„Mehr als 30 Millionen Studierende in ganz Europa haben in den 30 Jahren von den Programm profitiert“, zeigte Thomas Berger, Leiter der Kontaktstelle des Netzwerks für EU-Praktika und Hochschule-Wirtschaft-Kooperation, in seiner Begrüßung die große Reichweite auf. Ging es bei Erasmus zunächst nur um Auslandssemester, sind mittlerweile auch Praktika (früher im Leonardo da Vinci Programm) sowie Aufenthalte von Schülern, Lehrern, Auszubildenden und Jungunternehmern mit dabei – der Name wurde deshalb auf Erasmus-Plus erweitert. „Ins Ausland zu gehen, kostet immer Überwindung. Ich kann aber aus eigener Erfahrung sagen: Es ist schön“, meinte Berger: „Es wird nie wieder so leicht, wie im Studium.“ Waren es im ersten Jahr europaweit noch knapp 3250 Studierende in Europa, die im Rahmen des Erasmus-Programms ins Ausland gingen, waren es im Jahr 2016 alleine aus Deutschland 40.000 junge Menschen. „Erasmus ist heute ein Synonym geworden für den Austausch von Studierenden und ein Symbol für Europa“, sagte Carola Bauschke-Urban, Prodekanin des Fachbereichs Sozial- und Kulturwissenschaften der Hochschule Fulda: „Gerade jetzt in einer Zeit, in der Europa vielfach in Frage gestellt wird, ist Erasmus eine Hoffnung und Realität, die Europa lebt.“ Das Programm biete viele Chancen und die Studierenden würden in der Regel viel fürs Leben mitnehmen. „Was ich wunderbar finde, ist dass es sich an alle Studierenden richtet, der Auslandsaufenthalt ist damit relativ unabhängig vom Geldbeutel der Eltern möglich“, zeigte Bauschke-Urban einen der vielen positiven Aspekte auf.
Mit der Arbeit in einem Workshop sollte die Entwicklung des Programms weiter vorangetrieben werden. Unter dem Titel „Interns Go Pro – Rate your intership“ wurde mit Teilnehmern aus verschiedenen Ländern über das neue Qualitätslabel für Praktika in Europa diskutiert. Zudem gab es zwei Podiumsdiskussionen. Auf Englisch sprachen Gorka Guerrero vom Erasmus Student Network, Nicolas Wenzel als Mitbegründer des Qualitätslabels Interns Go Pro und Berger darüber, wie sich Praktika auf die spätere Attraktivität des Bewerbers auf dem Arbeitsmarkt auswirkt. Hervorgehoben wurde, dass das Auslandspraktikum nicht nur Praxiserfahrung und Sprachkenntnisse bringe, sondern auch Kommunikationsfähigkeit, interkulturelles Verständnis und Sozialkompetenz schule. Dazu können die Praktikanten früh Netzwerke aufbauen. Wenzel zeigte auf, dass es aber auch viele gebe, die aus verschiedenen Gründen unzufrieden mit ihrem Praktikum seien. Deshalb sei es wichtig qualitative Standards zu haben. Erasmus bietet dabei beispielsweise durch Musterverträge eine Grundlage. In einer zweiten Runde ging es um die Perspektiven, die ein Praktikum schaffen kann. Auf dem Podium standen vier ehemalige Praktikantinnen, zwei von ihnen konnten nach dem Studium direkt in ihrem ehemaligen Praktikumsbetrieb anfangen. Sarah Stachowiak stieg nach ihrem Praktikum in Dublin bei der luxemburgischen Firma Brown Brothers Harriman dort im Bereich Talent Akquise ein und Alina Seefeldt ist beim Goethe-Institut in Glasgow, wo sie einst Praxiserfahrung sammelte, mittlerweile in der Verwaltungsleitung. Des Weiteren berichteten eine Lebensmitteltechnologiestudentin aus Bolivien über ihr Erasmus-Praktikum auf Teneriffa und eine schwerbehinderte Sozialwissenschaftenstudentin über ihr Praktikum in Italien.
