Lokales 02.06.2017

Verbinden, bewegen, öffnen – Bistum Fulda möchte bis 2030 Umkehr

Fulda (sm/oz) – Glaube verbindet, bewegt und öffnet – das Bistum Fulda richtet sich in der Pastoral neu aus. Bis 2030 sollen unter anderem aus den bislang 270 Pfarreien 45 werden, Getaufte sollen den Auftrag der Seelsorge stärker wahrnehmen und kirchliches Leben auch an nichtkirlichen Orten möglich gemacht werden. Pfingstsonntag setzt Bischof Heinz Josef Algermissen die „Strategischen Ziele“ mit ihren verbindlichen Maßnahmen in Kraft.

von links: Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke, Dr. Valentin Dessoy, Bischof Heinz Josef Algermissen, Finanzdirektor Gerhard Stanke, Ordinariatsrat Thomas Renze. Fotos: Svenja Müller

Bereits im vergangenen Jahr wurde ein Entwurfstext der Strategischen Ziele bistumsweit auf allen Ebenen diskutiert. Nach vier Konsultationsveranstaltungen in Amöneburg, Freigericht, Kassel und Fulda, auf denen circa 900 Teilnehmer von April bis Juni 2016 diskutiert haben, wurden die Ziele nun nochmal inhaltlich und strukturell überarbeitet. Über 200 Rückmeldungen waren beim Bischöflichen Generalvikariat eingegangen. Dabei beschäftigten sich alle Beteiligten unter anderem mit der Frage „Wie soll die Seelsorge im Bistum Fulda in Zukunft aussehen?“.

Erste Ansätze sind beispielsweise der kürzlich im S-Club Fulda veranstaltete Jugendgottesdienst oder die Präsenz der Citypastoral kommende Woche auf dem Fuldaer Stadtfest. Zu den inhaltlichen Schwerpunkten zählen unter anderem die Pfarreien als Netzwerk Pastoraler Orte umzugestalten. Kirchliches Leben soll hier an vielen kirchlichen und nichtkirchlichen Knotenpunkten möglich gemacht werden. Dazu zählen Einrichtungen, einzelne Projekte, Initiativen und Personengruppen. Weiter soll der Auftrag aller Getauften, das kirchliche Leben verantwortlich mitzugestalten, unterstrichen werden. Als Träger der Seelsorge haben sie Anteil an der kirchlichen Verkündigung. Wesentlicher Punkt der Ziele ist auch die Vereinfachung der Verwaltung. Das Bistum Fulda wird bis zum Jahr 2030 in 45 Pfarreien mit jeweils 4000 bis 20.000 Mitgliedern gegliedert sein. Mitarbeitende Priester aus dem Ausland werden in zwei Drittel der 45 Pfarreien unterstützend tätig sein. Mit der Neustrukturierung von Pfarreien und der Bildung von größeren Einheiten geht die Vereinfachung der Verwaltung einher. Die Entlastung in diesem Bereich schafft neue Freiräume für die Seelsorge. Geschäftsführende Tätigkeiten werden in den neugegründeten Pfarreien beispielsweise von hauptamtlichen Verwaltungsleitungen übernommen. Über die Einrichtung von Zentralen Pfarrbüros werden die pfarramtlichen Aufgaben und Verwaltungsabläufe zentralisiert, in Kontaktstellen sind darüber hinaus Ansprechpartner an verschiedenen weiteren Orten vertreten.

Wie Algermissen erklärte sei 2030 als willkürliches Datum gewählt worden. „Alles, was weiter ist, ist Kaffeesatzleserei“, so der Bischof. Er blickte nochmal auf die Zeit zwischen 2002 bis 2017 zurück. „Es waren 15 ereignisreiche, bewegte, herausfordernde und geistlich geprägte Jahre“, sagte Algermissen, der betonte: „Die Frage nach Gott in der Welt ist die Frage, die wir zur Sprache bringen müssen.“ In den „Briefen der Hoffnung“, die er 2009 von den Pastoralverbünden erhielt, sei sehr stark spürbar gewesen, dass sich die Verbünde eine Neuausrichtung der Pastoral wünschen. „Ich glaube immer noch, dass es nicht die Zeit der Diözesansynode ist“, betonte der Bischof. Vielmehr sollte das gesamte Bistum bei der Neuausrichtung ins Boot geholt werden. „Nicht Strukturen, die je und je wichtig sein mögen, verändern die Welt, sondern Menschen, die von der Wahrheit des Evangeliums überzeugt und von ihrer Mission beseelt sind“, las Algermissen aus den Zielen vor und fügte an: „Diese Menschen zu finden, zu fördern oder daraufhin zu missionieren, ist unsere Aufgabe.“ Die Kirche werde den Menschen nachgehen und ihnen helfen müssen. „Das primäre Ziel ist, dass wir den Menschen auf der Straße sagen: Wenn ihr den Weg der Kirche gemeinsam mitgehen wollt, brauchen wir gemeinsame Ziele und eine Umkehr“, so Algermissen. Er selbst beispielsweise gehe einmal am Tag durch die Stadt, um den Bürgern auf der Straße zu begegnen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Dass die Ziele nicht von heute auf morgen umgesetzt werden können, machte Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke deutlich: „Die religiöse Landschaft verändert sich. Es geht darum, dass Gott im Blick der Menschen bleibt.“ Besonders wichtig sei, dass den Menschen Freiraum für neue Initiativen gegeben werde. Außerdem sollten die Menschen mehr verstehen lernen, dass sie von der Taufe und der Kommunion her den Auftrag haben, den Glauben zu transportieren. Bei der Ausrichtung der Ziele wurde das Bistum von Dr. Valentin Dessoy begleitet. „Wenn ich mir die Qualität des Prozesses in Fulda anschaue, ist das was Besonderes“, so Dessoy. Einen solch konkreten und zukunftsgerichteten Plan habe es noch nicht gegeben. „Die strategischen Ziele beschreiben im Kern eine Kulturveränderung. Es geht um eine Haltung“, betonte Dessoy und fügte an: „Es ist ein Papier für Entscheider.“ Seiner Ansicht nach werde Kirche in Zukunft kleiner, aber dafür durchaus bewegter werden.

