osthessen-fasching.de 21.02.2017

Hochschulmitarbeiter verteidigen Vorgehen – Anzeige?

Fulda (sm/tg) – Die Diskussionen über die Darstellungsweise des Fuldaer Südends geht weiter: Nun äußern sich auch die drei Personen, Philipp Weidemann, Justyna Staszczak und Amata Schneider-Ludorff,  die die Vorwürfe gegen das Südend erhoben haben zu dem Thema. Sie halten die Darstellungspraxis des Vereins für rassistisch. Südend-Vorsitzender Andreas Beck reagiert verärgert.

Foto: Svenja Müller

Weidemann stellt, ebenfalls wie es die Hochschulleitung bereits getan hatte, nochmals klar, dass die drei nicht als Hochschulmitarbeitende, sondern als Privatpersonen agieren. Bereits im November 2015 hatten sie Kontakt mit dem Südend aufgenommen, um ein Gesprächstermin auszumachen. Dabei hätten sie lediglich Interesse bekundet, über den Verein zu sprechen. „Ziel unseres Gesprächs war es, die Vereinsmitglieder zu einer Reflexion darüber anzuregen, dass die Darstellungen des Vereins unkritisch kolonialrassistische Bilder am Leben erhalten und in einem Unterhaltungskontext weiter verbreiten“, so Weidemann. In dem langen Gespräch mit dem Südend-Vorsitzenden Andreas Beck sei es immer wieder darum gegangen, deutlich zu machen, dass die Fortführung rassistischer Bilder und Darstellungsformen im Alltag oft nicht mit einer rassistischen Intention, sondern aufgrund mangelnden Wissens und einer fehlenden Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit und der Wirkungsweise von Rassismus geschehe. „Wir haben daher zu keinem Zeitpunkt Mitglieder des Vereins oder den Verein insgesamt rassistisch, rechtsradikal oder faschistisch genannt“, betont Weidemann und fügt an: „Gleichwohl halten wir seine Darstellungspraxis für rassistisch, was wir in dem Gespräch sowie mit einem ausführlichen, von uns unterzeichneten Brief detailliert begründeten.“ Während des Gesprächs zeigte sich Beck laut Weidemann zwar zunächst konsterniert, aber dann durchaus zugänglich und gesprächsbereit. Der Vorsitzende habe ankündigt, das Thema mit dem Verein zu besprechen. „Auch stand in Raum, von Blackface-Praktiken (das stereotypisierende Schwarz-Schminken von weißen Personen) in Zukunft Abstand zu nehmen“, sagt Weidemann. Kurz vor dem Rosenmontagsumzug 2016 hätten sie dann nochmal bei Beck angerufen, um herauszufinden, ob sich etwas an der Darstellungspraxis des Vereins ändern würde. Zudem hätten sie ihm mitgeteilt, dass sie von einer anderen Gruppe wüssten, die vorhabe, auf dem Rosenmontagsumzug zu protestieren. „Es gibt mehrere Einzelpersonen und Initiativen in Fulda, die sich mit den rassistischen Darstellungspraxen vom Südend beschäftigen und ihre Kritik zum Ausdruck bringen“, sagt Weidemann und fügt an: „Wir bedauern sehr, dass der Verein den Kontakt abgebrochen hat und kein Dialog mehr möglich zu sein scheint.“

Andreas Beck verärgert – Anzeigen

Der Vorsitzende vom Südend Andreas Beck zeigt sich verärgert über die gesamte Situation. Am Montag seien alle Randstaaten von den Hochschul-Mitarbeitern angeschrieben worden. „Sie sollen sich nicht mit uns solidarisieren“, sagt Beck, der die Welt nicht mehr versteht: „Ich kann nachts schon nicht mehr schlafen.“ Die Aktiven des Südends wollen die ganze Sache natürlich nicht einfach so im Raum stehen lassen und sich schon gar nicht verstecken. Einige Mitglieder hätten sich laut Beck daher entschieden, Anzeige gegen die Hochschul-Mitarbeiter zu stellen. Zudem wollen sie am Rosenmontagsumzug in Fulda ein großes Solidaritäts-Banner präsentieren.

„Fulda stellt sich quer“ stellt sich hinter das Südend

Auch die Initiative „Fulda stellt sich quer“ hat auf der Facebookseite von Osthessen-Zeitung reagiert. „Wir als Fulda stellt sich quer halten diese Vorwürfe für intolerant. Der Türkenbund und das Südend leben von einer langen Tradition“, heißt es in dem Facebook-Post. In den Vereinen gebe es Mitglieder mit Migrationshintergrund. Auch Mitglieder von „Fulda stellt sich quer“ seien beim Südend und beim Türkenbund aktiv. „Es gibt andere rassistische Probleme als Karnevalsvereine in Fulda“, schreibt die Initiative.