„Viele von uns spüren, dass Demokratie keineswegs selbstverständlich ist“, schloss sich Wingenfeld dem Appell von Hermann-Josef Klüber, stellvertretender Vorsitzender des CDU-Stadtverbands, an, die Europawahl ernst zu nehmen. „Es ist tatsächlich eine Schicksalswahl für Europa“, meinte der Oberbürgermeister und zog den Vergleich zum Brexit. Beim Referendum seien viele junge Demokraten nicht hingegangen, jetzt müssten sie mit der Entscheidung der anderen leben. „Das sollte uns ein Weckruf sein“, unterstrich Wingenfeld: „Wir brauchen dieses Europa.“ Weiteres großes Thema war das Stadt- und Klosterjubiläum – die Feierlichkeiten dafür starten kommende Woche. „Es geht nicht nur darum zu feiern. Im Kern geht es darum, dass wir ein solches Jubiläum zum Anlass nehmen, auf unsere gemeinsame Geschichte zurückzublicken“, machte Wingenfeld deutlich: „Wir haben eine gewaltige und wunderbare Historie.“ In der schnell wachsenden Stadt sei dies sicher nicht allen bewusst. Auch gelte es sich mit dem Blick in die Geschichte vor Augen zu führen, wie gut es den Menschen heute gehe.
Auch zur Landespolitik äußerte sich Wingenfeld. Während es Lob für die Investitionen wie beispielsweise am Klinikum gab, kritisierte der Oberbürgermeister das Vorgehen beim Thema Straßenausbaubeiträge. Bei Bund und Land sei immer nur von Verteilung der Gelder die Rede, es gebe aber keine Antwort darauf, woher das Geld kommen soll. Auf die Straßenausbaubeiträge war auch der Fuldaer Landtagsabgeordnete Thomas Hering eingegangen, der noch einen anderen Aspekt ansprach. „Wenn ab morgen die Straßenbeiträge wegfallen, klingeln morgen die Telefone bei der Stadt Fulda“, meinte er, dass eine Kostenfreiheit auch neue Begehrlichkeiten wecke und mehr Sanierungen gefordert würden. Zudem widmete er sich den Themen Windkraft und Stromtrasse und blickte allgemein auf seine ersten Wochen im Landtag zurück, in denen es für ihn auch viel Neues gab. „Das Lernen macht Spaß“, lautete sein Fazit. Die Energiewende war auch Thema bei Klüber, der mahnte dieses Thema nicht allein dem grünen Regierungspartner zu überlassen: „Es ist für uns wichtig, wie wir als CDU uns in dem Kontext aufstellen.“ Am Ende der Veranstaltung las Margarete Ziegler-Raschdorf noch einen kurzen Gruß, den sie während der Veranstaltung von Kartmann erhalten hatte, vor.
Den Rahmend es politischen Aschermittwochs nutzte der CDU-Stadtverband Fulda, um langjährige Mitglieder für 25, 40, 50 und sogar 60 Jahre Parteizugehörigkeit zu ehren. Stadtverbands-Schriftführerin Susanne Jobst dankte den Geehrten, die ein starkes Rückgrat seien: „Das ist nicht selbstverständlich.“ Nach der Ehrung dankte auch Wingenfeld zu Beginn seiner Rede den Geehrten für ihre langjährige Treue und rief auf, sich diese lange Zeit einmal vor Augen zu führen. Der für 60 Jahre Mitgliedschaft geehrte Dr. Werner von Rhein beispielsweise habe ihm gerade erzählt, dass er sich noch an den Besuch von Bundeskanzler Konrad Adenauer in Fulda erinnern könne. „Ich glaube, wir alle würden gut daran tun, uns vor Augen zu führen, dass es um Werte und historische Verantwortung geht, wenn man sich in einer Partei engagiert“, sagte Wingenfeld.
Geehrt wurden
Für 60 Jahre: Dr. Werner von Rhein
Für 50 Jahre: Wolfgang Arnold, Franz Krack, Adalbert Hochgref
Für 40 Jahre: Stefan Ihrig, Eva Brehm, Herbert Klingenberger, Irmgard Kress
Für 25 Jahre: Daniela Grösch, Frank Jakobi, Christa Schuhmann, Erika Sippel, Markus Mahr, Rita Lehmkuhl, Manfred Kornek, Dieter Lomb
