Lokales 18.09.2014

Berufsorientierung für Gymnasiasten – „Wollen den Fokus erweitern“

Fulda – Von Dirk Heß – An der Fuldaer Winfriedschule ist am Mittwoch ein Pilotprojekt gestartet worden: In Kooperation mit dem Kreisjobcenter des Landkreises Fulda, der Industrie- und Handelskammer Fulda sowie der Kreishandwerkerschaft wird es für die Jahrgangsstufe zehn nun regelmäßig ein halbes Jahr lang eine Berufsorientierung geben.

Foto: Dirk Heß

„Man kennt die Berufsorientierung schon aus den Haupt- und Realschulen. Doch bei Abiturienten geht man meist davon aus, dass sie nach dem Abschluss studieren gehen. Wir wollen mit dieser Veranstaltungsreihe allerdings den Fokus der zukünftigen Absolventen erweitern“, erläuterte Fuldas Landrat Bernd Woide die Reihe im Rahmen der OLOV-Aktivitäten (Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule – Beruf). Ein halbes Jahr lang erhalten die Schüler der zehnten Klassen der Winfriedschule durch verschiedene Veranstaltungen Informationen zu Ausbildungsberufen und bekommen aufgezeigt, dass es nicht unbedingt ein Studium nach dem Abitur sein muss. „Wir wollen die Schüler sensibilisieren, vielleicht eine Berufsausbildung vorzuziehen. Die Kampagne soll darauf aufmerksam machen, welche weiteren Möglichkeiten es gibt“, sagte Woide.

Grund für diese Kampagne sei der Mangel an Auszubildenden, den die Wirtschaftsregion Fulda durch den demografischen Wandel erfährt. „Die Veranstaltungsreihe soll adäquate Berufe auch für Abiturienten vorstellen. Durch viele Qualifizierungsmöglichkeiten sind die Chancen auf beruflichen Aufstieg fast unbegrenzt – sei es nur auf dem beruflichen Weg oder durch duale Studiengänge“, meinte IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schunck. Dr. Herbert Büttner von der Kreishandwerkerschaft führte diesen Gedanken fort: „Das Handwerk bietet eine ganze Reihe an vielen neuen und interessanten Berufen. Es findet zudem eine Anhebung des Ausbildungsniveaus statt, was am Ende wahnsinnige Aufstiegsmöglichkeiten bietet.“

In unterschiedlichen Abständen werden die zehnten Klassen im ersten Schulhalbjahr Besuch unter anderem von Unternehmensführern bekommen. „Sie sollen ihre Unternehmen und vor allem die Chancen in ihren Berufszweigen anschaulich präsentieren“, sagte der Landrat. Das beinhaltet sowohl Handwerksfirmen als auch den öffentlichen Dienst oder kaufmännische Unternehmen. „Damit nehmen wir die Unternehmen in eine gewisse Verantwortung, etwas für die Region zu tun“, so Woide. Darüber hinaus wurde der Politik- und Wirtschaftsunterricht um eine Wochenstunde erweitert, um von Seiten der Schule speziell auf die Berufsorientierung eingehen zu können. „Es gibt unter den Schülern ein großes Interesse an der Veranstaltungsreihe“, stellte Mathias Dickhut, Schulleiter der Winfriedschule, fest. „Dabei soll es nicht darum gehen, den Schülern ein Studium auszureden. Wir wollen ihnen nur weitere Möglichkeiten aufzeigen, um ihr Leben beruflich möglichst erfolgreich zu gestalten“, machte der Landrat deutlich. Verläuft die Veranstaltungsreihe erfolgreich, sei es denkbar, das Projekt im kommenden Jahr auch auf andere Gymnasien auszuweiten.