Begrüßt wurden die Gäste von der Präsidentin der Fuldaer Soroptimistinnen, Ortrud Tornow-Griebel. Sie freute sich sehr, dass so viele interessierte Frauen, aber auch Männer zum Vortrag gekommen waren. Tornow-Griebel stellte den Anwesenden zunächst einmal den SI-Club – eine der weltweit größten Service-Organisationen berufstätiger Frauen mit gesellschaftspolitischem Engagement – vor. „Frauenrechte von heute haben noch lange nicht überall auf der Welt Tradition“, sagte die Präsidentin, die deshalb forderte: „Wir brauchen noch mehr Frauensolidarität.“ Auch in Fulda seien die Mitglieder gefordert sich gegen Gewalt an Frauen, Prostitution, Altersarmut und Benachteiligung in Führungspositionen einzusetzen. „Bildung ist dabei das zentrale Thema“, so Tornow-Griebel. Letztlich gehe es um geistige Bewegung. Denn nur so könnten insbesondere junge Frauen einen Stand in der Gesellschaft bekommen und lernen, selbstbestimmt zu agieren.
Einen Impulsvortrag gab es von Knapp, die in gut einer Stunde über den notwendigen Wandel von Denk- und Verhaltensmustern sprach und an vielen Beispielen exemplarisch aufzeigte, wie diese auch umgesetzt werden können. Gleich zu Anfang machte die Philosophin deutlich, dass der Begriff Komplexität eine wesentliche Rolle spielt, um das zu begreifen, was auf die Menschen in Zukunft zukomme. Sie machte es sich zur Aufgabe, den Zuhörern an dem Abend eine „Landkarte der Komplexität“ zu erstellen. Dabei ging Knapp zunächst darauf ein, was das Wort bedeutet, blickte dann auf die Veränderungen in den vergangenen 70 Jahren zurück, griff die Herausforderungen auf und zeigte, was die Menschen tun können, um in der Gegenwart und Zukunft ihr Leben besser zu gestalten.
Eine große Rolle im Leben spielen laut der Literaturwissenschaftlerin vor allem Überraschungen. Dabei ging es aber nicht etwa darum, sich zu fragen wie diese verhindert, sondern vielmehr wie mit ihnen umgegangen werden kann. „Komplexität kann man nicht kontrollieren, aber gestalten“, meinte Knapp. Weiter ging sie auf die Veränderungen durch das Internet ein. „Es ist ein Ausmaß an Veränderungen, bei dem wir noch lange brauchen werden, um das zu begreifen“, so Knapp, die anfügte: „Wir leben dauerhaft in zwei Welten gleichzeitig.“ Der Prozess, um die neue Lebensform gänzlich zu begreifen, dauere noch lange an. Zwischendurch gab Knapp immer wieder Ratschläge, die den Menschen helfen sollten, um bei allen Veränderungen durchs Leben zu kommen. „Werte sind der Klebstoff, der alles zusammenhält“, betonte die Philosophin. Daher bestehe der größte Lernprozess für alle darin, sich wieder auf Werte zu besinnen. Im Anschluss an ihren Vortrag beantwortete Knapp Fragen und stieg mit den Anwesenden in eine Diskussion ein.
Über den Besuch der Soroptimistinnen freute sich auch Hochschulpräsident Prof. Dr. Karim Khakzar, der gemeinsam mit Vize-Präsidentin Prof. Dr. Kathrin Becker-Schwarze gekommen war. „Die Hochschule hat sich gut entwickelt“, so Khakzar. Mit den Soroptimistinnen habe die Einrichtung gemeinsam, dass Beide unter anderem die Bildung von Frauen und Mädchen in den Blick nehme. So seien an der Hochschule beispielsweise gute Gleichstellungskonzepte entwickelt worden. Der Abend diente selbstverständlich auch zum gemeinsamen Austausch, sodass im Anschluss an die Vorträge noch die Gelegenheit bestand, sich untereinander besser kennenzulernen.
