Zum zweiten Mal vergab die Stadt Fulda den Inklusionspreis. In diesem Jahr stand das Engagement von Einzelpersonen und Organisationen in Corona-Zeiten im Mittelpunkt. So lautete das Motto dementsprechend „Beziehungen gestalten – Inklusion in der Corona-Pandemie.
Den ersten Platz machte dabei das Projekt „Kathamobil“ – ein Dreirad, zusammengebaut aus einem Campingstuhl und einem alten Kartoffelwagen, dass der gehbehinderten Katharina Werthmüller die Möglichkeit gibt, an den Wandertouren des JDAV teilzunehmen. Die Laudatio hielt für das Projekt an diesem Abend die erste Vorsitzende des Beirats der Menschen mit Behinderung, Lea Widmer. „Aus Miteinander wurde Inklusion und aus Inklusion wurde miteinander. Im Bergsport trägt jeder die Verantwortung für den anderen“, sagte Widmer. Mit dem Projekt sei an Angebot für Menschen mit Behinderung entstanden, indem Menschen mit Behinderung aufmerksam gemacht haben. „Der JDAV hatte Mut, gemeinsam Grenzen zu verschieben und trägt daher einen wichtigen Beitrag zur Inklusion bei“, so Widmer.
Die Idee zu dem „Kathamobil“ kam den Initiatoren des Projektes, Annabell Glübert und Pia Neuburger, nachdem Werthmüller Neuburger fragte, ob sie bei einem Ausflug in die Berge mitkommen könne. „Zuerst habe ich verneint, da die Strecken für Katha zu Fuß viel zu anstrengend gewesen wären. Doch der Gedanke, dass wir Katha ausschließen müssen, hat mich nicht losgelassen“, sagte Neuburger. Gemeinsam mit Glübert kam dann die Idee, ein Fahrzeug zu bauen, das Werthmüller ermöglicht, doch dabei sein zu können. „Ich habe meinem Vater gefragt, ob er uns nicht helfen kann. Er hat dann aus einem alten Kartoffelwagen meines Opas und einem Campingstuhl das ‚Kathamobil‘ gebaut“, erzählte Glübert und ergänzte: „Getestet haben wir das Fahrzeug in der Rhön und sind nun bereit, das Fahrzeug richtig einzusetzen.“ Der JDAV bekam für das Engagement ein Preisgeld von 2000 Euro vom Fuldaer Bürgermeister Dag Wehner verliehen.
Der zweite Platz mit dem Preisgeld von 1000 Euro verlieh der Bürgermeister an das Projekt „Podklusion“ – einen Podcast, der Menschen auf einfache und verständliche Weise verschiedenen Themen in den Bereichen Sport und Gesundheit erklärt. Ins Leben gerufen wurde er von Sarah Heinisch von der Hochschule Fulda, Mareike Remmel, Studentin der Sozialen Arbeit, Tanja Czarnomski von Antonius und Dr. Jan Ries ebenfalls von der Hochschule Fulda. Die Laudatio für dieses Projekt hielt Stefan Mölleney, Leiter Amt für Jugend, Familie und Senioren der Stadt Fulda. „Das Projekt hilft Menschen, die entweder die deutsche Sprache nicht verstehen oder Menschen mit kognitiven Einschränkungen dabei, Dinge besser zu verstehen. Es ist ein Projekt für Menschen mit Beeinträchtigung von Menschen mit Beeinträchtigung“, sagte Mölleney und bedankte sich bei den Preisträgern für ihr Engagement.
Bevor die Preise verliehen wurden, richtete Bürgermeister Wehner einige Worte an die Besucher. „Es war keine leichte Aufgabe, aus den zehn Bewerbungen die besten herauszufiltern, gleichzeitig war es eine Freude zu sehen, dass sich so viele Menschen für Inklusion einsetzten“. Die Pandemie bedeute an vielen Stellen eine außergewöhnliche Herausforderung und Belastung für die gesamte Gesellschaft. „Besonders schwer traf sie Menschen mit Beeinträchtigungen, da Einrichtungen und Angehörige nicht die Angebote und Betreuung anbieten konnten, die diese Menschen benötigen“, sagte Wehner und betonte: „Die Stadt Fulda macht schon einiges in Sachen Inklusion, doch wir sind noch nicht am Ende.“
