„Es wurde ja vorher viel spekuliert, dass wir nicht richtig ins Spiel gehen würden. Wir haben aber gezeigt, dass wir alles gegeben haben. Alles andere müssen die Verantwortlichen regeln, wir wollen jedes Spiel gewinnen. Deswegen spielen wir Fußball“, betonte „Partycrasher“ Marcel Mosch. Mit dem 2:1-Derbysieg nahmen die Borussen den Manipulationsvorwürfen der Konkurrenz, vor allem aus Alzenau, jegliche Grundlage – die rund 1800 Zuschauer am Galgengraben und Verbandsfußballwart Jürgen Radeck (Ortenberg), der wegen der verordneten Verbandsaufsicht vor Ort war, sahen nämlich einen verdienten Borussen-Sieg. Ohne etatmäßigen Stürmer, dafür mit Daniel Kornagel und Pierre Mistretta in vorderster Front, erwischten die Borussen einen Traumstart: Mit dem ersten gefährlichen Angriff machte Mistretta das Spiel schnell und bediente den durchgestarteten Marcel Mosch, dessen Hereingabe musste Dennis Müller aus zwei Metern nur noch über die Linie drücken (4.).
Ein Weckruf war der Rückstand für die Lehnerzer jedoch nicht, die Gastgeber waren überhaupt nicht im Spiel, offenbarten viel zu große Lücken in der Defensive, ließen im Spiel nach vorne jede Genauigkeit und Zielstrebigkeit vermissen. Stimmung kam trotz der gut 1800 Zuschauer weder auf den Rängen noch auf dem Platz auf, für die sportlichen Höhepunkte sorgten fast ausschließlich die Borussen: Nach einem Stoßen von Sebastian Bartel gegen Kornagel hätte man über Elfmeter und Rot diskutieren können, der Pfiff blieb aber aus (6.), kurz danach setzte Leon Pomnitz einen Freistoß aus 28 Metern an die Latte (14.). Etwas überraschend fiel dann der Ausgleich nach einer halben Stunde, nachdem Marius Strangl (25.) und Patrick Broschke (26.) zuvor Mujezinovic geprüft hatten: Eine Flanke von Julian Pecks setzte im Strafraum nochmal auf, am langen Pfosten durfte Niklas Odenwald völlig blank einköpfen (30.). Strangl prüfte nochmals Mujezinovic (39.), die besseren Chancen hatten jedoch weiterhin die Borussen: Erst wurde Mistretta nicht angegriffen, scheiterte aber noch aus 16 Metern an Aykut Bayar (41.), kurz vor der Pause setzte dann allerdings Mosch das Leder aus 15 Metern sehenswert mit links in den linken Winkel – 1:2 (44.).
„Wir haben nahtlos an die guten letzten Wochen angeknüpft und klasse Fußball gespielt. Wir lassen kaum etwas zu und haben uns viele Chancen herausgespielt“, freute sich SCB-Coach Henry Lesser, während TSV-Trainer Marco Lohsse monierte: „Borussia Fulda hatte fünf regionalligaerfahrene Spieler auf dem Platz und hat eine abgezockte Truppe, die haben das gut gemacht. Wir haben es aber nicht geschafft, gefährlich vors Tor zu kommen.“ Das änderte sich auch im zweiten Durchgang nicht wirklich: Im Spiel nach vorne blieb der TSV weiterhin blass, auch die Hereinnahmen von Steven von der Burg, Antonio Bravo-Sanchez und Marcel Trägler brachten nicht die erhoffte Wirkung. Die besten Lehnerzer Chancen hatten noch Broschke, der Mujezinovic anschoss (75.) und Trägler mit einem Freistoß aus 25 Metern, der knapp links am Kasten vorbeiging (90.+2), zudem forderten die Lehnerzer Elfmeter, als Mistretta im Strafraum den Ball an den Arm bekam.
Die besseren Chancen hatte jedoch weiterhin die Borussia: Kevin Hillmann schoss freistehend aus acht Metern knapp vorbei (52.), zudem scheiterte Leon Pomnitz mit einem scharf getretenen Elfmeter – Odenwald hatte Mosch gefoult – am stark reagierenden Bayar (67.). Die Gastgeber waren danach zwar bemüht, blieben aber zu harmlos, sodass am Ende die erste Heimniederlage seit dem 25. November 2017 (0:4 gegen Dreieich) stand. Als Ursache für die Niederlage machten Lohsse und Lesser unisono den gestiegenen Druck aus: „Man verkrampft da auch ein bisschen, das war damals bei mir auch so. Wir haben 2015 auch bis zur letzten Minute gezittert. Ich hoffe, dass sie es jetzt nächste Woche ziehen“, sagte Lesser, der 2015 mit dem TSV ebenfalls in der Regionalliga-Aufstiegsrunde stand. Die Lehnerzer müssen auch diesmal wieder zittern, da Alzenau nach dem Kantersieg in Steinbach mittlerweile ein besseres Torverhältnis aufweisen und sich kommende Woche gegen Flieden keine Blöße erlauben dürften. Die Lehnerzer wiederum stehen in Lohfelden gehörig unter Druck: „Die Mannschaft kam heute mit dem Druck nicht so gut klar, wir hatten heute zu viele Ausfälle. Das ist extrem ärgerlich, wir sind auf der Ziellinie und müssen jetzt nächste Woche gewinnen. Ich weiß aber nicht, ob die Mannschaft das gewinnen kann, das wird ein sehr gefährliches Spiel in Lohfelden.“
Lehnerz: Bayar; Pecks, Sonnenberger, Bartel, Odenwald (71. Trägler) – Yeom, Schaaf – Jordan (65. Von der Burg), Reith (65. Bravo-Sanchez), Strangl – Broschke.
Borussia: Mujezinovic; Henneböle, Gröger, Hillmann – Poredski, Pomnitz – Fuß, Mosch, Müller – Mistretta, Kornagel (89. Gjocaj)
Schiedsrichter: Timo Ide (Ohetal)
Tore: 0:1 Dennis Müller (4.), 1:1 Niklas Odenwald (30.), 1:2 Marcel Mosch (44.)
Zuschauer: 1800.
Verschossener Foulelfmeter: Leon Pomnitz (Fulda, 67.) – Aykut Bayar hält.
