„Die Thematik ist sehr vielfältig“, so Al-Hami, der deutliche Kritik übt: „Weder die Gesundheitspolitik, noch die Spezialisten konfrontieren die Menschen ehrlich mit dem Thema.“ Er vermisst eine „anständige Informationspolitik“ und zentrale Anweisungen.
Aktuell wisse niemand, wie viele Personen wirklich infiziert sind, da nicht alle Infizierten auch registriert werden. „Und eine infizierte Person ist noch keine erkrankte Person“, stellt Al-Hami klar. Von den Corona-Infizierten erkranken laut Al-Hami zwischen zwei bis zehn Prozent. Im Landkreis Fulda mit 222.000 Einwohnern würden demnach etwa 22.200 Personen an dem Virus erkranken, 90 Prozent der Bevölkerung aber nicht. Rund 2200 Menschen müssten behandelt werden, mathematisch würden 4,4 Menschen im Landkreis Fulda daran sterben. Deutschlandweit würde es laut dem Neurochirurg dann etwa 300 Todesfälle geben. Die Rechnung gehe aber auch nur mit entsprechenden Maßnahmen auf.
Grundschulen und Kindergärten schließen
„Wir werden die Durchseuchungsrate nicht ändern, sondern können sie nur verlangsamen“, sagt Al-Hami. Daher plädiert er unter anderem dafür, jetzt die Kindergärten und Grundschulen zu schließen. Mütter sollten von ihrem Beruf freigestellt werden, um die Kinderversorgung übernehmen zu können. Gleichzeitig sollen sie ihr Gehalt weiter bezahlt bekommen, aber nicht vom Arbeitgeber, sondern durch staatliche Mittel. Der Neurochirurg fordert klare Maßnahmen durch die Bundesregierung.
Appell an die Osthessen
„Die Leute müssen verantwortungsbewusst sein“, appelliert Al-Hami. Wer erkältet sei und beispielsweise Husten und Schnupfen habe, solle zu Hause bleiben, nicht an die Arbeit gehen und auch Freizeitaktivitäten wie Kinobesuche lassen. Weiter solle jeder seine Abwehr stärken und auf ausreichend Desinfektion und Körperpflege achten sowie Risikogebiete meiden. „Man muss die Leute aber auch aufklären“, meint Al-Hami. So sei nicht jeder Infizierte ein Überträger von Corona. „Die Übertragung des Virus findet durch die Tröpfcheninfektion statt.“ Wer infiziert sei, aber keine Symptome wie Husten aufweise, könne das Virus auch nicht auf andere übertragen, solange er den körperlichen Kontakt zu ihnen meidet.
Vorbereitungen müssen intensiviert werden
Die Produktion der Corona-Tests, die die Ärzte durchführen können, laufen auf Hochtouren. Auf der anderen Seite brauche es aber auch Personal, das diese durchführe. Die normale medizinische Versorgung in Deutschland könne laut Al-Hami nicht einfach so fortgeführt werden wie bislang, während sich das Virus weiter ausbreite. Die Aufgaben und Kapazitäten der Krankenhäuser und niedergelassenen Ärzte in Sachen Corona müssten seiner Ansicht nach klar bestimmt werden. Da muss jetzt etwas geändert werden, man könne nicht so einfach weiter machen. Die Behandlung von zahlreichen Corona-Patienten müsse intensiv vorbereitet werden.
Verstehen kann der Neurochirurg beispielsweise nicht, dass der Landkreis Fulda und das Gesundheitsamt bislang nicht auf ihn als Klinikbetreiber zugekommen sind, um über einen Krisenplan zu sprechen. „Massiv kritisiere ich, dass der Kreis Fulda uns als Klinik ignoriert“, sagt Al-Hami, der anfügt: „Vom Land Hessen wiederum werden wir zu 100 Prozent eingebunden.“ Allein jetzt müssten seiner Ansicht nach im Landkreis etwa 100 Betten für Isolierstationen sowie weitere Intensivbetten bereitgestellt werden. Keiner wisse so richtig, wie die Planungen laufen. Hier fehle es eindeutig an Information.
Maßnahmen im Neuro-Spine-Center
Für das Neuro-Spine-Center hat er ein eigenes Krisenmanagement erstellt, das in den kommenden Tagen weiter ausgearbeitet wird. So wird er extra Personal bereitstellen, dass die Menschen am Eingang darauf hinweist, sich die Hände zu desinfizieren. Auffällige Personen bekommen die Temperatur gemessen. Zudem sollen Patienten nur dringenden Besuch von Angehörigen und Bekannten empfangen.
