Ziel ist, eine biologische Alternative zu Plastiktrinkhalmen zu bieten und die Leute darauf aufmerksam zu machen. Zusammen mit antonius entwickelte Sarah Günzel, die eine der Jugendleiterinnen der JDAV Fulda ist und selbst im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahrs schon bei antonius gearbeitet hat, die pfiffige Idee: Aus echtem Stroh Alternativen für die Plastiktrinkhalme, die nicht mehr produziert werden dürfen, herzustellen. Zunächst bestanden Zweifel, etwa was die Haltbarkeit oder Funktionalität der Halme angeht, doch nach einigen Versuchen stellten die jungen Leute fest, dass die behandelten Halme sehr lange haltbar sind, keinen unangenehmen Beigeschmack haben und, im Gegensatz zum Beispiel zu Trinkhalmen aus Papier, nicht aufweichen, wenn sie über längere Zeit im gefüllten Glas stehen.
Bereits im Oktober des vergangen Jahres war Triticale, eine Kreuzung aus Roggen und Weizen, auf dem Feld bei Hemmen ausgesät worden. Für die Ernte hatten sich jetzt insgesamt rund 30 Helfer von JDAV und antonius – Netzwerk Mensch versammelt. So waren zum Beispiel auch Kindergartenkinder und Mitarbeiter der antonius-Gärtnerei dabei. Mit dem am Traktor angebrachten Mähbalken wurde das Getreide Reihe für Reihe abgeschnitten, dazwischen sammelten die Anwesenden jeweils die Halme per Hand vom Boden auf und verstauten sie in selbstgebauten Holzgestellen, die dann auf einen Anhänger verladen wurden. „Der Unterschied hier ist, dass wir die Halme komplett abernten und nicht nur die Ähren, denn es geht uns ja genau um die langen, festen Stiele der Pflanze“, erklärte Sarah Günzel. Da die Halme bei der Ernte mit modernem Gerät geknickt oder zerschnitten würden, wurde auf dessen Einsatz verzichtet. „Das ist zwar viel mehr Handarbeit, aber es ist cool. Und auch die Jungs der JDAV haben mir schon gesagt, dass die Ernte ihnen Spaß mache“, lachte Günzel. „Die Idee ist schön und es macht Spaß etwas Gutes für die Umwelt zu tun“, bestätigte Hannes Bindernage aus der Jugendgruppe.
Der Leiter der antonius-Gärtnerei, Martin Günzel, erklärte, wie es dann weitergeht: „Die Halme werden nach der Ernte bei uns zum Trocknen gelagert und anschließend, so etwa ab den Herbstferien, am Frauenberg weiterverarbeitet.“ Hierbei werden die Halme mithilfe einer extra angefertigten kleinen Guillotine zurechtgeschnitten. Aus den Ähren des Getreides, das nicht zum Brotbacken geeignet ist, wird Tierfutter hergestellt. Im Frühjahr werden die fertig geschnittenen Strohhalme dann sterilisiert, verpackt und in den Verkauf gebracht. Bekannte Unternehmen wie tegut und Alnatura hätten bereits Interesse an dem Produkt bekundet. Sarah Günzel möchte die Halme auch den hessischen Kletterzentren anbieten und in den antonius-Läden sollen sie natürlich ebenfalls verkauft werden.
Die JDAV feiert in diesem Jahr 100-jähriges Jubiläum und unter dem Motto „Hands on!“ waren die Jugendgruppen vom Deutsche Alpenverein, der sich insgesamt für Naturschutz engagiert und in diesem Jahr sein 150-jähriges Jubiläum feiert, aufgerufen worden, Projekte rund ums Thema Nachhaltigkeit ins Leben zu rufen. Damit die Idee auch nach dem Beenden des JDAV-Projekts weiterleben kann, habe sich antonius bereits bereit erklärt, die Produktion der umweltfreundlichen Strohhalme weiterzuführen.
