„An den Blick könnte ich mich gewöhnen“, meinte der evangelische Pfarrer Fried-Wilhelm Kohl als er die Gäste in der vollbesetzten Kirche – einige Besucher mussten sogar stehen – begrüßte. Menschen aller Generationen waren zu dem Gottesdienst gekommen, um das Friedenslicht aus Bethlehem in Empfang zu nehmen. „Es ist ein Geschenk“, hatte Sebastian Bieber, katholischer Schulpfarrer in Fulda, in seiner Predigt deutlich gemacht. Das Friedenslicht bekomme seinen Reiz daher, dass niemand es selbst hergestellt habe. Je mehr der Mensch selbst machen könne, desto größer sei die Sehnsucht nach dem Original, erklärte er, dass es ein Unterschied mache, ob eine Kerze selbst mit dem Feuerzeug angezündet oder nach tausenden Kilometern Weg weitergereicht werde. „Es ist eine große Mühe, etwas so zartes und verletzliches so weit zu tragen und darauf zu vertrauen, dass es gelingt.“
Nach der Predigt zogen die Pfarrer gemeinsam mit Fahnenträgern und den Pfadfindern, die das Licht in Linz abgeholt hatten, in die Kirche ein. Die Jugendlichen berichteten von ihrer Reise nach Österreich, zu der sie aufgebrochen seien, ohne genau zu wissen, was sie erwartet. „Das Friedenslicht ist nicht nur ein Zeichen, sondern ein klares Bekenntnis zum Wunsch nach Frieden“, sagte Johannes Jöckel vom DSPG-Stamm Heilig Kreuz Salmünster-Ahl. Cara Carrell vom VCP-Stamm Graf Folke Bernadotte Fulda unterstrich: „Frieden fängt bei uns im Herzen an.“ Nach den Statements wurde das Licht in die Reihen getragen und dort vom einen zum anderen weitergegeben. So erreichte es in kurzer Zeit alle Ecken der Kirche. Die Besucher trugen das Licht dann weiter in die Häuser und mit dem Zug wurde es im ganzen Bistum verteilt. Die Aktion stand in diesem Jahr unter dem Leitspruch „Frieden braucht Vielfalt – zusammen für eine tolerante Gesellschaft“. Vor Beginn des Gottesdienstes waren die Teilnehmer aufgerufen per Smartphone ihre Gedanken, Erfahrungen und Assoziationen zu Toleranz und Vielfalt mitzuteilen. Eine Auswahl der Statements war dann während des Gottesdienstes an der Wand zu lesen.
Das Friedenslicht verbindet auf seinem über 3000 Kilometer langen Weg nach Deutschland viele Nationen und Religionen miteinander. Denn alle eint der Wunsch nach Frieden, auch wenn er – gerade im Heiligen Land, aber auch bei uns in Deutschland – oft sehr zerbrechlich und unerreichbar scheint. Die Friedenslicht-Aktion gibt es seit 1986. Sie wurde vom Österreichischen Rundfunk (ORF) ins Leben gerufen. Jedes Jahr entzündet ein Kind das Friedenslicht an der Flamme in der Geburtsgrotte Christi in Betlehem/Palästina. Seit 25 Jahren verteilen die Pfadfinder verschiedener Verbände das Friedenslicht in Deutschland. Im Rahmen einer Lichtstafette wird das Licht ab dem dritten Advent an über 500 Orten in Deutschland weitergegeben.
