In ihrer Heimat ist Alam als „Sheeren“ im gleichnamigen TV-Drama um eine starke Frau im Kampf gegen gesellschaftliche Tabus berühmt geworden – nicht nur für ihre Rolle, sondern auch für den Mut, sie überhaupt zu spielen. Denn sie engagiert sich in ihren Arbeiten zum Missfallen von Ultrakonservativen gegen Kinder-Heirat, für Frauenrechte und gegen soziale Ungerechtigkeit. In dem Reenactment „The Killing of Farkhunda“ stellte sie die Steinigung der junge Frau Farkhunda Malikzada durch einen wütenden Mob am Originalschauplatz nach und riskierte durch diese Darstellung selbst ihr Leben. Farkhunda war zu Unrecht beschuldigt worden, einen Koran verbrannt zu haben und wurde ermordet – ein Ereignis, das weltweit für Aufsehen sorgte und in Afghanistan eine große Protestwelle - vor allem von Frauen – auslöste. Alam wird in Bad Hersfeld in Schusters Peer Gynt (Premiere: 6. Juli 2018/21 Uhr) die Solveig spielen. Ihr Landsmann und Kollege Formuli tritt als einer ihrer Begleiter auf, Solveig stellt ihn als ihren Vater vor. Auch Formuli ist in Afghanistan ein Film- und Theaterstar und engagiert sich gesellschaftlich. Er hat sich inzwischen auch einen Namen in Deutschland gemacht: Nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit Schuster im transnationalen Theaterprojekt „Kula – Nach Europa“ und „Malalai – die afghanische Jungfrau von Orleans“ nach Friedrich Schiller in Weimar.
Regisseur Schuster will auch mit dieser Besetzung für seine Inszenierung in Bad Hersfeld darauf eingehen, dass Peer Gynt eine geistige Weltreise ist, auf der Peer viele unterschiedliche Kulturen, Menschen und Religionen trifft.
Leena Alam:
Leena Alam, preisgekrönte Kino,- TV- und Theaterschauspielerin und Menschrechts-Aktivistin, wanderte mit ihrer Familie wegen des Bürgerkrieges 1989 in die USA aus. Dort begann ihre Schauspielkarriere mit Filmen wie „In a foreign Land“, „Loori“ und anderen. Ihr Debut in Afghanistan gab sie 2008 in Barmak Akram's „Kabuli Kid“, danach spielte sie dort in „Soil and Coral“, „Ahwal e darya“, „A Letter tot he President“ und in zahlreichen Kurzfilmen, um junge Filmemacher in Afghanistan zu unterstützen. „Sheeren“ und „The Killing of Farkhunda“ sind sie beiden bekanntesten Arbeiten. Als Beste Schauspielerin wurde sie unter anderem während des Kabul International Film Festivals 2008, des Tolo Film Festivals 2009, des Afghanistan Human Rights Film Festivals 2013 oder auch des Herat-Internationales Frauenfilmfestivals 2015 ausgezeichnet. 2009 wurde sie zur Friedensbotschafterin der Hilfsmission der Vereinten Nationen in Afghanistan (UNAMA) ernannt.
Nasir Formuli
Ahmad Nasir Formuli arbeitet als Puppenspieler, Regisseur und Schauspieler. Er wurde 1984 in Kabul geboren und studierte Schauspiel an der Universität Kabul. Seit 2006 arbeitet er als Schauspieler bei der Azdar Theatre Company und spielte in verschiedenen Theater-, Film- und Fernsehproduktionen mit, unter anderem 2011 eine Hauptrolle in der TV-Serie „Az Man Chra Miranji“. 2009 gründete er gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Azdar Theatre Company mit Unterstützung des Goethe-Instituts die Gruppe Parwaz Puppet Theatre, bei der er als Puppenspieler und Regisseur arbeitet. Das Parwaz Puppet Theatre zeigte zum Beispiel im Rahmen eines Unicef-Projekts Inszenierungen zum Thema Kinderrechte für Kinder und Jugendliche in verschiedenen Provinzen Afghanistans. 2013 entstand „The Shouter Mather“ in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. 2011 wurde Formuli vom Ministerium für Kultur und Information in Afghanistan als bester Schauspieler ausgezeichnet. Nasir Formuli und seine Theatergruppe Azdar wurden 2014 in Kabul zum Ziel eines 16-jährigen Selbstmordattentäters: Im Stück „Herzschlag: Die Stille nach der Explosion“ sprengte er sich in die Luft und nahm einen Deutschen mit in den Tod, andere Besucher wurden schwer verletzt. Nach Deutschland kam Formuli zum ersten Mal im Jahr 2014, um am Berliner Theatertreffen teilzunehmen. Formuli und seine „Kula“ Compagnie wirkten 2016 im transnationalen Theaterprojekt „Kula – Nach Europa“ in Weimar von Schuster mit. Auch in „Malalai – die afghanische Jungfrau von Orleans“ nach Friedrich Schiller (Thüringischen Landeszeitung: „Eine Sternstunde transnationaler Theaterarbeit") von Schuster am Deutschen Nationaltheater in Weimar in 2017 spielte Formuli. Inzwischen schloss er ein weiteres Studium an der Akademie Ernst Busch in Berlin mit der Diplomarbeit „Victims of War“ ab und arbeitet derzeit an einem Projekt für das Stadt-Theater Gießen.
