Lokales 17.04.2015

Windkraft in Neuhof – Politiker bekommen Ablehnung zu spüren

Neuhof – Von Hannah Günther – Zwischenrufe, Applaus und Pfiffe – Die Stimmung bei der Informationsveranstaltung der Gemeinde Neuhof zur zweiten Offenlegung des Teilregionalplans Energie war geladen, viele Windkraftgegner waren unter den knapp 300 Besuchern. Die elf Podiumsgäste aus Politik und Bürgerinitiativen erläuterten den aktuellen Stand und stellten sich im Anschluss den Fragen der Bürger.

„Wir wollen sie sensibilisieren und aufrütteln, um die Interesse der Gemeinde zu unterstützen“, begrüßte Franz Josef Adam, Erster Beigeordneter der Gemeinde Neuhof, Zuhörer und Gesprächspartner. Landrat Bernd Woide, CDU-Landtagsabgeordneten Dr. Walter Arnold, SPD-Landtagsabgeordneter Sabine Waschke und Grünen-Kreisausschuss-Mitglied Bernd Eckart ernteten für ihre Aussagen überwiegend Buhrufe. Im Publikum wurde gemurmelt: „Erst denken, dann bauen“, „Die haben immer noch keine Ahnung“, „dummes Gelaber“. Anders sah es bei den Vertretern der Bürgerinitiativen, die immer wieder Zustimmung aus dem Publikum bekamen. Insbesondere der Kurzvortrag von Dr.-Ing. Detlef Ahlborn, zweiter Vorsitzender des Bundesverbands „Vernunftkraft“, kam bei den Windkraftgegnern gut an. „Die Priorität der Energiewende auf Windenergie zu legen, war die falsche Priorität“, sagte Ahlborn, der ein Rechenbeispiel aufführte, nach dem in Hessen 5000 neue Windkraftanlagen gebaut werden müssten, um die geforderten 28 Terrawattstunden erreichen zu können. „Das wäre dann ein Wald von Windkrafträdern oder bei gleichmäßiger Verteilung über die ganze Landesfläche ein Windkraftrad alle zwei Kilometer“, veranschaulichte Ahlborn seine Rechnung. Auch zeigte er auf, was aus seiner Sicht das Kernproblem sei: Die zufällige Einspeisung von Wind- und Solarenergie. Professoren, die behaupten, dass ein weiterer Aufbau zu einer Glättung von Einspeisungsspitzen und -lücken führe, bezichtigte Ahlborn als „Lügner, die wissenschaftliche Falschaussagen machen“. Dem widersprachen jedoch Arnold und Eckart, der selbst Physik studiert hat. „Herr Ahlborn was sie hier sagen ist unseriös. Ihre Thesen sind grundfalsch“, sagte Arnold und Eckart rügte die Präsentation des Vernunftkraft-Vertreters als „manipulativ“.

 

Die „Spielregeln“ für den Regionalplan stehen schon lange fest

Susanne Linnenweber vom Regierungspräsidium Kassel erläuterte die rechtliche Grundlage: „Mit dem Regionalplanung will die Landesregierung die Flächen, auf denen Bauanträge für Windkraftanlagen gestellt werden dürfen, auf zwei Prozent begrenzen. Wir müssen danach gehen, wo der Wind weht. Eine gerechte Verteilung ist da nicht möglich.“ So kommt es, dass im Landkreis Fulda etwas mehr als zwei Prozent der Fläche ausgewiesen werden und in der Gemeinde Neuhof sogar rund sechs Prozent der Fläche betroffen sind. Der erste Regionalplan war vom Gericht zurückgewiesen worden und derzeit könnten Betreiber überall Bauanträge stellen. Die „Spielregeln“, nach denen der Regionalplan gestaltet wird, hat die Landesregierung nach dem großen Energiegipfel im Jahr 2011 gestaltet. Darin sind zum Beispiel Abstand zur Wohnbebauung, minimale Windgeschwindigkeit und Schutzräume für Tiere geregelt. Besonders kritisiert wird der Abstand zur Wohnbebauung von einem Kilometer, im benachbarten Bayern wird dieser mit der zehnfachen Nabenhöhe der Windkraftanlage berechnet – er liegt bei den neuen 200 Meter hohen Anlagen also bei zwei Kilometern. „Wir haben 1000 Meter gewählt, weil wir überzeugt sind, dass das Schutzgut  Mensch so ausreichend gewürdigt wird“, begründete Arnold und wurde vom Publikum dafür höhnisch ausgelacht: „Wenn wir die 2000 Meter in Hessen machen würden, hätten wir so gut wie keine Windkraft.“ Torsten Leinweber von der Interessengemeinschaft „Pro Lebensraum Fulda/Vogelberg im Dreiländereck“ verwies auf die Spannungen, die innerhalb der Ortschaften zwischen den Gegnern und Befürwortern – von denen sich auch eine kleine Gruppe im Saal befand – hervorrufe: „Die Pacht liegt bei 50.000 Euro pro Windkraftanlage und Jahr“. Dr. Norbert Herr, Mitglied der Regionalversammlung, ist Überzeugt, dass noch einiges rausfliegen wird, wenn neue Erkenntnisse, wie von Lothar Herzig über Fledermaus- und Schwarzstorchaufkommen im Gieseler Forst, vorliegen.

An der Podiumsdiskussion nahmen insgesamt elf Personen teil: Linnenweber, Woide, Arnold, Herr, Waschke, FDP-Kreistagsabgeordneter Mario Klotzsche, Eckart, Ahlborn, der Sprecher der „Bürgerinitiative Windstille Neuhof“ Gunther Rose, Leinweber und Adam. Moderiert wurde die Diskussion von Dr. Volker Nies.

Informationsveranstaltung zum Regionalplan in Neuhof (Fotos: Hannah Günther)