RSS-Feed(Fokus) 03.09.2020

Gruppenliga – Ausgeglichenheit, Attraktivität und ausgiebige Anreisen

Osthessen (pf) – Vieles in der Fußball-Gruppenliga ist gewachsen – die Anzahl der Teams, der namhaften Protagonisten, die geographische Ausdehnung, doch geblieben ist der Spannungsfaktor: Schon im ersten Spiel stolperte die mit Vorschusslorbeeren gestartete Bronnzeller Viktoria, die Ausgeglichenheit der Klasse dürfte sich auch in der kommenden Saison im Tabellenbild zeigen. Doch die Trainer sind sich einig: An guten Tagen kann jeder jeden schlagen, heraus stechen aber zweifelsohne die Stadtrivalen Bronnzell und FT Fulda.

Foto: Christine Görlich

„Das Spiel hat mir das gezeigt, was ich schon die letzten zwei Jahre gesehen habe: In der Liga kann jeder jeden schlagen“, sagt FT-Coach Romeo Andrijasevic nach dem Hosenfelder 3:2 vergangene Woche, als die hoch gehandelte SG Bronnzell ein 2:0 noch aus der Hand gab und die ersten Punkte verspielte. Es war ein Warnschuss vor dem eigentlichen Startschuss, der aber für alle Teams gelten dürfte. Neben der Viktoria wird besonders Andrijasevic‘ Mannschaft von der Konkurrenz als Titelkandidat genannt, was den Fuldaer Trainer nicht komplett wundert, der aber auch einen kleinen Nachteil benennt: „Ja, wir haben einen guten Kader. Aber der Unterschied zu anderen Mannschaften ist, dass wir nicht unbedingt eine eingespielte erste Elf haben. Da findet fast ständig ein Wechsel statt und das deutet sich auch jetzt wieder für die ersten Wochen an. Es wird spannend zu sehen, ob wir die Qualität als Mannschaft bündeln können, das wird eine Herausforderung“. Dass die Qualität da ist, unterstreichen Namen wie Paul Hohmann oder Jan-Henrik Wolf allemal, in nichts nach steht dem FT-Kader aber das Aufgebot der Bronnzeller, die mit Kevin Hohmann, Jan-Niklas Jordan oder Marek Weber ebenfalls nachgelegt haben. Die Frage wird aber sein, ob die einen oder die anderen – oder gar ein ganz anderes Team – vorneweg marschiert wie vor drei Jahren Eichenzell oder vor zwei Bad Soden. Zumindest vermuten das die wenigsten zum Saisonstart.

 

Bronnzell, FT Fulda – und dann?

Sicherlich dürfte sich unter normalen Umständen ein enges Titelrennen abzeichnen, auch andere Teams möchten beziehungsweise können durchaus ein Wörtchen oben mitreden, unter anderem stellte Hosenfeld das bereits unter Beweis, doch ein halbes Jahr nach vorne denken möchte Andrijasevic, zumindest was die Tabelle und das Titelrennen angeht, heute nicht: „Wenn wir dann noch spielen, wäre ich in allererster Linie froh, dass wir diese Etappe geschafft haben. Da wäre mir sogar die Tabelle nicht so wichtig“, sagt er nach der langen Corona-Pause.

Einer, der die Liga bestens einschätzen kann, ist der langjährige Hosenfelder und jetzige Petersberger Coach Rodoljub Gajic, der die Schwergewichte Bronnzell und FT Fulda mit großer Strahlkraft weit vorne sieht und auch die Auftaktpleite der Viktoria noch nicht überbewertet: „Die Bronnzeller Mannschaft muss sich noch finden. Aber es wird eng zugehen und auch noch mehr solcher Spiele geben“, weiß Gajic, der trotz einiger Abgänge auch seinen Ex-Club auf dem Zettel hat: „Hosenfeld hat gute Qualität und Erfahrung“. Die Gajic-Truppe aus Petersberg wiederum hat zuletzt mit Kemal Sarvan und David Wollny zuletzt zwei Unterschied-Spieler dazugewonnen, an denen sich die Gruppenliga weiter erfreuen kann und die den RSV sicher auch etwas nach oben hieven können.

