RSS-Feed(Fokus) 04.12.2020

Ski-Start in der Rhön erst im Januar – „Das ist ein schlechter Witz“

Osthessen (fs) – Der Blick auf weiß verschneite Wiesen und Berge macht vielen Lust auf Skifahren, ohne Corona-Pandemie würde auf der Wasserkuppe am Wochenende der Skibetrieb starten. Daraus wird jedoch nichts: Mindestens bis zum 10. Januar stehen die Lifte still. Richtiggehend verärgert ist Harald Jörges von den Skiliften am Zuckerfeld.

So schnell wird es dieses Bild in der Rhön nicht geben: Wenn die Hessische Regierung nicht umschwenkt, dürfen die Lifte bis zum 10. Januar nicht betrieben werden. Archivfoto: Christine Görlich

Spätestens die Schneefälle am Montag, die ganz Osthessen in ein weißes Winterwunderland verwandelten, weckten wohl bei jedem Skifahrer die Lust, endlich wieder die Bretter zu packen. Aus dem Skivergnügen wird aber so schnell nichts: „Die Leute sind erwacht, haben Lust bekommen und Zeit, sie würden also Skifahren – aber sie dürfen nicht. Alle Freizeiteinrichtungen sind geschlossen, dazu zählen auch die Lifte“, bedauert Florian Heitmann, Betriebsleiter der Skilifte an der Wasserkuppe. Sowohl in der hessischen als auch in der bayrischen Rhön müssen die Lifte also mindestens bis zum 20. Dezember – so lange gelten die aktuellen Corona-Verordnungen – noch stillstehen. Heitmann geht allerdings nicht davon aus, dass noch in diesem Jahr ein Pistenvergnügen möglich ist: „Vor dem 20. Dezember passiert gar nichts und ich glaube auch nicht, dass wir um Weihnachten herum öffnen dürfen. Wir gehen aktuell davon aus, dass wir nach den Ferien um den 10. Januar herum starten können“, erklärt der Betriebsleiter. Nachdem die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der Länder am Mittwochabend die Verlängerung des Teil-Lockdowns bis zum 10. Januar beschlossen haben, ist das traurige Gewissheit – sofern seitens der Politik kein Umdenken einsetzt, wonach es allerdings eher nicht aussieht.

Ansonsten war an der Wasserkuppe eigentlich alles bereit: Ein neues Seil am Märchenwiesenlift wurde bereits installiert, die Lifte sind weitestgehend fertig präpariert, sodass an der Wasserkuppe bei einem früheren Startschuss seitens der Politik schnell reagiert werden könnte. Doppelt bitter: Durch die kalten Temperaturen und den Schnellfall zu Wochenbeginn hätte die Skisaison an der Wasserkuppe sogar schon an diesem Wochenende beginnen können – so früh wie seit Jahren nicht. „Im Normalfall hätten wir jetzt am Wochenende aufmachen können und hätten über den zweiten Advent drei Anlagen öffnen können“, sagt Heitmann, der bedauert: „Dass wir nicht öffnen können, verursacht natürlich finanzielle Verluste. Deren Höhe ist aber schwierig zu beziffern.“

 

„Wer präpariert denn die Lifte für nichts?“

Richtiggehend verärgert ist hingegen Harald Jörges, Mitbetreiber der Skilifte am Zuckerfeld, die eigentlich am 22. Dezember 50-jähriges Jubiläum feiern würden: „Vom Land Hessen kam ein Schreiben, dass wir die Skigebiete zwar öffnen, aber die Lifte nicht betreiben dürfen. Im Schreiben heißt es: „Pisten dürfen nach aktuellem Stand zum Skifahren genutzt werden, der Betrieb der Liftanlagen ist aber nicht erlaubt, weil beim Anstehen am Skilift ein erhebliches Infektionsrisiko gesehen – aber das könnten wir doch minimieren. Das ist ein schlechter Witz. Wer präpariert denn die Lifte für nichts?“ Durch die Hygienekonzepte könnte alles entzerrt werden, dazu finde der Skisport nun mal draußen an der frischen Luft statt.

„Stattdessen ist Bus- und Bahnfahren erlaubt. Wir könnten jetzt ja einfach die Leute mit Bussen an die Wasserkuppe fahren. Das Problem ist: Wir werden wie Ischgl behandelt, aber selbst dort haben sich die Menschen in den Bars angesteckt und nicht beim Skifahren“, hadert Jörges, der die Pisten allein schon aus Sicherheitsgründen keinesfalls präparieren will: „Wir befürchten, dass die Leute trotzdem kommen und rodeln oder Ski fahren, dabei alles kaputt trampeln und Müll hinterlassen. Und dann stehen bei uns Schneekanonen und Lichtmasten – wenn da etwas passiert, haften wir am Ende noch dafür.“ Vielmehr plädiert Jörges daher dafür, die Straßen in Richtung Wasserkuppe sogar zu sperren: „Damit in dieser Richtung nichts passiert. Dazu kommt: Die Leute kommen in Massen auf die Parkplätze – und wer kontrolliert da die Abstände?“.

Betroffen ist auch der Ski-Club Rhön Fulda: Der vereinseigene Lift am Simmelsberg, der nur Vereinsmitgliedern zur Verfügung steht, darf ebenfalls nicht benutzt werden, in der Hütte darf sich derzeit nur eine Familie aufhalten. „Wir haben unseren Lift präpariert und die Liftbügel montiert. Der Lift ist daher von heute auf morgen in Betrieb zu setzen. Wir würden das per Newsletter kurzfristig den Mitgliedern mitteilen“, erklärt Vereinsvorsitzender Hermann Veldung.

An der Wasserkuppe wiederum nutzen Heitmann und seine Mitarbeiter die Zeit und die Beschneiungsmöglichkeiten, um für den Januar gerüstet zu sein: „In der Nacht auf Donnerstag beispielsweise sind minus sechs Grad gemeldet, das sollte sich lohnen. Wir lassen die Schneekanonen laufen und schneien auf Depot. Die Haufen, die wir normalerweise verteilen würden, bleiben dann eben erstmal liegen. Aber das haben wir dann als Grundlage“, erklärt der Betriebsleiter, der aber wie alle begeisterten Skifahrer nur eins machen kann: Auf Entscheidungen der Politik warten. Was das angeht, ist zumindest Harald Jörges von den Skiliften am Zuckerfeld skeptisch: „Man sieht kein Licht am Ende des Tunnels. Am Ende heißt es, dass wir erst am 1. Mai wieder aufmachen dürfen.“