Lokales 12.04.2017

Im Gespräch mit Dr. Al-Hami: Kulturangebot in Fulda ausbauen

Fulda – Von Svenja Müller – Comedy, Lesungen oder mehr Musikveranstaltungen – das Fuldaer Kulturangebot hat sich im Laufe der Jahre immer weiterentwickelt. Laut dem Fuldaer Neurochirurgen Dr. Samir Al-Hami fehlt es aber vor allem an Aktivitäten für junge Leute zwischen 18 und 30 Jahren. Er wünscht sich von den Gastronomen und der Stadt Fulda mehr Offenheit und Mut, neue Veranstaltungen in der Barockstadt zu etablieren.

Dr. Samir Al-Hami

Immer mehr beobachte Al-Hami, dass viele junge Menschen gerade am Wochenende die Domstadt verlassen, um andernorts feiern zu gehen oder um andere kulturelle Angebote in Anspruch zu nehmen. Sicherlich könnte immer wieder überlegt werden, wie auswärtige Gäste nach Fulda gelockt werden können. Der Blick müsse auch ganz klar auf die Menschen gerichtet werden, die in Fulda leben. Dabei schaut der Fuldaer vor allem auf die 18- bis 30-Jährigen. „Diese Leute brauchen in der Regel Spaß, Musik und Clubs“, meint Al-Hami. In Fulda seien diese Strukturen nicht optimal. „Ich glaube, die Gastronomie und Geschäftswelt wären da, wenn die Rahmenbedingungen der Stadt gegeben wären“, meint Al-Hami und fügt an: „Ich glaube, dass eine gewisse liberale Haltung der Stadtverwaltung gut wäre.“ Er selbst erinnert sich beispielsweise noch an frühere Jahre mit Live-Jazz-Musik in der „Posaune“. Durch immer mehr Beschwerden von Anwohnern habe es letztlich keine Live-Musik mehr gegeben. Ein Problem sieht der Neurochirurg auch bei den Öffnungszeiten verschiedener Lokalitäten. „Die Leute gehen heute erst frühestens ab 23 Uhr weg“, weiß Al-Hami. Da einige Kneipen aber schon zwischen 2 und 3 Uhr schließen, hätten viele keinen Anreiz überhaupt wegzugehen.

Restaurants und Kneipen gebe es laut Al-Hami genug. Was fehle, sei ein breiteres Angebot mit Comedy, Lesungen und verschiedenen Musikveranstaltungen. Auch die Hochschule Fulda sei seiner Ansicht nach gefordert zu schauen, welche Veranstaltungen dort noch angeboten werden könnten. „Ein bisschen mehr Gelassenheit und Mut zu neuen Sachen würde Fulda gut tun“, sagt der Neurochirurg. Außerdem könne er nicht nachvollziehen, was dagegen spreche, auf dem Domplatz im Jahr zwischen vier bis sechs Events zu veranstalten. Der Platz sei schließlich da und biete beste Voraussetzungen. „Open-Air-Konzerte sollten auch für finanzschwächere Menschen möglich gemacht werden“, fordert Al-Hami. Seiner Ansicht nach sollten Veranstaltungen für die Besucher generell häufiger kostenfrei sein. Schließlich könnten die Ausgaben vom Veranstalter über das gastronomische Angebot finanziert werden. In Frankfurt beispielsweise gebe es vor dem Römer immer wieder kostenfreie Kulturangebote. In der Barockstadt sehe das Bild samstags um 15 Uhr ganz anders aus. „Ich bin schockiert,  wie leer der Platz ist“, meint Al-Hami. Auch in Würzburg oder Marburg sei im Vergleich am Wochenende mehr los. „Es muss möglich sein, dass der Uniplatz belebt wird“, sagt der Fuldaer. Positiv zu bewerten seien Aktionen wie das Genussfestival auf der Pauluspromenade. „Wenn man Fulda von Jahr zu Jahr vergleicht, wird es immer lebhafter“, so Al-Hami. Wichtig sei vor allem, dass neue Ideen nicht gleich kritisiert oder ausgebremst werden würden. Genügend Veranstaltungsflächen wie der Uniplatz, Buttermarkt, Museumshof, Schlosshof, Domplatz oder auch vor der Stadtpfarrkirche gebe es schließlich.