Lokales 19.06.2017

Neueröffnung des Theatrium Steinau mit neuem Look und Konzept

Steinau (oz/rg) - Mit neuen Betreibern, neuem Look und neuem Konzept wird die Steinauer Marionettenbühne am kommenden Wochenende unter dem Namen Theatrium Steinau neu eröffnet.

Fotos: Theatrium Steinau

Petterson

Am 24. und 25. Juni 2017 dürfen sich die Besucher auf drei Figurentheater-Vorstellungen freuen.

Die jahrzehntelange Tradition des Puppentheaters im alten Steinauer Marstall führen nun die drei Dresdner Künstler Detlef Heinichen, Ella Späte und Wolf-Dieter Gööck weiter. Zuvor hatten bis zum Jahre 1955 die Brüder Zangerle und danach „Die Holzköppe“ das Haus zu einer bekannten und beliebten Adresse im Kulturleben der Region gemacht. Die neuen Betreiber können zusammengerechnet auf reichlich 100 Jahre Theatererfahrung verweisen. Detlef Heinichen hat zudem bereits in Bremen und Dresden eigene „feste“ Theater betrieben.

Die Spielpause der letzten Wochen haben die Dresdner für einige Veränderungen im Theater genutzt. Dem Publikum als Erstes auffallen wird der neue Eingangsbereich. Dieser wurde in den vergangenen Wochen so umgestaltet, dass sich der Besucher sofort eingeladen fühlt – durch eine künstlerische Gestaltung, die das Märchenhafte des Ortes betont, und durch die Annehmlichkeiten einer kleinen Theatergastronomie. Hier hatte Bühnen- und Kostümbildnerin Ella Späte den sprichwörtlichen Hut auf. „Mich hat in erster Linie das wunderschöne Haus fasziniert und zu dieser Gestaltung inspiriert. Der Besuch eines Theaters beginnt mit dem Schritt ins Foyer, das sozusagen die Visitenkarte des Hauses ist“, sagt Späte.

Im Theatersaal musste eine neue Bestuhlung eingebaut werden. Hier nutzten die neuen Mieter ihre guten Verbindungen zur Dresdner Theaterszene: nachdem das tjg. theater junge generation kürzlich in ein neues Domizil umgezogen ist, konnte dessen altes Gestühl gegen Zahlung einer eher symbolischen Summe demontiert und nach Steinau gebracht werden, wo es aufgearbeitet und eingebaut wurde, so dass das Theater nun wieder über 102 Zuschauerplätze verfügt.

Im Theatrium Steinau wird künftig nicht ausschließlich reines Marionettentheater gezeigt, sondern Figurentheater im weiteren Sinne – in Vorstellungen für Kinder ebenso wie für Jugendliche und Erwachsene, dicht am kleinen und großen Publikum und in allen heute gängigen Spieltechniken. Dabei bevorzugen sowohl Detlef Heinichen, als auch Wolf-Dieter Gööck die offene Spielweise. „In vielen Inszenierungen ist der Spieler nicht mehr versteckt. Er selbst übernimmt eine Rolle und ist damit neben den Puppen fester Bestandteil einer Inszenierung“, erläutert Heinichen. Dabei wählt er gern Stoffe aus, deren Umsetzung auf der Bühne und erst recht im Rahmen eines Figurentheaters fast unmöglich erscheint. Schlafes Bruder gehört beispielsweise zum Repertoire, aber auch Adams Äpfel oder Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand.  „Bei Inszenierungen für Kinder bevorzuge ich die Interpretation von bekannten Kinderbüchern wie die von Sven Nordquist oder Astrid Lindgren. Ich möchte gern erreichen, dass das junge Publikum sich nach den Vorstellungen weiter damit beschäftigt, das Buch aus dem Bücherschrank holt und noch einmal nachliest“, so Heinichen.

Auch die in Steinau allgegenwärtige literarische Tradition der Brüder Grimm wird im Theatrium Steinau eine Rolle spielen. Heinichen: „Selbstverständlich wird es in Zukunft Interpretationen von Grimm‘schen Märchen geben – allerdings nicht immer realistisch eins zu eins, sondern den Bogen ins Moderne spannend. Für das Abendprogramm wird für 2018 eine Inszenierung über Jacob und Wilhelm Grimm vorbereitet.“ Bereits im aktuellen Sommerspielplan zu finden sind Wolf-Dieter Gööcks Papiertheater-Stücke Wovon soll ich satt sein?! und Sense gut, alles gut, die ebenso wie seine vorweihnachtliche Inszenierung Advent, Advent, die Hexe brennt auf Märchen aus der Grimm’schen Sammlung basieren – „Märchenverquirlung, aktuelle Bezüge, Wortwitz und Musik immer inklusive“, verspricht Gööck mit Blick auf die Vorstellungen für Erwachsene.

Darüber hinaus wird der Spielplan des Theatrium Steinau durch Gastspiele befreundeter Künstler, Schauspiel, Kabarett, Comedy und Musik bereichert. Zukunftsmusik, aber nicht unrealistisch, ist die Idee für eine Reihe mit dem Arbeitstitel „Puppen-Dinner“, die man mit Gastronomen in der unmittelbaren Nachbarschaft initiieren könnte. „Schon seit einigen Jahren gibt es ein wachsendes Interesse an Veranstaltungsformen, die dem Publikum ein Rundum-Sorglos-Paket bieten, mit Kunst, Gastronomie und allem Drum und Dran“, sagt dazu Wolf-Dieter Gööck. Und als künstlerischer Leiter der Serkowitzer Volksoper – einem kleinen Profi-Ensemble, das seit Jahren in Dresden schräge Open-Air-Kammeropern produziert – könnte er sich irgendwann auch einen „Steinauer Opernsommer“ vorstellen.