Erlebnisbericht von Marius Auth:
Samstagmittag: „Es gibt noch Tickets fürs Finale!“ Also warum nicht gleich nach Polen fahren und die Mannschaft direkt in der Arena anfeuern? Ein paar Telefonate später waren fünf Schlachtenbummler gefunden, ein Auto netterweise zur Verfügung gestellt und Tickets gekauft. Los konnte es gehen in Richtung Krakau. Sonntagmorgen 1 Uhr Abfahrt. Die 900 Kilometer waren im Nu gemeistert. Na ja neun Stunden hat es dann doch gedauert bis wir mit ein paar Stopps, bei denen wir noch andere Handballenthusiasten trafen, vor unserer Herberge im Zentrum des schönen Städtchens Krakau standen. Für 52 Euro nicht pro Person, nein für das ganze Apartment, erwartete uns eine schöne geräumige Altbauwohnung im Ikea-Look. Nach der ersten Probe des guten polnischen Warka Biers, standen wir vor den Pforten der Tauron Arena und saugten die mitreißende EM-Atmosphäre auf.
Das Spiel um Platz drei war eine nette Einstimmung auf das ersehnte Finale live in der Arena. Am Spielfeldrand waren schon die ersten deutschen Profis und Funktionäre zu entdecken und die zuvor noch spärlich besetzte Halle füllte sich stetig. Die deutschen Fans schienen, gemessen an den aufgehängten Fahnen, schon in klarer Überzahl gegenüber den vereinzelten spanischen Vertretern zu sein. Spätestens beim Singen der Hymne war klar, dass die deutsche Mannschaft auf eine große Anzahl mitgereister Fans zählen konnte. Mit dem Anpfiff legte die dann auch los wie die Feuerwehr und in der Halle wurde jedes deutsches Tor wie ein Siegtreffer gefeiert. Die Sympathien für das wie entfesselt auftretende junge deutsche Team kannten keine Grenzen mehr. Selbst die polnischen Fans applaudierten bei jeder gelungenen Abwehraktion, jeder Parade und jeden Treffers ins Gehäuse der Spanier. Die Wahl von Andi Wolff als „Man of the Match“ wurde genauso von allen gewürdigt, wobei die Entscheidung für Arpad Sterbik (Torhüter der Spanier) etwas kritisch beurteilt wurde. Es entstand in der Halle an diesem denkwürdigen Tag bei einer phantastischen Stimmung ein europäischer Geist, der jegliche Homophobie-Diskussion zu Anfang der EM vergessen ließ. Am Ende mussten sogar die Spanier eingestehen, dass es im Finale nur einen Sieger geben konnte und applaudierten brav bei der Siegerehrung.
Nach dem Abpfiff gab es nur einen Weg – schnell an den Spielfeldrand. Fans und Spieler feierten dort gemeinsam, ausgelassen diesen historischen Moment. In die Goldmedaille der Spieler haben wir zwar nicht gebissen, durften sie in diesem geradezu kitschigen Moment aber anfassen. Ein paar Fotos mit den Stars wurden noch geknipst, bevor es dann auf das ein oder andere Kaltgetränk in die historische Altstadt ging. Montagmorgen um Punkt 9 Uhr hieß es dann Goodbye zu dem tollen Gastgeberland zu sagen und die Reise wieder zurück nach Osthessen beziehungsweise sogar noch weiter bis nach Stuttgart anzutreten. Neben unseren Koffern und Taschen nahmen wir eine tolle Erfahrung mit, die wir gerne bei der Weltmeisterschaft in Frankreich im nächsten Jahr wiederholen wollen. Vielleicht diesmal mit einer etwas längeren Planungsphase.
