Hilsberg rechnete förmlich mit der SED Führung ab und konstatierte, dass die DDR 1989/90 bankrott gewesen sei. Für die zurzeit um sich greifende Ostalgie zeigte er wenig Verständnis und bezeichnete dies als Spätfolge der SED-Propaganda, da die DDR ein totalitärer Staat gewesen sei und nicht als soziales Vorbild tauge, wie mittlerweile oft behauptet würde. Nachdem er die positive Rolle der Bürgerbewegung und der Evangelischen Kirche in der DDR dargestellt hatte, beschrieb er die damalige außenpolitische Konstellation als Glücksfall, der die Einheit erst möglich gemacht habe. Insbesondere die Rolle Gorbatschows, der aus seiner Sicht nicht nur die Deutsche Einheit maßgeblich ermöglicht, sondern ein neues Paradigma in der Weltpolitik geschaffen habe, könne man nicht hoch genug würdigen. Hilsberg blieb aber nicht bei der Beschreibung der Wendejahre und den Entwicklungen des Einigungsprozesses der vergangenen 30 Jahre stehen, sondern forderte die Zuhörer auf, die Herausforderungen, die gerade in Ostdeutschland immer noch durch die Hinterlassenschaft der deutschen Teilung bestünden, anzunehmen und jeder Einzelne solle mit seinem Verstand und Urteilskraft Verantwortung für die Erneuerung der wirtschaftlichen Dynamik und der Entfaltung der Demokratie übernehmen. Die Ausstellung „Umbruch Ost. Lebenswelten im Wandel” die zeitgleich eröffnet wurde widmet sich dem Alltag der deutschen Einheit seit 1990. Im Zentrum stehen dabei die Umbruchserfahrungen der Ostdeutschen. Die 23 Tafeln umfassende Ausstellung ist bis zum 27. November im Bonifatiushaus zu besichtigen.
