Bis 2018 sollen alle Haushalte im Landkreis mit dem „schnellen Internet“ mit einer Geschwindigkeit von mindestens 30 Megabit pro Sekunde versorgt sein. Von 520 Kilometern wurden bereits 30 Kilometer Glasfaser, davon 20 Kilometer durch Tiefbau, im Landkreis Fulda eingezogen. 170 von den 520 Kilometern müssen mittels Tiefbau verlegt werden. Insgesamt 16,7 Millionen Euro Investitionszuschuss zahlen der Bund (zehn Millionen), das Land Hessen (zwei Millionen) und der Landkreis Fulda (4,7 Millionen) an die Telekom. Die Telekom bestimmt gemeinsam mit den Projektpartnern die Ausbaugebiete und die Trassen und beauftragt dann Spezialfirmen, die die Geräte liefern. „Wir wählen immer das effizienteste und innovativste Legeverfahren“, so Fuat Dalar, Regio-Manager Infrastrukturvertrieb bei der Telekom, der anfügte: „Wir bekommen hier eine super Versorgung hin. Nach dem Ausbau haben wir einen Standard für alle. Wir haben hier Verfahren, mit denen alle glücklich sind.“ So wird aktuell Kabel in Künzell-Dietershausen verlegt.
Beim Pflugverfahren handelt es sich um eine Tiefbauart. Durch das Pflügen wird die Erde nach rechts und links zur Seite gerüttelt, ein Graben geschaffen und gleichzeitig das Rohr verlegt. Die große Trommel ist an dem Traktor montiert, sodass das Kabel gleichmäßig über einen bestimmten Aufsatz einlaufen kann. Vor allem besticht die Methode durch die hohe Geschwindigkeit. So können an einem Tag bis zu zwei Kilometer Kabel verlegt werden. Europaweit gibt es nur acht Maschinen, die das sogenannte Peter-Pflug-Verfahren können, und eine davon ist derzeit auf der Marienhöhe bei Dassen unterwegs. „Das ist hocheffizient“, erklärte KTS-Geschäftsführer Dr. Dirk Pramann. Gerade in den ländlichen Gebieten mit schrägen Wegen könnten so viele Meter Kabel verlegt werden. „In der Planung versucht man möglichst kostengünstig zu produzieren“, so Pramann. Eine offene Bauweise, bei der möglicherweise tagelang Bagger die Straße aufreißen sei auf jeden Fall teurer. Vor dem Pflügen wird das Gebiet natürlich genau begutachtet, um auch Fremdleitungen zu beachten. Eine andere Bauweise ist das Spühlbohrverfahren bei dem ein gesteuertes Rohr bis zu zweit Meter tief unter der Straße durch verlegt wird. Während ein Mitarbeiter auf einem Bagger die Rohre einschiebt, geht ein anderer Arbeiter mit einem Messgerät am Weg entlang und gibt an, in welche Richtung das Rohr verschoben werden soll. „Wir sind dadurch viel schneller. Die Verkehrsflächen bleiben offen und die Bürger werden nicht behindert“, erklärte Dipl-Ing. Holger Neubauer von der Ribo Pflug- und Horizontalbohrtechnik GmbH.
Bislang schreitet das Projekt zügig voran. Im März wurde mit der Planung begonnen, anschließend folgten die grobe Strukturplanung, die Ausführung des Trassenverlaufs und die Projektplanung. Aktuell werden die Rohre verlegt, bevor im nächsten Schritt das Glasfaserkabel auf einem Luftstrom eingeblasen wird. Das Ganze kann zwischen zwei und fünf Kilometern erfolgen, ohne dass die Erde dafür nochmal extra aufgemacht werden muss. Anschließend erfolgen Montage, Abnahmemessung und Dokumentation, bevor die Telekom die Leitungen scharfstellt. „Wir sind sehr zufrieden, dass es im Rahmen des vorgegebenen Zeitplans vorangeht“, betonte der Breitbandkoordinator des Landkreises Fulda Christof Erb. Das Ziel der Inbetriebnahme aller Ortschaften bis Ende 2018 könne erreicht werden. Breits im kommenden Oktober sollen Hilders, Hofbieber, Nüsttal, Rasdorf und Dipperz ans Netz gehen. Fulda, Künzell und Petersberg werden dann als letzte Gemeinden bis November 2018 angeschlossen sein. „Der Kunde kann sich jetzt schon bei uns für die Inbetriebnahme anmelden“, sagte Dalar. Entweder online oder im Shop in Fulda können sich alle Interessierten melden. Die Kunden der RhönEnergie brauchen sich nicht extra dafür anzumelden. Sie werden ohnehin demnächst von ihrem Energieversorger angeschrieben. Das Prozedere vor Ort schaute sich auch Künzells Bürgermeister Timo Zentgraf genau an. „Ich find es richtig gut, dass der Lückenschluss funktioniert und das schnelle Internet zur Verfügung steht“, sagte Zentgraf. Er zeigte sich von den Verfahren beeindruckt.
Spatenstich für schnelles Internet im Landkreis – Fulda ist Vorreiter
http://www.osthessen-zeitung.de/einzelansicht/news/2017/maerz/spatenstich-fuer-schnelles-internet-im-landkreis-fulda-ist-vorreiter.html
