Lokales 14.08.2018

„Dilemma und Tatort Rückenoperation“ – Vortrag von Dr. Nicole David

Schlüchtern – Von Jasha Günther – Das Handwerkszeug, um sich bei der Entscheidung Wirbelsäulenoperation ja oder nein sicherer zu fühlen, wollte Neurochirurgin Dr. Nicole David aus dem Team des Neuro Spine Center von Dr. Samir Al Hami ihren Gästen im Akzent Hotel Schlüchtern mit auf den Weg geben. Ihr Vortrag stand unter dem Titel „Dilemma und Tatort Rückenoperation – Wer blickt noch durch?“

Dr. Nicole David. Foto: Jasha Günther.

Operationen an der Wirbelsäule werden immer wieder auch in den Medien diskutiert und dadurch sei die Verunsicherung, wann der Eingriff wirklich nötig ist und wann nicht, bei vielen groß. „Ich finde es erschreckend, in der Wirbelsäulensprechstunde zu erleben, wie verängstigt meine Patienten sind“, berichtete David. Durch Reportagen und die Arbeitsweise mancher Ärzte sei das Vertrauen zwischen Patienten und Medizinern stark geschädigt. All das bestätigten auch viele der rund 20 Gäste in der anschließenden Diskussion. Sie berichteten, wie sie sich zwischen verschiedenen Fachärzten im Gesundheitssystem verloren fühlen. „Hand in Hand zu arbeiten, wo ist das?“, fragte einer der Besucher, der David für ihren „super interessanten und super ehrlichen Vortrag“ lobte.

„Es sind ganz wenige Dinge, die ihnen helfen werden, zu entscheiden, wenn Sie bei ihrem Arzt, ihrem Neurochirurgen sitzen“, kündigte David zu Beginn der Veranstaltung an. Eine gute Grundlage für eine richtige Entscheidung bilde der Dreiklang aus Diagnose, Stadieneinteilung und leitlinienangepasster Therapie. Die Diagnose sollte zügig und nach körperlicher Untersuchung und dem Einsatz bildgebender Verfahren erfolgen. Bei den Stadien werde zwischen akuten Schmerzen (bis sechs Wochen), subakuten Schmerzen (sechs bis zwölf Wochen) und chronischen Schmerzen (ab zwölf Wochen oder an mehr als der Hälfte der Tag in einem Jahr) unterschieden. Hat ein Patient noch keine Lähmungserscheinungen sollte nicht operiert werden, ohne vorher konservative Behandlungsmethoden ausprobiert zu haben. Zu spät für eine Operation, die echte Verbesserungen bringt, könne es sein, wenn die chronischen Schmerzen bereits seit Jahren anhalten und dadurch im Gehirn verankert sind und wenn Lähmungen schon länger anhalten.

Zudem ermunterte David dazu, ruhig eine Zweit- oder auch Drittmeinung bei einem anderen Arzt einzuholen. Gleichzeitig mahnte sie aber auch, sich nicht durch Nachbarn oder Bekannte verunsichern zu lassen: „Bitte, bitte, bitte meiden sie Laienmediziner und mit ‚Dr. Google‘ muss man auch ein bisschen vorsichtig sein.“ Der beste Weg, einer Wirbelsäulenoperation aus dem Wege zu gehen, sei frühzeitige Prävention, das wurde in der anschließenden Diskussion deutlich. „Der Patient muss für seine Gesundheit die Verantwortung übernehmen. Unsere Muskulatur hält uns jung“, unterstrich die Neurochirurgin, die findet, dass die Prävention bereits im Kindergarten oder der Schule anfangen und Sport auch in den Betrieben zum Pflichtprogramm gehören sollte. Als ein Beispiel für den positiven Nutzen von Bewegung führte sie die Bandscheiben an: „Die Bandscheiben werden nur durchblutet, wenn wir uns bewegen, und wenn sie nicht durchblutet werden, schrumpfen sie.“