Campus 31.10.2019

Hochschule Fulda forscht zur Gemeinwohl-Ökonomie

Fulda (sm/oz) – Was bedeutet Gemeinwohl-Ökonomie, wie wirkt sich diese auf die Gesellschaft aus, wie kann sie umgesetzt werden und wer wird davon profitieren – diese und noch mehr Fragen wurden am Mittwochabend in der Halle 8 der Hochschule Fulda beantwortet. Christian Felber, Initiator der Gemeinwohl-Ökonomie, stellte seine Idee vor. An der Hochschule hat sich Prof. Dr. Stefanie Deinert vom Fachbereich Wirtschaft mit dem Thema intensiv beschäftigt.

von links: Gerhard Leinweber und Marius Schäfer von der Regionalgruppe Gemeinwohl-Ökonomie in Fulda, Christian Felber, Prof. Dr. Stefanie Deinert und Dr. Sylvia Pannowitsch. Fotos: Svenja Müller

„Die Gemeinwohl-Ökonomie hat Attraktivität und Zukunft“, meinte Felber, der in eine vollbesetzte Halle schaute: „Die Abweichungen vom universellen Pfad des Gemeinwohls sind wir am korrigieren.“ Felber stellte das Wirtschaftsmodell vor, das auf gemeinwohl-fördernde Werte aufgebaut sei und das Ziel eines guten Lebens für alle verfolge. Das aktuelle Problem sei, dass der wirtschaftliche Erfolg primär an Finanzkennzahlen gemessen werde und demokratische Grundwerte nicht im Wirtschaftssystem abgefragt würden. „Verfassungswerte sind wichtiger, als Mittel des Wirtschaftens“, meinte der Redner. Themen wie Artenvielfalt oder Klimawandel werden laut Felber von der Wirtschaft zu wenig in den Blick genommen. Stattdesseng gebe es eine Machtkonzentration, steigende Ungleichheit und einen Verlust von Demokratie. „Selbst in wohlhabenden Ländern wünscht sich ein Großteil eine neue Wirtschaftsordnung“, merkte der Referent an. In Deutschland sind das laut Bertelsmann-Stiftung 88 Prozent, in Österreich sogar 90 Prozent. Konkret umgesetzt werden könne das Modell unter anderem so, dass Firmen, die sich für das Gemeinwohl einsetzen profitieren, indem sie beispielsweise bessere Konditionen bei Kreditvergaben bekommen. Unternehmen hingegen, die ungleiche Finanzstrukturen haben oder der Umwelt schaden sollen bei Förderungen hintenangestellt werden und höhere Hürden bekommen. Laut Felber gehe es auch darum, Konsum zu reduzieren. „Wir leben im starken Übermaß“, sagte Felber, der anfügte: „Gemeinwohl kann nur wachsen, wenn das Wohlbefinden wächst.“ Letzteres wiederum sei von einem sinkenden Konsum abhängig.

Die Hochschule Fulda greift laut Deinert Bewegungen aus Politik und Gesellschaft auf und beschäftigt sich in Lehre und Forschung damit. Zudem werde versucht die Erkenntnisse und Ergebnisse in die Gesellschaft zu transferieren. „Es ist unsere Aufgabe, den Wissenstransfer in die Praxis zu gewährleisten“, so Deinert, die zur Gemeinwohl-Bilanzierung 5.0 ein juristisches Gutachten erstellt hat. Dabei hat sie sich unter anderem damit auseinandergesetzt, welchen möglichen Nutzen die Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanzierung durch kleine und mittlere Unternehmen mit Blick auf die Berichtspflicht bestimmter großer Unternehmen hat.

Weiterhin wurde in Fulda das Zentrum Gesellschaft und Nachhaltigkeit an der Hochschule etabliert. „Hier findet wissenschaftliche Forschung praktische Anwendung“, so die wissenschaftliche Koordinatorin Dr. Sylvia Pannowitsch. Fragen sozialer, beziehungsweise gesellschaftlicher Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit werden dort in den Blick genommen. So auch die Gemeinwohl-Ökonomie. Auch in Fulda gibt es seit zwei Jahren eine Regionalgruppe, die sich mit der Gemeinwohl-Ökonomie beschäftigt. Bislang gebe es aber noch keine konkreten Kontakte zu Unternehmen.