Bei einem Pressetermin mit Verse, Grabungsleiter Dr. Thilo Warneke, Prof. Dr. Claus Dobiat (Wissenschaftliche Baugrund-Archäologie) sowie den Investoren Martin Geisendörfer und Christopher Burg stellten die Verantwortlichen die Arbeiten am Donnerstagvormittag näher vor.
„Wir sind an einem sehr geschichtsträchtigen Ort“, so Verse. Immerhin sei zur Gründung in 744 der Hauptzugang zum Kloster über die Langebrückenstraße erfolgt. „Hier war schon immer die Hauptverbindung aus Westen in Richtung Rhein-Main“, erwähnte Verse. In dem Bereich habe sich eine Zivilsiedlung gebildet, die sich aufgrund der Nähe zu den Fulda Auen nicht weiter ausbreiten konnte. Erst später sei die Stadt in Richtung Altstadt gewachsen. „Wir sind in einem archäologisch schwer einschätzbaren Bereich“, machte Verse deutlich: „Wir sind hier im Auen-Bereich. Da tobt das Leben.“ Während auf der rechten Seite in Richtung Frauenberg bereits der Fuldaer Archäologe Joseph Vonderau 1898 Grabungen vorgenommen hat, konnte auf der linken Seite des Areals, wo heute das Norma steht, nichts gefunden werden. Das Grundstück in der Langebrückenstraße liege nun genau dazwischen und lasse vermuten, dass dort etwas gefunden werden könnte.
Dauer der Ausgrabungen offen – Kosten tragen Investoren
Vor vier Wochen wurde mit ersten Vorbereitungsarbeiten angefangen, die Gräben ausgehoben, Spundwände gesetzt und eine Pumpe eingebaut. Verse machte deutlich, dass alle Arbeiten von Beginn an unter archäologischer Begleitung gelaufen sind. Vergangene Woche haben dann die eigentlichen Grabungen begonnen. Die ersten 80 Zentimeter konnten mit dem Bagger abgetragen werden. „Wir sind noch sehr in den oberen Schichten unterwegs“, sagte der Stadt- und Kreisarchäologe. Von der aktuellen Stelle aus werden die Grabungen wohl nochmal 1,20 bis 1,50 Meter in die Tiefe gehen. Sobald die Arbeiter dann beim sogenannten Fulda Kies angekommen sind, hören sie auf.
Im Einsatz sind neben Warneke rund drei bis fünf Grabungshelfer, die sich von Süden in Richtung Norden vorarbeiten. Aktuell sind die Helfer damit beschäftigt eine Quermauer, die vermutlich zur Fabrik Schmitt, die Ende des 19 Jahrhunderts errichtet wurde, gehören, mit der Hand freizulegen. „Wir haben zwischen den Fundamenten auch schon Keramikscherben gefunden“, erzählte Warneke. Diese seien relativ modern und würden darauf hin deuten, dass es vor der Fabrik auf dem Gelände schon Bebauung gab. Entdeckt wurden nun auch Hölzer, die mit einem Beil angespitzt wurden. „Hier wird es für uns erst richtig interessant“, sagte Warneke. Zudem deuten laut dem Grabungsleiter Knochen darauf hin, dass dort Hausrat entsorgt wurde. Da sich das Gelände auf feuchtem Gebiet befinde, erhalte sich dort organisches Material sehr gut.
Letztlich erhoffen sich die Archäologen in der Langebrückenstraße Erkenntnisse zur frühen mittelalterlichen Siedlung aus dem achten, neunten oder zehnten Jahrhundert zu erlangen. Sollten tatsächlich Gegenstände gefunden werden, müssen diese laut Verse konserviert und aufbereitet werden, bevor sie irgendwann im Vonderau-Museum in die Ausstellung kommen. Wie lange die Ausgrabungen andauern werden, sei laut Verse noch völlig offen. Jahre werden es wohl aber nicht sein. Auf ein möglichst rasches Vorankommen hoffen vor allem die Investoren Geisendörfer und Burg. Schließlich möchten sie dort laut Plan bis Mitte 2021 sieben Mehrfamilienhäuser errichten. Die Kosten für die Grabungen tragen allein die Investoren. Wie Geisendörfer erwähnte sei ihnen die Situation vorab nicht völlig unbekannt gewesen. Alle Arbeiten würden in guter Abstimmung mit den Archäologen laufen.
