Lokales FD 04.06.2020

Tausend Kilometer mit dem Segelflugzeug – Erfolg für Chris Jörges

Gersfeld (oz/eg) – Was ein Erfolg für Chris Jörges vom Rhönflug Gersfeld/GFS Wasserkuppe: Gleich zwei Mal nutzte der 34-Jährige das gute Segelflugwetter der letzten Maiwoche, um zu einem tausend Kilometer langen Flug aufzubrechen. Damit sicherte sich Jörges ein Platz im Club der Tausend-Kilometer-Piloten, denn außerhalb der Thermik und Wellenflugparadiese auf der Südhalbkugel der Welt ist solch ein langer Flug eine außerordentliche Leistung.

Mit zwei Tausend-Kilometer-Flügen hat sich Chris Jörges von Rhönflug Gersfeld/GFS Wasserkuppeeinen großen Traum erfüllt (Foto: Privat / Jörges)

Über den Rhein ging es Richtung Französischer Grenze (Foto: Privat, Jörges)

Die Instrumente zeigen es an: Nach 9.33 Stunden waren beim ersten Flug bereits 1001 Kilometer geschafft (Foto: Privat / Jörges)

Die Bedingungen für einen Tausend-Kilometer-Flug hätten Ende Mai kaum besser sein können: Zwischen einem Hoch über Skandinavien und einem Tiefdruckgebiet im Osten floss frische Kaltluft, die für langanhaltende Thermik (Aufwinde) sorgte. Um an Höhe zu gewinnen, muss der Pilot steil in engen Aufwinden kreisen, die dem Segelflugzeug die Energie zum weiteren Flug verschaffen. So nutzte Jörges bei seinem ersten Tausender insgesamt 50 Aufwinde, die ihm im Mittel ein Steigen von 1,94 Metern pro Sekunde brachten. Nach dem Abflug von der Wasserkuppe ging es Richtung Thüringer Wald und zum Bayrischen Wald, vorbei am großen Arber. Kurz vor der Grenze zu Österreich wendete Jörges und peilte mit dem Wind im Rücken Regensburg und das Donautal an. Bei gutem Flugwetter ging es dann über Aalen zurück zur Wasserkuppe. Damit war ein 895-Kilometer-Dreieck geschlossen. Weil die Thermik passte, verlängerte Jörges seinen Flug bis zu den Hasbergen, um dort umzudrehen – insgesamt schloss er den Tag mit einer Flugdistanz von 1044 Kilometern ab.

Der zweite Tausend-Kilometer-Flug führte Jörges in den Thüringer Wald und weiter über Bayreuth nach Weiden. Dort wurde Westkurs eingeschlagen, der Rhein gequert und bei Zweibrücken kurz vor der Französischen Grenze gewendet. Auch dieses Mal verlängerte Jörges seinen Flug noch – bis Kitzingen, sodass der 34-jährige Industriemeister am Ende 1023 Kilometer im reinen Segelflug zurückgelegt hatte. Die beiden Flüge wurden detailliert von einem Logger erfasst. Damit kann der Pilot belegen, dass er alle sportlichen Regeln und Vorgaben im Luftraum beachtet hat. Die Flüge wurden an die OLC Plattform (Online Contest) gemeldet. In der weltweiten OLC Tageswertung flog Jörges am 27. Mai unter 1026 gemeldeten Flügen auf den fünften Platz (1122,4 Punkte). Am 29. Mai schloss er seinen Flug unter 1044 weltweiten Flügen mit einem achten Tagesplatz (1077 Punkte) ab. „Wenn man nach rund zehn Stunden Flugzeit aus dem Cockpit steigt, meint man, seine eigenen Flügel verloren zu haben“, berichtete Jörges am Ende der Tour.

Die beiden langen Flüge waren nur aufgrund von viel Erfahrung, Kondition und Konzentration möglich. Auf die kann Jörges zurückblicken – hat er seine Flugausbildung auf der Wasserkuppe schließlich bereits mit 14 Jahren begonnen. Das Fliegerblut hat er sicherlich von Vater Harald Jörges geerbt, der selbst begeisterter Segelflieger und Schulleiter der Fliegerschule ist. Gerne erinnert sich Chris Jörges, der aktuell auf rund 2000 Flugstunden zurückschaut, an die Zeiten, als er als Kind, seinen Opa beim Modellfliegen begleitete. „Das hat mich schon damals sehr begeistert“, schildert Chris Jörges. Heute ist Jörges als Fluglehrer im Doppelsitzer unterwegs und gibt seine einzigartigen Erfahrungen an seine eigenen Flugschüler weiter. „Für mich ist es immer wieder ein Erlebnis, allein mit Wind und Wolken unterwegs zu sein“, so Jörges abschließend.