 

Einmal quer durch die Region

Vergangenes Jahr am anderen Ende der Tabelle stand der TSV Künzell, der aber mit einem ganz anderen Gefühl in die neue Runde geht. Es ist viel Positives zu spüren beim Gruppenliga-Dino unter Neu-Coach Marco Gaul. „Wir dürfen uns kaum Fehler erlauben. Priorität muss sein, so schnell wie möglich den Klassenerhalt einzutüten“, macht er klar. Für die Künzeller geht es zum Auftakt gegen den FV Horas, der sicher kein normaler Aufsteiger ist und sich anschickt, stärkster Neuling der kommenden Saison zu werden. Einige mit Hessenligaerfahrung gespickte Spieler wie Pierre Mistretta oder Patrick Lesser sowie junge Wilde wie Mark Zentgraf, Simon Rippert oder Julius Günther sorgen in Horas für eine starke Mischung. Aus dem Süden kamen mit Kressenbach/Ulmbach und Gundhelm/Hutten gleich zwei Aufsteiger, die sich in der Vorsaison quasi auf Augenhöhe begegneten. Es dürfte spannend zu sehen sein, wir sich beide Teams in der Gruppenliga akklimatisieren, während der ESV Hönebach das Gebiet der Liga auch in Richtung Norden vergrößert hat und den Teams längere Fahrtstrecken „beschert“, nur für drei Teams (HSV, Eiterfeld/Leimbach und Aulatal) ist die Anreise nach Hönebach nicht die längste. Apropos Norden: Eine große Frage wird sein, ob die SG Aulatal, die eingespielt wie wenig andere Konkurrenten ist, ihre bärenstarke Vorsaison bestätigen kann, während die SG Eiterfeld/Leimbach die Abgänge von Sarvan und Wollny kompensieren muss.

Andere Mannschaften wie der SV Müs, Oberzell/Züntersbach, Kerzell, die SG Elters/Eckweisbach/Schwarzbach oder die Wundertüte Hünfeld, weil zweite Mannschaft, haben sich in den vergangenen Jahren etabliert und wollen auch diesmal von Anfang an nichts mit dem Abstieg zu tun haben, die Rhöner konnten mit fünf Siegen am Stück in der Vorsaison gar für einen Hammer-Start sorgen. Für Kerzells Trainer Uwe Bleuel ist Auftaktgegner Elters/Eckweisbach/Schwarzbach gar eine Art Vorbild, „weil sie es geschafft haben, ihre Mannschaft kontinuierlich weiterzuentwickeln und mit vielen eigenen Spielern zu arbeiten“. Etablierte Gruppenliga-Mannschaften wie Großenlüder oder Schlüchtern wollen derweil von Beginn an weiter vorne mitmischen, der Teutonia gelang das im Vorjahr, die SGS will unter Marc Friedel einige Plätze nach oben klettern und seinen Ansprüchen wieder gerecht werden. Friedel ist einer von neun Protagonisten, die als Spielertrainer agieren, er reiht sich damit neben Mark Jaksch, Denis Erovic und die neuen Gesichter Marco Gaul, Anton Balz, Tim Mulfinger und Julian Wehner ein, die ebenfalls Erfahrung und Qualität in ihren Rollen mitbringen.

 

Corona-Ausfälle schon an Spieltag eins

Zumindest nicht mit Punkten an diesem Wochenende starten Schlüchtern, Kressenbach/Ulmbach und Oberzell/Züntersbach nach den jüngsten Corona-Vorfällen, was nicht nur die Gruppenliga in den kommenden Wochen weiterhin einholen könnte. Doch alle Trainer sind sich zumindest in diesem Punkt einig und hoffen, dass die Runde so normal wie möglich über die Bühne gebracht werden kann. „Wenn ein Spiel ausfällt, wird es nachgeholt. Solange nicht sieben, acht Mannschaften gleichzeitig betroffen sind, bin ich eigentlich optimistisch“, sagt beispielsweise Uwe Bleuel.