Fußball 03.09.2015

Borussen schnuppern gegen Mainz 05 an Sensation – Wolf überragend

Fulda – Von Florian Seelig – Mit einem überragenden Tobias Wolf im Kasten hat sich Fußball-Hessenligist Borussia Fulda im Freundschaftsspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 richtig, richtig gut verkauft und gegen den Bundesligisten nur mit 1:4 (1:1) verloren. Wie versprochen war der Test ein Fußballfest für die ganze Familie – schade nur, dass gerade mal 1550 Fans den Weg in die Johannisau gefunden hatten.

Marcel Trägler (rechts) brachte die Borussen gegen Mainz 05 (links Pablo De Blasis) in Führung

Fotos: Christine Görlich

Die Sensation lag in der Luft, als Marcel Trägler – nachdem er Henrique Sereno im Strafraum den Ball an die Hand geschossen hatte – vom Punkt eiskalt blieb und rechts unten zum 1:0 für die Borussen einschob (22.). Mainz war sichtlich geschockt vom starken Auftritt der Borussen in den ersten 45 Minuten: Die 05er hatten zwar gefühlte 85 Prozent Ballbesitz, die Borussen standen defensiv jedoch richtig gut geordnet, verschoben gut, waren präsent in den Zweikämpfen und ließen außer Standards fast nichts zu. „Die Tendenz zu denken, das ist nur ein Oberligist, ist einfach da. Der Platz ist stumpfer als gewohnt, dann kommen die Bälle nicht so an. Und dann ist da ein Gegner, der mutig ist, der sich wehrt, dann wird es schwieriger, als man denkt. Wenn man zurückliegt, ist es auch für uns schwer, das Spiel noch zu drehen“, muss Mainz-Trainer Martin Schmidt zugeben. Aus den Standards entstand so gut wie keine Gefahr, Schmidt bemängelte schon früh lautstark das fehlende Tempo im Mainzer Aufbauspiel. Und wenn es doch mal gefährlich wurde, war Tobi Wolf zur Stelle: Sei es gegen Florian Niederlechner (37.) oder Stefan Bell (39.) oder in anderen Aktionen – einzig gegen U21-Nationalspieler Yunus Malli aus zehn Metern war der SCB-Keeper machtlos (32.).

In der Pause wechselten die Borussen kräftig durch und standen nun nicht mehr so kompakt, Mainz wiederum spielte schneller und kam nun vermehrt zu Torchancen. Pablo De Blasis (57.) nach Flanke von Devante Parker – Bruder von Augsburgs Shawn – sowie zweimal Philipp Klement (66., 87.) schraubten das Ergebnis in die Höhe. Ein höheres Ergebnis verhinderte dann Überflieger Wolf, der unter anderem gegen Alexander Hack (47.), De Blasis (59.), Daniel Brosinski (70.) und Patrick Pflücke (77.) überragend reagierte. „Unser Torwarttrainer hat gesagt: Wenn der Torwart ein 1996er gewesen wäre, hätten wir ihn direkt mitgenommen. Er war heute ein Teufelskerl“, lobt selbst Gästetrainer Martin Schmidt den ehemaligen Offenbacher.  Borussen-Coach Oliver Bunzenthal freut sich vor allem über die erste Halbzeit: „Wir haben sehr, sehr gut und sehr organisiert gespielt. Wir haben wenig zugelassen, nach den letzten Misserfolgen war das ganz, ganz wichtig. Das gibt Selbstbewusstsein für die nächsten Spiele.“ Der Mainzer Rechtsverteidiger Daniel Brosinski ist mit dem Endergebnis zufrieden: „Wir haben am Anfang viele Fehler im Spielaufbau gemacht und zu langsam gespielt, später war es dann flüssiger. Im Endeffekt war es ein guter Test.“

Szenenapplaus gab es neben Tobi Wolf auch für Felix Beck und Cino Schwab: Schwab ließ im ersten Durchgang zwei Mainzer per Beinschuss stehen und sorgte für den ersten Borussen-Torschuss, Beck tunnelte an der Außenlinie Patrick Pflücke, bekannt aus der Sky-Doku „Projekt Profi“. Insgesamt kamen die 1550 Fans voll auf ihre Kosten: Die Mainzer präsentierten sich überaus volksnah, gaben bereitwillig Autogramme und standen für Fotos bereit. Von der Organisation her kann Borussen-Sportmanager Sebastian Möller mehr als zufrieden sein, auch wenn er sich mehr Zuschauer gewünscht hätte. „Aber das Bild war genial, als die Kinder allesamt auf den Platz gestürmt sind“, so Möller. Für die Organisation und die Anlage gab es auch von Mainzer Seite aus Lob: „Ein gepflegtes Stadion und wie die Leute, Parkplatzanweiser, Ordner, einfach alle einen empfangen, das ist fast bundesligareif. Hier herrscht eine hohe Qualität, das erinnert mich daran, wo man herkommt. Ich denke, Fulda kann stolz darauf sein, was der Verein auf die Beine stellt.“

Borussia: Wolf - Schwab (46. Beck), Schad (46. Ruhl), Milankovic, Dimitrijevic (46. Hanlon) - Jaksch (46. Pomnitz), Jerkovic (74. Hoxha) - Trägler (74. Schenkel), J. Müller (46. Krause), M. Müller (46. Schirmer) - Poredski (46. Merle).

Mainz: Curci; Brosinski, Sereno (24. Bell), Hack, Bussmann - Latza (63. Bohl), Moristz (76. Pflücke) - Parker (63. Schilk), Malli (46. Klement), De Blasis - Niederlechner.

Schiedsrichter: Jan Lübberstedt (Lehnerz)

Tore: 1:0 Marcel Trägler (22., Handelfmeter), 1:1 Yunus Malli (32.), 1:2 Pablo De Blasis (57.), 1:3 Philipp Klement (66.), 1:4 Philipp Klement (87.)

Zuschauer: 1550.