Lokales FD 21.04.2022

„Krisheilich kömmd“ – Mundart-Hörkalender zum Advent entsteht

Ebersburg – Von Sascha Poldrack – „Es is schoa bol wiar soweid... Krisheilich kömmd“ – größtenteils im Rhöner Platt werden 26 Podcast-Leien bis Dezember insgesamt 24 Aufnahmen für einen Rhöner Hörkalender produzieren und die entsprechenden Adventskalendertürchen mit ihren Stimmen füllen. Dafür treffen sich die Senioren regelmäßig in Ebersburg – so auch am Mittwoch. Organisiert wird das vom Verein Miteinander-Füreinander Oberes Fuldatal und dem an der Hochschule angesiedelten Projekt RinkA.

Foto: Sascha Poldrack.

Wissen, Unterhaltung und Rezepte: Die Ideenfindung zu den drei Kernkategorien war beim dritten Treffen bereits abgeschlossen und die Teilnehmenden erhielten konkrete Projektaufträge. Wie kam das Skifahren in die Rhön? Welche Rhöner Rezepte gibt es zur Weihnachtszeit? Welche Brauchtümer gibt es? Unter anderem zu diesen Fragestellungen recherchierten die Teilnehmenden, die zum Großteil in Heimatgruppen und Platt-Clubs aktiv sind und entsprechende Netzwerke anzapfen konnten. „Was da an regionalem Wissen zusammen kommt, ist enorm“, staunte Ute Weber, Projektkoordinatorin RinKA (Regionale inklusive Bewegungs-, Sport-, Gesundheits- und Freizeitangebote) und fügte an: „Jetzt wollen wir dieses Kulturgut mit einem modernen Medium verknüpfen.“

In Mundart sollen die Podcasts aufgenommen werden. Projektteilnehmerin Elisabeth spricht gerne im Dialekt, den sich als ehemalige Verkäuferin in einem Möbelhaus häufig verkneifen musste: „Schade, denn ich würde gerne die Rhöner Mundart erhalten. Das Projekt ist dafür eine super Gelegenheit.“ Fast alle Teilnehmenden begeben sich auf unbekanntes Terrain – Audio-Aufnahmen hatte zuvor noch keiner gemacht. Einzig Hans-Georg war beruflich in der Medienbranche aktiv, filmte einst im Super 8-Format: „Vielleicht kann ich mein Wissen einbringen“, sagte er bescheiden, aber auch mit Vorfreude. Recherchieren, Skript schreiben, Audios aufnehmen und dann Veröffentlichen, auf die Senioren kommt Einiges zu.

„Es geht im Kern um die Vernetzung der Senioren. Einsamkeit im Alter wollen wir mit diesem Projekt entgegenwirken“, betonte Weber. In Gruppen werden die Teilnehmenden die Podcasts aufzeichnen, die notwendige Technik wird von der Hochschule Fulda gestellt. Das Projekt wird gefördert durch die Sparkasse Fulda. Der 90-jährige Akkordeonspieler Fred soll noch zur musikalischen Untermalung überredet werden. „Wir suchen darüber hinaus noch weitere Musiker. Vom Solo-Musiker bis zum Posaunenchor sind alle willkommen“, rief Weber auf.

Die drei- bis fünfminütigen Audio-Aufnahmen werden in der Adventszeit über die Webseite der Hochschule Fulda bereitgestellt, sowie über Spotify, Google Play und weiteren Streaming-Dienste. Das Ziel der Projektgruppe sei es, so viele Menschen wie möglich zu erreichen. „Damit die Zuhörer ohne Dialektkenntnisse genug verstehen, werden wir auch Hochdeutsch mit einbauen“, klärte Weber auf und ergänzte treffend: „Wir wollen Geschmack auf Platt machen, ohne dabei die Ohren zu erschrecken.“