„Ich weiß nicht, wer neuer Trainer wird und wenn, würde ich es nicht sagen. Ein Zweitligatrainer wird es wohl nicht werden und deutschsprachig auch, aber ich warne davor, zu eindimensional in Richtung Thomas Tuchel zu denken. Die Lösung wird nicht ewig auf sich warten lassen. Ich denke, dass wir nächste Woche eine ordentliche und vernünftige Lösung transportieren“, erklärte Watzke, der im Verlauf der Saison bereits die Vermutung hatte, dass „Kloppo“ Rücktrittsgedanken hegt: „Wir hatten das Gefühl, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, wir wollten da nicht ewig rumeiern. Außerdem wollten wir die gemeinsame Erfolgsgeschichte nicht pulverisieren.“ Doch eins ist für ihn klar: „Borussia Dortmund ist größer als jeder einzelne. Es geht immer weiter, die Philosophie von Borussia Dortmund hängt nicht am Trainer. Wir wollen authentisch sein, echte Liebe eben.“
Warum es in dieser Saison beim BVB, der in dieser Saison sogar das internationale Geschäft zu verpassen droht, nicht läuft, begründete Watzke so: „Wir hatten in der Vorsaison unfassbares Verletzungspech, das zieht sich in diese Saison, dazu kommt die WM. Dann ist das Selbstvertrauen extrem gesunken.“ Dass Sportdirektor Michael Zorc das Transferglück abhanden gekommen sei, bestritt der 55-Jährige allerdings: „Das ist einfach das Problem der guten Tat. Bei uns waren fünf, sechs Jahre lang alle Transfers gut, jetzt ist das wieder der Normalfall. Von Matthias Ginters Talent beispielsweise bin 100-prozentig überzeugt. Wir dürfen uns da einfach nicht von den Medien treiben lassen und müssen Ruhe bewahren.“ Sollte Dortmund nicht international spielen, müsse man dann eben an den Tresor gehen, mittelfristig müsse jedoch allein für die internationale Vermarktung wieder Champions League her. In diesem Zusammenhang kritisierte Watzke den neuen Fernsehgeld-Verteilungsschlüssel in England: „Das ist der Wahnsinn, da erhält der Tabellenletzte Leicester City 50 Millionen Euro mehr als Bayern München. Aber vielleicht hilft uns das weiter, kreativ zu bleiben, was Spielerentwicklung angeht. Weltmeister wird England jedenfalls nie mehr.“
Über Sebastian Kehl fand Watzke nur lobende Worte, glaubt allerdings nicht, dass der Lahrbacher einen Rücktritt vom angekündigten Rücktritt zum Saisonende machen wird: „Sebastian ist ein ganz feiner Kerl, wir haben einen ganz dichten Draht zueinander und wohnen auch nur 500 Meter auseinander, er ist immer noch unser gefühlter Kapitän. Man merkt einfach, dass er sehr an der Region Osthessen hängt, aber was er nach seiner Karriere mal machen wird, muss man abwarten. Bei ihm kann man sich alles vorstellen, am liebsten natürlich bei Borussia Dortmund.“ Über Fulda musste er sich bei Kehl übrigens nicht informieren: Als Geschäftsführer seines Unternehmens Watex habe er Fulda schon oft besucht.
