Eine relativ kleine, aber dafür nicht weniger laute Gruppe hatte sich vor der Einfahrt am Bäderpark Hotel positioniert. Schließlich fuhren dort nach und nach die Politiker vor, die am zweitägigen Treffen der CDU Hessen mit Ministerpräsident Volker Bouffier teilnehmen. Die Anreisenden fuhren meist zügig mit ihren Pkws vorbei und schauten nur etwas irritiert. CDU-Landtagsabgeordneter Markus Meysner ließ es sich derweil nicht nehmen, einen Zwischenstopp bei den Demonstranten einzulegen.
„Wir wollen zeigen, dass die CDU endlich Vernunft annehmen muss“, sagte Rolf Zimmermann, Sprecher von Vernunftkraft Hessen und Abgeordneter der FDP in der Regionalversammlung Südhessen, und fügte an: „Die CDU muss lernen, vernünftige Politik zu machen. Die CDU lässt sich von den Grünen vor sich hertreiben.“ Daher setzen sich die anwesenden Demonstranten dafür ein, nur denen Parteien eine Stimme bei der Bundestagswahl zu geben, die sich gegen die Windkraft ausspricht. Die CDU dagegen solle sich den Themen wie technische Machbarkeit, Bezahlbarkeit und Nachhaltigkeit in Bezug zur Windkraft annehmen und in ihre Strategietagung einfließen lassen. „Keine Stimme für Windkraftbefürworter“, sagte Zimmermann durch das Megafon. Gleichzeitig wendete er sich an Generalsekretär Peter Tauber und Bouffier, die derweil im Hotel auf den Auftakt des Treffens warteten. „Warum diskutieren Sie nicht mit den Bürgern?“, fragte Zimmermann. Schließlich seien die Abgeordneten gewählt worden, die Anliegen der Bürger zu vertreten und nicht die, der Windkraft-Lobby. „Hört auf eure Bürger und hängt nicht auf euren Abgeordnetensesseln“, rief Zimmermann und fügte an: „Ihr werdet uns spätestens bei unserer Stimmabgabe hören. Wir wollen vernünftige Energiepolitik.“ Tauber und Bouffier sollten laut dem Sprecher lieber aus dem Hotel kommen, anstatt bei „Schnittchen und Apfelsaft“ zu sitzen.
Klare Worte fand auch Jörg Clar vom Regionalverband Vernunftkraft Osthessen: „Gesetze zum Schutz von Mensch und Natur werden aufgeweicht.“ Seiner Ansicht nach bekomme die Windkraft-Lobby das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht, da sie durch die Politik unterstützt werde und somit am „längeren Hebel“ sitze. Er forderte die Windkraftgegner auf, weiter an ihren Interessen festzuhalten. Immerhin habe die Kommunalwahl in 2016 gezeigt, dass viele Bürgerlisten gute Ergebnisse erzielt haben. „Wir lasse uns unsere Umwelt nicht zerstören“, sagte Clar und erklärte: „Wir gehören zu der Mittelschicht, die unser Land mit ihrer Arbeitskraft vorantreibt.“ Daher würden sich die Demonstranten auch nicht laut, sondern leise bei der Abgabe ihrer Stimmen auf dem nächsten Wahlzettel, wehren. „Wir werden jeden Tag immer mehr“, erklärte Clar.
Weiterhin brachte Dr. Ing. Detlef Ahlborn, Vorstand Vernunftkraft Hessen, seine Einwände in einer Rede zum Ausdruck. „Noch nie hat es ein Projekt gegeben, gegen das sich die Bürger so stark engagiert haben“, so Ahlborn, der anfügte: „Die großen Volksparteien lassen sich gegen den Willen der Basis vorführen.“ Das ganze Hessenland komme laut dem Vorsitzenden „unter die Räder“.
