurde. Darunter Alfred Klüber, Norbert Maierhof (Dietershausen), Bernhard Schickling, Walter Schreck (Keulos), Thomas Grünkorn (Pilgerzell), Oskar Leitsch (Wissels), Helmut Vogler (Dassen), Eberhart Meffert, Herbert Ritz (Engelhelms), Margarete Möller und Karin Schultheis (Künzell).
Oskar Leitsch, Zeitzeuge aus Wissels, erzählte, dass Wissels ursprünglich nach Dipperz sollte. „Als die Gemeinde merkte, dass wir nicht nach Dipperz sondern eher nach Künzell wollen, hat Dipperz uns die Kindergartengebühr hochgesetzt“, so Leitsch. Die Wisselser hätten dann einen Alleingang gestartet und Verträge mit der Stadt Fulda geschlossen. „Leider hatten wir den Landkreis noch im Nacken, somit musste Wiesbaden entscheiden, wo wir hinkommen“, sagte Leitsch. Das Resultat war: Wissels geht nach Künzell, Margretenhaun nach Petersberg und Armenhof nach Dipperz. „Ohne den Weg über die Stadt Fulda, wären wir daher wohl vermutlich keiner Künzeller. Wir sind mit Künzell sehr zufrieden und es hätte für uns nicht besser laufen können“, betonte Leitsch.
Die Zeitzeugen hatten viele Geschichten über die Gebietsreform parat und gaben einen Eindruck darüber, was sich durch die Reform für die Bürger der Ortschaften änderte. Die Bilanz war dabei durchaus positiv und die Bürger seien froh, dass sie zur Gemeinde Künzell gehören.
Ehrungen für 25 Jahre Ortsvorsteher
Geehrt wurden an diesem Abend für ihr langjähriges Engagement in der Gemeinde Rainer Klüber (CDU) und Holger Phillipp (CDU). Klüber ist Ortsvorsteher in Dirlos seit dem 1. April 1997. Vier Jahre später, auf den Tag genau, wurde er Mitglied in die Gemeindevertretung. Ihm wurde an diesem Abend eine besondere Ehre zuteil. Neben der Urkunde für das 25-jährige Engagement als Ortsvorsteher überreichte ihm der Landrat den Ehrenbrief des Landes Hessen.
Auch Phillipp ist seit 25 Jahren Ortsvorsteher von Dietershausen. Bis 2021 war er in der Gemeindevertretung tätig sowie Vertreter des Zweckverbandes Abfallsammlung. Er bekam von Zentgraf die Urkunde überreicht. Bevor sich die Gäste auf das Buffet stürzten konnten, schlossen Woide und Brand mit einigen Grußworten das Programm. Beide sprachen der Gemeinde ihre Glückwünsche aus.
Der Festkommers wurde den ganzen Abend über vom Medienzentrum Fulda live übertragen. Die Aufnahme wird für die Bürger im Anschluss zur Verfügung gestellt. Zudem wird es auf kuenzell.medienzentrum-fulda.de weitere Beiträge und Geschichten von Zeitzeugen geben.
