„Der hessenweite Spielbeginn ist im Verbandsspielausschuss im Umlaufverfahren für den 15. August festgelegt worden, wir sind aber ein Stückweit flexibel und könnten beispielsweise in der Hessenliga eine Woche früher starten“, sagte der neue Hessenliga-Klassenleiter Thorsten Bastian, der für einen möglichst frühen Start warb: „Wir müssen eine Wertung hinbekommen, dafür brauchen wir wenigstens 50 Prozent der Spiele. Je später wir anfangen, desto mehr Wochenspieltage kämen dazu.“ Die Wertungsgrundlage müsse allerdings noch besprochen und verabschiedet werden. Der Starttermin soll bis auf wenige Ausnahmen für alle hessischen Ligen gelten, später soll gerade in der Hessenliga nicht gestartet werden.
Bei einem Hessenliga-Start am vorgesehenen Termin sind insgesamt 18 Spieltage bis zum 12. Dezember vorgesehen, danach sollen 2022 ab dem 6. März bis zum 4. Juni (die Aufstiegsspiele zur Regionalliga beginnen am 8. Juni) noch einmal 13 Spieltage an Wochenenden absolviert werden. „Bei 22 Mannschaften benötigen wir insgesamt 42 Spieltage, das wären elf Werktagsspieltage, das ist ein Haufen Zeug. Bei einem Start am 29. August sind es sogar 13“, gab Bastian zu bedenken. Gleichwohl hängt der Start natürlich von den behördlichen Bedingungen ab, gespielt werden kann aktuell nur, wenn sich ein Landkreis in Stufe zwei befindet.
Kein Wunder also, dass der Hessische Fußball-Verband über alternative Lösungen nachgedacht hat und den Vereinsvertretern drei Modelle präsentierte: Viele Befürworter schon im Vorfeld hatte eine Zweiteilung der Liga nach geografischen Gesichtspunkten mit zwei Elfer-Gruppen. Alle osthessischen Teams wären dann gemeinsam mit Hanau 93, Alzenau, Erlensee, Stadtallendorf, Fernwald und Baunatal in einer Liga – damit wären mit der SG Barockstadt, Alzenau, Stadtallendorf und Hanau 93 gleich vier Titelaspiranten in einer Liga. Danach soll es eine Aufstiegsrunde mit zehn Mannschaften und eine Abstiegsrunde mit zwölf Mannschaften geben, insgesamt sind 34 Spieltage vorgesehen.
Zweites Modell wäre eine normale Runde mit Hin- und Rückspiel und insgesamt 42 Spieltagen, dritte Variante eine Einfachrunde mit anschließender Auf- und Abstiegsrunde. Nachdem jeder gegen jeden gespielt hat, sind eine Aufstiegsrunde mit zehn Mannschaften (neun Spieltage) und eine Abstiegsrunde mit zwölf Mannschaften (elf Spieltage) geplant, insgesamt sind 33 Spieltage vorgesehen. „Bei jedem Modell muss die Spielordnung geändert werden, das muss jeweils noch juristisch geprüft werden“, kündigte HFV-Vizepräsident Torsten Becker an. Nur zu bewusst ist sich der Verband, dass die Corona-Pandemie dem Spielbetrieb erneut einen Strich durch die Rechnung machen könnte, die Verbandsmitarbeiter Thomas Kaden und Walter Sitorius warnten davor, dass die dritte Saison in Folge nicht zum Ende gebracht werden könnte.
Zweiteilung oder Einfachrunde? – Entscheidung vertagt
Vollkommen einig waren sich die Vereinsvertreter, dass die Saison endlich wieder sportlich beendet werden soll und die Varianten eins und drei daher ihre Vorzüge haben, für eine normale Saison mit Hin- und Rückrunde war bis auf den Vertreter von Hessen Dreieich eigentlich niemand – auch wenn beispielsweise Berthold Helmke vom SV Steinbach zu bedenken gab, dass das die fairste Lösung sei. „Grundsätzlich sind wir aber gegen 42 Spieltage, wir haben jetzt erst in der Regionalliga gesehen, dass das nicht funktionieren kann. Ansonsten sind wir für beide Varianten offen“, sagte beispielsweise der Alzenauer Vertreter. Gut die Hälfte der Vereinsvertreter votierte für eine Einfachrunde, die andere Hälfte – darunter fast alle osthessischen – für eine Zweiteilung der Liga. „Bei einer Einfachrunde müsste dann klar definiert sein, dass die Mannschaften in der Auf- und Abstiegsrunde die gleiche Anzahl von Heim- und Auswärtsspielen haben“, gab Fliedens Vize-Vorsitzender Frank Happ zu bedenken.
Eine Entscheidung fiel letztlich allerdings nicht: „Wir werden jetzt sicherlich nicht heute Abend entscheiden, so und so wird es gemacht. Aber wir wollen uns ein Meinungsbild verschaffen“, erläuterte Bastian. Innerhalb von sieben Tagen sollen die Vereine eine endgültige Rückmeldung abgeben. „Wichtig ist, dass wir schnellstmöglich dann in die Planungen gehen können.“
SBG-Fans stocksauer
Viel Erklärungsbedarf seitens der Verantwortlichen gab es aber auch schon direkt nach Beginn der Sitzung: Am Eingangsbereich der Sportschule hatten Anhänger der SG Barockstadt nach dem verweigerten Regionalliga-Aufstieg und der Nachricht, dass die Stimme des HFV letztlich die Entscheidung für den Hessenliga-Verbleib gegeben hatte, Plakate mit der Aufschrift „Reuß=Lügner“ und „Scheiß HFV!) aufgehängt. HFV-Vizepräsident Torsten Becker sagte: „Das ist unschön. Aber sicherlich gibt es in der Thematik noch Erörterungsbedarf.“ Bastian wiederum betonte: „Wir hier vorne können uns inhaltlich dazu nicht äußern, wir waren bei der Gesellschafterversammlung nicht dabei.“ Allerdings soll es zeitnah eine Videokonferenz geben, bei der Fragen geklärt werden sollen.
Bastian stellte jedoch klar, dass der HFV in keinster Weise mit dem DFB zu vergleichen sei. Auch die Causa Matthias Bausch, bis vor kurzem stellvertretender Verbandsfußballwart und Hessenliga-Klassenleiter, wollte der neue kommissarische Vize-Verbandsfußballwart nicht unkommentiert lassen: „Mit Matthias haben wir einen sehr guten Mitarbeiter verloren. Das war aber kein HFV-Problem, sondern vor allem ein Problem der Kommunikation der handelnden Vereine“, betonte Bastian.
