Lokales 15.03.2017

Im Gespräch mit Dr. Al-Hami: Investition in die Hochschule ist wichtig

Fulda – Von Svenja Müller – Das Gelände der Hochschule Fulda wächst, die Stundenzahlen steigen und Fulda hat sich immer mehr zur Studentenstadt entwickelt. Der Fuldaer Neurochirurg Dr. Samir Al-Hami betrachtet die Entwicklung in den vergangenen Jahren sehr positiv. Fulda und vor allem der Campus haben sich seiner Auffassung nach gut entwickelt.

Foto: Ralph Görlich

Die Barockstadt sei sehr lebendig geworden. Anfang der 90er, als Al-Hami nach Fulda kam, sei das längst nicht so gewesen. Einen großen Anteil daran haben neben den Politikern und Unternehmern laut Al-Hami auch die Studenten, die von überall her vermehrt nach Osthessen kommen, um an der Hochschule zu studieren. „Ich glaube, dass die Hochschule eine wahnsinnig wichtige Struktur für die Lebensgewohnheit in der Region ist“, meint Al-Hami.

Für die kommenden Jahre wünscht er sich, dass die Hochschule weiter wächst. Sollte das Campusgelände zu eng werden, könnte seiner Meinung nach auch auf andere Standorte ausgewichen werden: „Wachstum in Bildungsstätten ist nicht an einen Ort gebunden.“ Generell sollte noch weiter investiert werden, um mehr junge Menschen nach Fulda zu holen. Erfreulich sei dabei vor allem, dass sich das Verhältnis zwischen Politik und Hochschule positiv entwickelt habe. Dennoch könnte noch mehr gemacht werden, beispielsweise in Form von Veranstaltungen oder Vergünstigungen, um Anreize für Studenten zu schaffen. „Die Bezuschussung von Studenten durch die Stadt ist eine gute Investition in die Zukunft“, meint Al-Hami und fügt an: „Studenten muss man in die Gesellschaft integrieren.“ Positiv sei auch, dass durch die Hochschule immer mehr internationale Studenten in die Barockstadt kommen.

Durch die steigenden Studentenzahlen hat sich natürlich auch der Wohnungsmarkt verändert. Das Problem, dass es zu wenige Stundenwohnungen gibt, sei laut Al-Hami nicht nur ein Phänomen in Fulda, sondern auch in anderen Städten wie beispielsweise in Würzburg. „Das grundsätzliche Problem ist, dass Wohnraum für Studenten günstig sein muss“, meint Al-Hami. Investoren hätten daher kaum Gewinn und für Privatpersonen sei es ebenso wenig interessant, in Studentenwohnungen zu investieren. „Das lohnt sich ökonomisch nicht“, so Al-Hami, der eine klare Meinung dazu hat: „Das kann nur eine staatliche Aufgabe sein.“ Eine sinnvolle Lösung seien seiner Meinung nach Studentenwohnheime, die bezuschusst werden. Gemeinden, Landkreise und vor allem der Bund müssten hier weiter aktiv werden.

Durch die gestiegene Attraktivität Fuldas seien viele Menschen wieder zurückgekehrt oder erst gar nicht weggezogen. „Das Positive an den Menschen in der Region ist, dass sie bodenständig sind“, betont Al-Hami, übt aber auch Kritik: „Einen Fehler machen die Menschen in Fulda, indem sie sich immer mit dem Rest der Welt vergleichen wollen.“ Viel wichtiger sei es seiner Ansicht nach, sich auf das bisher eigenständig Erreichte zu konzentrieren. „Wir sind eine schöne Stadt, aber wir müssen uns nicht vergleichen“, meint der Neurochirurg. Von außerhalb werde bislang nur wenig wahrgenommen, dass Fulda eine Studentenstadt ist.