RSS-Feed(Fokus) 06.10.2020

Hessenliga – Beim SV Neuhof brodelt‘s – „Kirche im Dorf lassen“

Neuhof (fs) – Immer noch nicht gelegt hat sich der Staub beim SV Neuhof nach der Trennung von insgesamt fünf Spielern: Keeper Dogus Albayrak und Innenverteidiger Leon Bräuer werfen einem Sponsor vor, Einfluss auf die Aufstellung genommen zu haben, daraufhin verabschiedete sich das Duo vom Fußball-Hessenligisten. Die Vorwürfe weist Cheftrainer Alexander Bär weit von sich – und wünscht sich mehr Ruhe im Umfeld.

Dogus Albayrak (links) und Leon Bräuer sind aktuell auf der Suche nach einem neuen Verein. Fotos: Christine Görlich

Schon nach dem 1:0-Sieg in Hünfeld Mitte September hatte es erste Spannungen gegeben, richtig krachte es nach dem 0:4 zuhause gegen Friedberg und es kam zu einem lautstarken Wortgefecht mit einem Gönner des Vereins. „Wir haben eh kein gutes Verhältnis, schon in der Vorsaison nicht, das war aber geklärt. Aber dann gab es verbale Auseinandersetzungen nach dem Spiel gegen Friedberg und grundlose Vorwürfe gegen uns Spieler“, erklärt Bräuer.

Klärende Gespräche fruchteten nicht, während Albayrak bei der 3:4-Niederlage gegen Baunatal nochmal im Kasten stand, war Bräuer gegen Friedberg letztmals im Neuhofer Kader, für Albayrak war dann ebenfalls Schluss. „Der Hauptgrund, warum wir nicht mehr für den SV Neuhof spielen: Der Sponsor hat sich eingemischt“, so Bräuer, der schildert: „Ohne, dass mit mir gesprochen wurde, stand ich gegen Baunatal gar nicht im Kader. Aber das ist ja noch okay, das ist eine Trainerentscheidung. Vor dem Spiel in Fernwald bin ich angerufen worden, mir ist dann gesagt worden, dass ich nicht im Kader bin, weil der Sponsor das so will.“ Albayrak wiederum erläutert, warum er gegen Fernwald nicht zum Einsatz kam, so: „Alex hat mich angerufen vor dem Fernwald-Spiel. Er hat gemeint, er wäre sehr zufrieden mit meiner sportlichen Leistung. Der Sponsor hat ihm aber die Pistole auf die Brust gesetzt nach dem Motto: Wenn ich nicht spiele, tue ich dem Verein etwas Gutes. Ich habe dann gesagt: Der Verein liegt mir am Herzen, ich will nicht egoistisch sein und spiele eben nicht. Ich habe hier absolut selbstlos gehandelt“, erläutert Albayrak.

 

„Kirche im Dorf lassen“

Den Schilderungen widerspricht Cheftrainer Alexander Bär vehement und betont: „Ich lasse mich von niemandem erpressen und auch nicht negativ beeinflussen. Wir haben im Trainerteam entschieden, dass wir erstmal Luft rauslassen, um Platz für Gespräche zu schaffen. Zu Leon habe ich gesagt, dass die Vorfälle, die neben dem Sportplatz passiert sind, erstmal aufgeklärt werden müssen. Das bedeutet aber nicht, dass von außen versucht wird, Einfluss auf die Aufstellung zu nehmen.“ Vielmehr wirft der Trainer den Spielern vor, sich gegenüber Zuschauern und Sponsoren nicht immer ordentlich verhalten zu haben. Das sieht Bräuer wiederum anders: „Dass man nicht immer ruhig bleibt, wenn man von einem Sponsor und SV-Neuhof-Mitglied als Spinner bezeichnet wird und gefragt wird, was man überhaupt hier will und man kein Spiel mehr macht, ist auch klar. Ich habe aber keineswegs den Sponsor beleidigt.“

Das Ende vom Lied geht jedenfalls so: Albayrak verabschiedete sich am Freitag im Training von der Mannschaft: „Ich kann mich damit nicht mehr identifizieren, dass eine Person so viel Einfluss hat. Es ist sehr schade, dass es so auseinandergeht, ich war immer mit dem Herzen dabei und war loyal – trotz vieler Angebote“, sagt der 31-Jährige und Bräuer erklärt: „Ich habe gesagt: Das hat keine sportlichen Gründe, hier entscheiden andere Leute, wer hier spielt. Und dass ich mich verletzt habe, als ich nicht gespielt habe, stimmt auch nicht. Ich sehe keinen Sinn darin, dort weiter Fußball zu spielen. Ich will Spaß am Fußball haben und mich nicht beleidigen lassen müssen.“

 

„Ich erwarte mehr Fairplay“

Trainer Alexander Bär wiederum sieht sich teilweise falsch verstanden und in ein falsches Bild gerückt – er handle stets im Sinne des Vereins und konzentriere sich auf das Sportliche, die Vorfälle wiederum seien privater Natur: Zudem habe er immer wieder zu den Spielern gehalten und immer wieder versucht, im Sinne des Vereins zu schlichten. Die Entscheidung vor dem Fernwald-Spiel sei dann eine kurzfristige gewesen. „Dass daraus gleich ein Vulkanausbruch entsteht, haben wir als Verein und als Mannschaft nicht verdient – gerade, wenn man so viele Jahre positiv zusammengearbeitet hat“, sagt Bär, der bedauert, dass nun viel Unruhe von außen hereingetragen werde, obwohl es unterm Kaliberg gerade so gut laufe: „Beide Spieler haben von sich aus gesagt, dass sie nicht mehr für den Verein spielen wollen, aber ich erwarte da mehr Fairplay. Man kann niemanden zwingen, hier Fußball zu spielen, aber man muss manche Dinge nicht über die Medien ausdiskutieren. Das ist völlig unnötig und hätte so nicht passieren müssen – alle müssen mal die Bälle flach halten.“

Mit dem älteren Bräuer-Bruder hat auch Youngster Evan-Luis den Verein verlassen, ebenso wie Andreas Alexandris und Mateusz Jaremkiewicz. Wie es jetzt für Bräuer weitergeht, ist noch offen: „Ich habe die ein oder andere Option, aber das wird sich heute Abend ergeben. Da man aber nur noch mit Amateurvertrag wechseln kann, kann es auch sein, dass ich bis zum Winter gesperrt bin.“ Ähnlich sieht es bei Albayrak aus.

Veränderungen gibt es bekanntlich auch im Trainerstab: Torsten Mitteis, der erst im Sommer als Co-Trainer aus Freundschaft zu Abteilungsleiter Michael Böhm eingestiegen war, ist seit der 3:4-Niederlage gegen Baunatal schon nicht mehr Teil des Trainerteams. „Aber im Winter wäre sowieso Schluss gewesen“, betont Mitteis, der sich zu den Gründen der vorzeitigen Trennung nicht weiter äußern will. Chefcoach Alexander Bär hatte berufliche und familiäre Gründe beim 47-Jährigen angeführt.