Lokales 26.01.2018

„Migration und Integration“ – Lebhafte Diskussion mit Al-Hami und Diaby

Fulda – Von Jasha Günther – Über das Thema „Migration und Integration in Deutschland – vor welchen Herausforderungen stehen wir?“ diskutierten am Donnerstagabend der Fuldaer Neurochirurg Dr. Samir Al-Hami, SPD-Bundestagsabgeordneter Dr. Karamba Diaby und rund 60 Gäste im Business Club Dr. Al-Hami im Fuldaer Münsterfeld. Da die Meinungen teilweise sehr unterschiedlich waren, ging es lebhaft zu.

Dr. Samir Al-Hami (links) und Dr. Karamba Diaby. Foto: Christine Görlich

Al-Hami freute sich sehr, dass Diaby seiner Einladung gefolgt war, obwohl die beiden sich schon im Vorfeld bewusst waren, dass sie in einigen Punkten unterschiedlicher Auffassung sind. Auch im Publikum, dass sich nach einem 25-minütigen Impulsvortrag des Politikers rege an der Diskussion beteiligte, waren die Ansichten teilweise sehr konträr und Al-Hami musste als Moderator mehrfach zur Ordnung mahnen und darum beten, persönliche Diffamierungen zu unterlassen. Unter anderem ging es um die Fragen, ob der Flüchtlingsstrom der vergangenen Jahre die Gesellschaft überfordere, wie Politik und Gesellschaft mit den Herausforderungen umgehen sollten und wie sich Integration eigentlich definieren lasse. Auch berichteten einige der Anwesenden ganz konkret von ihren Erfahrungen in der haupt- und ehrenamtlichen Arbeit mit Flüchtlingen und schilderten dem Bundestagsabgeordneten dabei auch die Probleme, mit denen sie sich immer wieder konfrontiert sehen. Am Rande gestreift wurde auch die bundespolitische Situation. „Ich hoffe und denke, dass es zu einer großen Koalition kommt“, sagte Al-Hami und auch Daiby, der ab Freitag selbst an den Gesprächen in Berlin beteiligt sein wird, war optimistisch.

In seinem Impulsvortrag warb der Bundestagsabgeordnete für Vielfalt, eine starke Demokratie und bessere Förderung der politischen Bildung. „Wenn ich sehe, wie selbstverständlich unsere Kinder mit der Vielfalt in unserem Land umgehen, stimmt mich das hoffnungsvoll“, meinte Diaby, der aus dem Senegal stammt, 1985 zum Studium in die damalige DDR kam, in Halle an der Saale wohnt und seit 2013 Mitglied im Deutschen Bundestag ist. „Wir sehen jeden Tag, dass wir eigentlich Integrationsmeister sind“, ging er auf die Geschichte ein, denn Deutschland habe die Aufgabe in den vergangenen 70 Jahren immer gut gelöst. Vielfalt sei Realität, aber kein „Friede, Freude, Eierkuchen“, sondern mit Herausforderungen verbunden, denen sich Gesellschaft und Politik stellen müssten. Dazu bedürfe es Brücken und eine klare Benennung der Probleme. Diaby nannte sieben Punkte, mit denen nach seiner Ansicht präventiv gegen Radikalisierung und Extremismus vorgegangen werden sollte: „Dieses Land ist zu schön, um es den Spaltern und Hetzern zu überlassen.“

Den Einstieg in die Diskussion gab im Anschluss Al-Hami, der seine These schilderte. „Deutschland und das deutsche Volk sind tolerant“, meinte er, dies zeige sich daran, dass bereits über viele Jahre Fremde aufgenommen wurden. Allerdings sei das Asylrecht mit sich über Jahre streckenden Verfahren nicht zeitgemäß. Das Problem in den vergangenen zwei, drei Jahren sei vor allem ein quantitatives, das die Frage hervorbringe, wie so viele Menschen so schnell integriert werden können. „Deutschland hat von der Politik ein Problem vorgesetzt bekommen“, sagte Al-Hami in Bezug auf die Verunsicherung in der Bevölkerung. Diaby entgegnete darauf, dass zwar immer wieder so getan werde, als habe der Bundestag einen Beschluss gefasst, dass alle nach Deutschland kommen sollen, dies aber nicht stimme. Die Grenzen seien offen gewesen und hätten auch nicht einfach zugemacht werden können.

„Migration und Integration“ – Lebhafte Diskussion (Fotos: Christine Görlich)