Lokales MKK 04.11.2020

Castortransport rollt durch Osthessen – Tausende Polizisten im Einsatz

Osthessen (gü/oz) – Sechs Behälter mit radioaktivem Abfall sind in der Nacht durch Osthessen gerollt. In Hünfeld legte der Zug einen Stopp ein. Die Castorbehälter wurden vom englischen Sellafield ins Zwischenlager nach Biblis transportiert. Die letzte Etappe mit dem Zug von der Küste nach Südhessen dauerte rund 14 Stunden (update 14 Uhr).

Fotos: Fuldamedia.

Der insgesamt rund 600 Meter lange Zug bestand aus sechs Wagen mit den Castoren, mehreren Loks und Wagen für Polizei und Begleitpersonal. Entlang der rund 500 Kilometer langen Strecke wurde der Transport auf dem Boden und in der Luft von tausenden Beamten der Landes- und Bundespolizei begleitet. Auch entlang der Strecke in Osthessen war in der Nacht der Polizeihubschrauber zu hören und zu sehen. Unter anderem vor dem Hotel Esperanto hatte sich ein Großaufgebot Polizei versammelt. Der Zug war am Dienstagabend im Hafen Nordenham bei Bremerhaven gestartet. Über Hude, Bremen und Hannover ging es Richtung Hessen. Die Landesgrenze wurde gegen 0.50 Uhr passiert. Von Nordhessen ging es durch Bebra und Bad Hersfeld nach Hünfeld wo ein Personalwechsel anstand. Anschließend rollte der Zug durch den Fuldaer Bahnhof und weiter in den Main-Kinzig-Kreis. Bei Hanau bog der Transport dann Richtung Darmstadt ab, von wo es weiter nach Biblis ging.

Die sechs Behälter mit radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufbereitung deutscher Brennelemente waren vergangene Woche zunächst auf der Schiene von der Wiederaufbereitungsanlage im englischen Sellafield zum rund 65 Kilometer entfernten Hafen Barrow-in-Furness gebracht und dort verladen worden. Anschließend ging der Transport mit dem Schiff weiter nach Nordenham, wo die Behälter wieder auf Eisenbahnwaggons geladen wurden. Der Zug fuhr direkt bis nach Biblis, wo er über das dem Zwischenlagerbetreiber BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH gehörende Anschlussgleis bis in unmittelbare Nähe des Zwischenlagergebäudes rangieren konnte. Dort werden die Behälter abgeladen und in das Zwischenlagergebäude gebracht, wo sie vorbereitet und eingelagert werden.

 

Bundespolizei zieht positive Bilanz

Der Transportzug mit deutschen Wiederaufbereitungsabfällen aus Sellafield in Großbritannien ist mit umfangreichen polizeilichen Sicherungsmaßnahmen am Mittwoch gegen 10.15 Uhr sicher im Zwischenlager Biblis eingetroffen. Die Bundespolizei hatte diesen Großeinsatz zur Sicherung des Schienentransportes aufgrund der Corona-Pandemie unter Berücksichtigung eines strengen Hygienekonzeptes durchgeführt. „Wir haben keine größeren Störungen festgestellt und sind sehr zufrieden mit dem Einsatzverlauf. Dass wir trotz des derzeitigen Infektionsgeschehens in Deutschland kaum Ausfälle von Einsatzkräften der Bundespolizei hatten, ist insbesondere der großen Disziplin aller beteiligten Kolleginnen und Kollegen zu verdanken", resümierte der Gesamteinsatzleiter, Direktor in der Bundespolizei, Gregor Pelzl.

Der Zug aus Nordenham, der planmäßig am Abend zuvor den Hafen um 19.55 Uhr verlassen hatte, wurde von über 6000 Bundespolizistinnen und Bundespolizisten gesichert und begleitet. Dabei kamen neben Polizeihubschraubern zur Überwachung aus der Luft, erstmalig bei dieser Art von Großeinsätzen, Drohnen zur Aufklärung von Einsatzräumen und zur Dokumentation relevanter Vorkommnisse in Polizeilagen zum Einsatz. Im Vorfeld sicherten zwei Einsatzschiffe der Bundespolizei den Schiffstransport der sechs Transportbehälter auf der Nordsee in den Hafen Nordenham in Kooperation mit der Wasserschutzpolizei Niedersachsen.

Am Sonntag kam es zu einer Plakataktion am Bremer Hauptbahnhof durch fünf Personen, die auf das Dach des Hauptbahnhofes kletterten. Gemeinsam mit der Polizei Bremen wurde die Störung letztlich durch das Höheninterventionsteam der Bundespolizei beendet und ein Strafverfahren eingeleitet. Auf dem Zufahrtsgleis in das ehemalige Kernkraftwerk Biblis hielten am Mittwoch fünf Personen eine Versammlung ab, wodurch dieses kurzzeitig blockiert wurde. Die Versammlung wurde durch die Versammlungsbehörde Biblis aufgelöst. Da Personen dieser Verfügung nicht nachkamen, mussten die Personen durch Beamte der Bundespolizei vom Gleis getragen werden. Eine Person widersetzte sich aktiv gegen diese Maßnahme. Ein Ermittlungsverfahren wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte wurde eingeleitet. Zu den anderen Personen dauern die polizeilichen Ermittlungen noch an. An einigen Bahnhöfen des Streckenverlaufes über die Route Nordenham-Bremen-Hannover-Göttingen-Hünfeld-Hanau-Darmstadt-Biblis fanden kleinere, friedliche Protestaktionen und Mahnwachen statt. Diese hatten keine Auswirkungen auf den Transportverlauf.

 

Personen zu Identitätsfeststellung zur Wache gebracht

Am frühen Morgen wurde im Bereich Steinau an der Straße ein Bus kontrolliert, der sich in räumlicher Nähe zur Transportstrecke befand. Im Rahmen der Identitätsfeststellung weigerten sich mehrere Businsassen, Angaben zu ihrer Identität zu machen. Einige Personen wiesen zudem vorsätzlich verklebte Fingerkuppen auf, was die Identitätsfeststellung erschwert und führten keine Ausweispapiere mit. Fünf Personen, deren Identitäten festgestellt werden konnten, durften ihren Weg fortsetzen. 13 Businsassen wurden zum Zwecke der Identitätsfeststellung zu einer Polizeidienststelle gebracht und von dort entlassen.