RSS-Feed(Fokus) 08.06.2020

Palliativstiftung in finanziellen Nöten – Kreative Ideen gefragt

Fulda (gü) – Keine Messen, keine Veranstaltungen, keine Spenden – die Corona-Krise trifft auch die Deutsche PalliativStiftung mit Sitz in Fulda. Über große Charityevents und Projekte wie „powernfuerpalliativ“ wird normalerweise ein Großteil der für die Stiftungsarbeit notwendigen Einnahmen generiert, doch für dieses Jahr ist fast alles abgesagt und das bringt die Stiftung in finanzielle Nöte. Auf der anderen Seite ist die Expertise der Mitarbeiter gerade in der Krise sehr gefragt.

Elke Hohmann. Foto: Bensing & Reith

„Als Stiftung bekommen wir keine institutionelle Förderung. Wir finanzieren uns rein über Spenden, Projekte und unseren Förderverein. Dieses Jahr wären wir auf vielen großen Events gewesen“, schildert Elke Hohmann, Geschäftsführerin der Deutschen PalliativStiftung. Bundesweit sind die Mitarbeiter auf Messen und Kongressen unterwegs, um ihre Arbeit vorzustellen und auf ihr Thema aufmerksam zu machen. Gerade in Kooperation mit Sportvereinen gibt es immer wieder größere und kleinere Charityevents. Doch ob „I run for life“, wofür die Sponsoren fehlen, oder ein großes Sportevent in Mettmann, für das schon 40.000 Flyer gedruckt waren – in diesem Jahr muss fast alle abgesagt werden, einzig für ein größeres Golfturnier hat Hohmann noch Hoffnung. Auch die Veranstaltungen zum zehnjährigen Bestehen der Deutschen Palliativstiftung – ein Festakt und eine Wanderausstellung mit Rahmenprogramm in Fulda – mussten gecancelt werden. Die Verleihung des Kommunikationspreises, den die Deutsche Palliativstiftung gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin vergibt, kann auch nicht wie geplant im großen Stil in Berlin stattfinden, sondern wenn überhaupt nur in ganz kleinen Rahmen.

Ohne die Einnahmen aus Spenden und Events wird es für die Stiftung immer schwerer, es mussten sogar schon Mitarbeiter entlassen werden. „Wir waren zehn Leute in verschiedenen Teilzeitstellen, jetzt sind wir noch sieben“, berichtet Hohmann. Stiftungszwecke der Deutschen PalliativStiftung sind der Ausbau der Palliativversorgung sowie Aufklärung, Weiterbildung und Beratung. „Jetzt in dieser Coronazeit war unsere Expertise extrem gefragt“, schildert Hohmann. Wenn es um die Verlegung von hochbetagten und vorerkrankten Senioren aus Pflegeeinrichtungen auf die Intensivstation ging, habe dies vielen den großen Wert einer Patientenverfügung gezeigt. Darin können Menschen festlegen, ob sie immer eine Maximalversorgung wünschen oder in bestimmten Fällen lieber in ihrem gewohnten Umfeld die Schmerzen behandelt haben möchten. In Fulda hat die PalliativStiftung unter anderem Einrichtungen und den Landkreis beraten. Als Dankeschön beteiligte sich der Kreis am Nachdruck von Infomaterialien.

Die Stiftung musste sich dabei natürlich auch selbst überlegen, wie sie ihr Wissen in der Coronazeit an die Basis transportiert bekommt, denn die üblichen Infoveranstaltungen und Vorträge beispielsweise für Pflegekräfte konnten ja nicht wie sonst durchgeführt werden. „Wir haben uns dann relativ schnell ein kleines Filmstudio eingerichtet“, erzählt Hohmann. Dort wurden dann kurze Clips beispielsweise zur Palliativversorgung in Pflegeeinrichtungen in Zeiten von Covid-19 oder zur Patientenverfügung produziert, auf einen eigenen YouTube-Kanal gestellt und als Links verschickt. Die von der Stiftung entwickelte Palliativampel, die Notärzten schnelle Orientierung geben soll, schaffte es sogar kurz bei der Talkshow von Markus Lanz ins Bild. „Am nächsten Tag sind alle Leitungen bei uns heiß gelaufen“, erinnert sich Hohmann.

Doch ob klassisches Infomaterial auf Papier oder neue digitale Angebote – alles muss finanziert werden. „Wir sind sehr froh, dass wir unsere Ehrenamtlichen haben“, sagt die Geschäftsführerin: „Bei uns gibt es vielfältige Möglichkeiten, sich zu engagieren.“ Sie helfen in verschiedenen Bereichen wie zum Beispiel dem Lager des eigenen Verlags oder beim Versand der Publikationen. Was das Spendenaufkommen angeht, hofft Hohmann auf kreative Ideen und darauf, dass mit den Lockerungen der ein oder andere Verein kleine Challenges zu Gunsten der Stiftung durchführen wird. „Jeder Euro hilft weiter. Wer Ideen für Charity-Geschichten hat, kann sich gerne bei uns melden“, baut Hohmann auf die Unterstützung aus der Bevölkerung. Die Erfahrung zeige, dass insbesondere bei Personen, die in der Familie oder dem Freundeskreis schonmal die ambulante Palliativversorgung eines Menschen miterlebt hätten, auch kaum Überzeugungsarbeit geleistet werden müsse. Unterstützung ist auch durch eine Mitgliedschaft im Förderverein möglich, die es schon ab zehn Euro im Jahr gibt.

Mehr Informationen gibt es direkt bei der Deutschen Palliativstiftung unter www.palliativstiftung.de,  E-Mail info@palliativstiftung.de oder Telefon 0661/48049797.