Bei „smartpaper“ handelt es sich um eine frei zugängliche Website, auf der Lehrer Aufgaben in unterschiedlichen Kompetenzstufen von eins bis fünf hochladen können. Eine Anmeldung mit persönlichen Daten ist nicht nötig, gearbeitet wird mit gängigen Textdateien. „Die Schüler schätzen sich selbst ein und kriegen Aufgaben. Die Bearbeitung erfolgt außerhalb der Plattform“, erklärt Bagus zum Ablauf. Der Prozess werde dabei individuell mit Absprachen zwischen Lehrer und Schüler begleitet. „Die Stufen orientieren sich an dem Deutschen Qualitätsrahmen für lebenslanges Lernen. Stufe eins beinhaltet ganz geschlossene Aufgaben, Stufe fünf Aufgaben auf Fachschul-Niveau, die eine Transferlösung erwarten“, ergänzt Bagus. Allgemein solle ein Berufsschüler nach der dreijährigen Ausbildung in der Lage sein, alle Aufgaben der Stufe drei im Fachbereich erfolgreich lösen zu können. Das System sei wissenschaftlich durch die Methodik der Technischen Universität Darmstadt abgesichert.
Wie Bagus angibt, hätten er und sein Kollege sich selbst auf den Deutschen Lehrerpreis 2021 beworben, ihr Sieg sei aber mehr als überraschend gewesen: „Bis vor wenigen Tagen vor der Verleihung wussten wir nichts, die E-Mail kam über die Schule.“ Als Teil der Siegerehrung erhielten die Beiden eine Urkunde von Kultusminister Alexander Lorz überreicht. „Wir freuen uns über die Wahrnehmung“, sagt Bagus. Ein Preisgeld habe es nicht gegeben, dies sei für ihn aber nicht so wichtig. Ihm gehe es mehr um die Wertschätzung für das Projekt, an dem er in den vergangenen Monaten regelmäßig fünf bis acht Stunden Arbeit pro Woche gearbeitet hat.
Die beiden Lehrer unterrichten für das Fach Druck und Medien an der Arnold-Bode-Schule in Kassel, die Arbeit an der Lehrplattform begann bereits Anfang 2018. Ursprünglich war das Konzept für den Präsenz-Unterricht ausgelegt, für Bagus funktioniere es aktuell auch in der Distanzlehre: „Unsere Schüler können nahtlos weiterarbeiten, das Feedback ist gut.“ Momentan verwenden fünf Klassen mit rund 100 Schülern die Plattform, in den kommenden Monaten solle die Nutzung ausgebaut werden. „Wir haben Anfragen verschiedener Einrichtungen, darunter Diakonie und Erwachsenenbildung. Die Fortbildung läuft über das hessische Kultusministerium“, gibt der Lehrer an. Er wünscht sich, mehr Lehrkräfte aus unterschiedlichen Bereichen gewinnen zu können.