Mit dem in Kraft setzen der Ziele am Sonntag sollen aber nicht nur irgendwelche Ziele aufgestellt, sondern dieses auch konkret umgesetzt werden. „Hier geht es um die Überprüfbarkeit“, machte Algermissen deutlich. So wurde jedem Ziel eine Zeitmarkierung zugeordnet, bis wann dieses umgesetzt und erreicht sein soll.

 

zusammen wachsen – Das lebendige Kreuz

„Es ist ein Anliegen als Gemeinschaft der Gläubigen zusammenzuwachsen und zu wachsen“, sagte Ordinariatsrat Thomas Renze, der das neue Logo des Bistums präsentierte. Das neue Signet zum Bistumsprozess besteht aus drei Figuren in den Farben Blau, Rot und Gelb, die unter dem Motto zusammen wachsen ein lebendiges Kreuz bilden. Jede der Figuren steht für eine Dimension im Bistumsprozess, der von spirituellen, pastoralen und strukturellen Fragen und Anliegen geprägt ist: Glaube öffnet, Glaube bewegt und Glaube verbindet. Auch die Umsetzung der Strategischen Ziele soll von diesen drei Dimensionen durchdrungen sein. Die geistliche Dimension ist dabei die Grundlage und Inspiration für das kirchliche Handeln insgesamt.

 

Finanzielle Sicherung der pastoralen Maßnahmen

Die Verwendung der finanziellen Ressourcen im Bistum Fulda dient dazu, die Seelsorge im beschriebenen Rahmen zu ermöglichen und die kirchlichen Angebote, die in den Strategischen Zielen aufgeführt sind, auf die Zukunft hin zu sichern. Vor dem Hintergrund der Neuausrichtung der Pastoral wird ein Sonderhaushalt bereitgestellt, der - vorbehaltlich der Zustimmung der verantwortlichen Gremien (Diözesaner Vermögensverwaltungsrat, Konsultorenkollegium, Kirchensteuerrat) – fünf Millionen Euro umfassen wird. Der weitere Planungsrahmen ist auf fundierte Prognosen bezogen und sieht angesichts der perspektivisch rückläufigen Kirchensteuereinnahmen ab 2020 bis 2030 eine schrittweise Reduktion der Ausgaben um zwei Millionen Euro p.a. im Vergleich zum jeweiligen Vorjahr vor. Ebenso wird der pastoral genutzte und vom Bistum bezuschusste Immobilienbestand an den Bedarf und die Finanzierbarkeit des Gebäudeunterhalts angepasst: Bezuschusste Gebäudeflächen sind bis 2030 in Summe um 50 Prozent reduziert im Vergleich zum Stand 31. Dezember 2015. Ab 2020 erwartet Finanzdirektor Gerhard Stanke aufgrund des demographischen Wandels einen Rückgang der Einnahmen. „Wir werden den Gürtel perspektivisch enger schnallen müssen“, so Stanke. Seit geraumer Zeit habe sich das Bistum vereinzelt von den Immobilien getrennt.

Im Bistum Fulda leben circa 392.000 Katholiken. Es existieren 211 Pfarreien und 62 Filialkirchengemeinden (mit eigenständigem Verwaltungs- und Pfarrgemeinderat), die in 43 Pastoralverbünde sowie zehn Dekanate gegliedert sind. In 2030 geht Algermissen von etwa 350.00 Katholiken im Bistum aus. Die Strategischen Zielen zur Ausrichtung der Pastoral im Bistum Fulda sowie alle begleitenden Materialien und aktuellen Informationen zur Umsetzungsphase sind online unter www.2030.Bistum-Fulda.de abrufbar.

 

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