Ein Zeichen für die Anerkennung und Wertschätzung von Vielfalt und Unterschiedlichkeit setzte die Hochschule Fulda mit ihrer Beteiligung am Deutschen Diversity-Tag. Alle Hochschulangehörigen, Beschäftigte wie Studierende, waren aufgerufen, mit kreativen Ideen und Aktionen das Thema Diversität in die Hochschule zu tragen und auf diese Weise die Anerkennung und Wertschätzung von Verschiedenheit zu fördern – unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität. Im Mittelpunkt der Aktionen stand die Fotoaktion, zu der die Vizepräsidentin für Lehre und Studium, Prof. Dr. Kathrin Becker-Schwarze, eingeladen hatte. Alle Hochschulangehörigen konnten hier ihre Vorstellungen zum Motto „Gemeinsam verschieden“ darstellen.
Unterschiedlichkeit erwünscht
„Wir erleben derzeit leider immer häufiger, dass die offene Diskriminierung bestimmter gesellschaftlicher Gruppen wieder salonfähig ist. Die Hochschule Fulda will sich daher klar positionieren“, ordnete die Vizepräsidentin die Aktion in den gesellschaftlichen Kontext ein: „Vielfalt und Unterschiedlichkeit sind an der Hochschule erwünscht. Wir versuchen das auch zu leben, was uns mal mehr, mal weniger gelingt. Mit dem diesjährigen Diversity-Tag wollen wir unter dem Motto ‚Gemeinsam verschieden‘ die gelebte Vielfalt an der Hochschule aufzeigen und mit den Fotos auf manche ‚Schere im Kopf‘ aufmerksam machen.“
Wie verschieden und dennoch gleich Menschen sind, wurde den Passanten am „Pavillon der Diversität“ bewusst gemacht. „Es geht uns darum, dass man anhand der Handabrücke keine Zuordnung machen kann“, erklärte Rosalie Busse. Sie schmierte den Interessenten bunte Farbe auf die Hände, mit denen sie einen Handabdruck auf eine Papierrolle machen konnten. Alle Abdrücke sahen irgendwie gleich aus und dennoch konnte jeder seine Individualität durch Farbe und Fingerabdrücke hervorheben. „Die meisten hatten viel Spaß daran“, erzählte Daniela Prinz. Einen Stand weiter wurden die Studenten aufgerufen ihre Erfahrungen mit Diskriminierung auf einen Zettel zu schreiben und auf eine Leine zu hängen. Anschließend wollen die Studenten vom Fachbereich soziale Arbeit die Kärtchen auswerten.
Darüber hinaus griff beispielsweise das International Office unter dem Titel „Babylonisches Sprachengewirr“ die Herausforderungen und Hürden der interkulturellen Kommunikation spielerisch auf. Hier galt es, die Bedeutung bestimmter Gesten und Begriffe zu erraten. Der Hochschulsport lenkte den Blick auf Menschen mit Einschränkungen, mit chronischen Erkrankungen und Behinderung und die Abteilung Dienstleistungen Lehre und Studium zeigte, dass für Studierende mit unterschiedlichen Lernbiografien und Bedarfslagen verschiedene Lernstrategien und -techniken zur Verfügung stehen, die alle zu einem gemeinsamen Lernziel führen. Debora Rieser und Laura Herzog vom Selbstlernzentrum stellten den Besuchern verschiedene Strategien vor, um einen Lern- oder Prüfungsplan zu erstellen. „Jeder lernt unterschiedlich“, erklärte Rieser. Im Selbstlernzentrum an der Hochschule würden die Studenten daher Hilfe angeboten bekommen. „Es kamen heute einige vorbei und haben direkt nachgefragt“, so Herzog über den großen Zuspruch.
Auch ein Forschungsprojekt, das Prof. Dr. Monika Alisch aus dem Fachbereich Sozialwesen im Verbund mit dem Institut für Sozialwesen an der Uni Kassel durchführt, präsentierte sich. Das Projekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, untersucht exemplarisch in zwei Fallkommunen die Rolle der professionellen und zivilgesellschaftlichen Akteure der Sozialen Arbeit für das Gelingen von Diversität im Gemeinwesen.
Vorurteile bewusst machen
Die Studierenden zeigten unter anderem mit der Aktion „Kleider machen Leute“, dass wir Menschen oftmals unbewusst und zu schnell, nur aufgrund ihrer Kleidung oder ihres Aussehens in eine Schublade stecken. Sie hatten Fotos von Menschen an der Hochschule gemacht, um darzustellen, dass sie zum Beispiel nicht eindeutig einem Fachbereich zuzuordnen sind. Etliche Interessierte blieben vor den Bildern stehen und wagten den Versuch, den Studiengang der einzelnen Personen zu erraten – eine Aufgabe, die sich als gar nicht so einfach entpuppte und gleichzeitig bewusst machte, in welche Kategorie Menschen häufig aufgrund ihres Aussehens steckt werden.
Der Deutsche Diversity-Tag wurde von der Charta der Vielfalt ins Leben gerufen, einer Unternehmensinitiative, die Anerkennung, Wertschätzung und Einbeziehung von Vielfalt in der Arbeitswelt in Deutschland voranbringen will. Organisationen sollen ein Arbeitsumfeld schaffen, das frei von Vorurteilen ist und in dem alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Wertschätzung erfahren, so das Ziel. Jährlich motiviert die Charta der Vielfalt daher, sich durch Aktionen, Vorträge, Infoveranstaltungen für Vielfalt in der eigenen Organisation einzusetzen. Neben 2800 Unternehmen und Institutionen mit insgesamt mehr als 9,4 Millionen Beschäftigten (darunter auch zahlreiche Bundesländer, Städte, Ministerien und Hochschulen) hat auch die Hochschule Fulda die Charta unterzeichnet. Schirmherrin der Charta der Vielfalt ist Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Annette Widmann-Mauz, unterstützt die Initiative.
