Als Grund für die Teilnahme ihrer Schüler an der Aktion erklärt Martina Frische, Lehrerin an der Albert-Schweitzer-Schule: „Ich wollte den Schülerinnen und Schülern einen guten Übergang vom ersten Lockdown zurück in den Schulalltag bieten und ihnen daher die Möglichkeit geben, ihre Gefühle zur Corona-Situation zum Ausdruck zu bringen.“ Die kreativen Ausdrucksformen finde sie allgemein sinnvoll und ansprechend. „Als Englischlehrerin wollte ich natürlich, dass sie auch die Sprache anwenden, daher sollten die Gedichte auf Englisch sein“, ergänzt sie. Daran hat sich der 14-jährige Leander von der Albert-Schweitzer-Schule gehalten, dessen Beitrag passend zu den Hamsterkäufen auf einer Klopapierrolle aufgeschrieben ist: „Corona. Many panic around the world. Quarantine for the people. Chill!“ Charlotte, ebenfalls an der Schule in der Klasse 6d, hat dagegen ein Bild gemalt, auf dem die Erde neben einem riesigen Corona-Virus zu sehen ist. Emilio, der zur Jakob-Grimm-Schule in Rotenburg in die fünfte Klasse geht, hat seine Gefühle für das Buch in einem kurzen Gedicht zusammengefasst.
Neben diesen Beispielen finden sich viele weitere Beiträge im Buch. „Bei den Aufgaben komme ich nur langsam voran, das stresst mich richtig“, schreibt Tyler. Alya hat große Angst, „dass meine Tante, die Krebs hat, das Corona-Virus bekommt und stirbt.“ Und Lisa wird poetisch: „Schule in Zeiten von Corona ist wie ein Schlachthof, nur dass Träume statt Tieren geschlachtet werden.“ Die Sorge um sich, die Sorge um andere: Das Buch Schule im Corona-Modus versammelt mehr als 400 Texte und Bilder aus 44 hessischen Schulen, in denen Jungen und Mädchen ihre Eindrücke und Erlebnisse in der Corona-Pandemie zu Papier gebracht haben.
Die Freude über zusätzliche schulfreie Tage im Lockdown habe nur kurz gewährt. Schnell sei auch der Humor verflogen, mit dem die Schüler noch die Hamsterkäufe von Nudeln oder Toilettenpapier kommentierten. Mit jedem Tag der Ausnahmesituation vermissten die Kinder die Struktur, die Schule und Unterricht ihrem Leben geben, mehr. Vor allem aber fehle ihnen der persönliche Austausch mit ihren Klassenkameraden vor Ort. Sie erleben schmerzlich, dass Online-Kommunikation diesen nicht ersetzen kann. Langeweile komme auf, dann Verunsicherung, Ängste vor dem Alleinsein, vor Vereinsamung, vor einer ungewissen Zukunft. Und Wut: Wut auf das Corona-Virus, diesen unsichtbaren Feind.
In ihrer Vielfalt – die Beiträge stammen aus allen Altersklassen und Schulformen – bilden die Arbeiten im Buch einen breiten Querschnitt der hessischen Schullandschaft ab. Um ein „ungeschöntes Stimmungsbild“ widerzugeben, hat die Aktion Hessen hilft als Herausgeber auf eine redaktionelle Überarbeitung verzichtet. Schule im Corona-Modus eröffnet so einen authentischen Einblick in die Gefühlswelten junger Menschen in einer nun schon mehr als einem Jahr währenden Extremsituation. Es ist auch eine Dokumentation der Kreativität, die Kinder und Jugendliche entwickeln, um ihren Sorgen und Nöten Ausdruck zu verleihen: Sei es mit einem Comic, in einem Tagebuch, einem Filmskript, einem Gedicht oder einem Gebet. Das Buch mit einem Grußwort des hessischen Kultusministers Professor Dr. R. Alexander Lorz ist zum Preis von 14,80 Euro im Buchhandel erhältlich.
