Das Positive vorweg: Buchonia Flieden hat gewonnen, drei Punkte sicher und damit mit Baunatal gleichgezogen. Die Art und Weise allerdings stimmt bedenklich: Es hätte zum durchwachsenen, hektischen Spiel gepasst, wenn sich die Buchonia nach 2:0-Führung selbst ein Bein gestellt hätte. Was allein Mohammed Habaqza (40., 87. 90.+1), Julian Ankert (49., 50.) oder Patrick Broschke (89.) an erstklassigen Kontern liegen ließen, war zum Haare raufen. „Da ich ja selbst nicht mehr mitspielen kann, bin ich froh, wenn es so Spiele gibt, bei denen einem drei Kilo herunterpurzeln“, übt sich Fliedens Trainer Meik Voll in Sarkasmus. Hier machte sich vor allem das Fehlen von Sturmtank Fabian Schaub bemerkbar, der es beim Aufwärmen zwar versuchte, der lädierte Oberschenkel ließ einen Einsatz aber nicht zu. So brachte Flieden den Gegner nach dem Traumtor von Stefan Dietz, der einen Abpraller aus 22 Metern volley mit rechts direkt in den linken Winkel zimmerte (48.), Baunatal selbst wieder ins Spiel: Dietz hätte den Ball beruhigen können, seine Kopfballverlängerung wurde abgefangen, Tom Samson marschierte auf der rechten Seite durch und in der Mitte musste Kyung Ho Lee nur noch einschieben (68.).
Aufregung herrschte vor allem in Minute 79: Baunatal bekam einen Freistoß 17 Meter zentral vor dem Tor zugesprochen, Nico Langhans wurde eingewechselt und durfte gleich schießen. Seinen Hammer bekam Fliedens Keeper Jonas Ritzel erst im Nachfassen, nach Baunataler Auffassung war der Ball hinter der Linie, Schiedsrichter Marcus Rolbetzki (Marburg) ließ weiterlaufen. „Der Ball war auf der Linie“, schwört Ritzel. Baunatals Kapitän Jan-Niklas Hanske bekam sich nicht mehr ein und sah wegen Meckerns die Ampelkarte. In der Schlussphase hätten Habaqza und Broschke die Partie entscheiden können, scheiterten aber mehrmals an KSV-Keeper Sebastian Finke. Bezeichnend war vor allem die 92. Minute, als Habaqza frei aufs Tor zulief, den mitgelaufenen Dietz geflissentlich ignorierte und erst so spät den Querpass spielte, dass Dietz, bereits auf der Außenlinie stehend, nur noch den Pfosten traf. Dann war endlich Schluss und das Zittern hatte ein Ende: „Das Wichtigste heute sind die drei Punkte. Die Mannschaft hat gegen einen Regionalliga-Absteiger eindrucksvoll bewiesen, dass sie die Punkte holen kann, um am Ende über dem Strich zu stehen“, atmet Voll tief durch.
Baunatal wiederum ist jetzt endgültig im Abstiegskampf angekommen, das weiß auch Spielertrainer Tobias Nebe, dessen Erfahrung der Mannschaft gerade nach dem 1:0 für Flieden abging: „Bis dahin dachte ich, wir sind griffig, gut in den Zweikämpfen und haben die ein oder andere Aktion nach vorne, aber dann haben wir uns den Schneid abkaufen lassen“, ärgert sich Nebe. Der Freistoßtreffer aus 20 Metern direkt in den linken Winkel von Filip Osman, der im erstmals gespielten 4-4-2-System auf dem rechten Flügel auflief, war für Flieden der Weckruf: Von da an waren die Gastgeber besser im Spiel und hätten durch Habaqzas Doppelchance (40.) bereits früher erhöhen können. Der KSV hatte sich für den zweiten Durchgang viel vorgenommen, Dietz‘ Treffer Marke „Tor des Jahres“ traf die Nordhessen aber bis ins Mark.
Während die Buchonia jetzt erst einmal durchatmen kann, trägt sich Baunatals Spielertrainer Tobias Nebe mit Rücktrittsgedanken: „Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst. Ich muss mir jetzt Gedanken machen, ob ich noch der richtige Mann an der Seitenlinie bin. Vielleicht ist ein neuer Reiz für die Mannschaft genau das richtige, auch wenn ich an die Mannschaft glaube und meine ganze Leidenschaft am KSV Baunatal hängt. Diese Entscheidung werde ich in den nächsten Tagen treffen müssen.“
Flieden: Ritzel - Hohmann, Kovacevic, Drews, Leibold - Heil (59. Betz), Müller - Dietz, Osman (70. Götze) - Habakzah, Ankert (57. Broschke).
Baunatal: Finke - Leipold, Wolf, Hanske, Samson - Borgardt (80. Langhals), Krengel - Szczygiel (56. Schäfer), Ulusoy, Bravo-Sanchez - Spengler (56. Lee).
Schiedsrichter: Marcus Rolbetzki (Marburg)
Tore: 1:0 Filip Osman (23.), 2:0 Stefan Dietz (48.), 2:1 Kyung Ho Lee (68.)
Zuschauer: 250.
Gelb-Rote Karte: Jan Niklas Hanske (Baunatal, 81.).
