„Ich betrachte die Musik als Wurzel aller übrigen Künste“, so zitierte Hünfelds Stadtverordnetenvorsteher Berthold Quell den französischen Schöngeist und Schriftsteller Victor Hugo, und fügte an: „Stefan da gehst du sicherlich mit.“ Dass IT-Fachmann Meyer dieser Aussage voll und ganz zustimmen wird, macht ein Blick auf seine außerordentliche Vita des musikalischen Schaffens deutlich: Entweder mit Klarinette oder Saxophon ausgestattet, ist er seit 35 Jahren in der Mackenzeller Tonica aktiv, 30 Jahre davon in herausragenden Funktionen im Vorstand. Ab 1985 organisierte er Nachwuchsunterricht in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule des Landkreises Fulda, im selben Jahr wurde die erste Tonica-Bigband gegründet. 1987 folgte das Tonica Nachwuchsorchester, das 1994 in das Nachwuchsorchester MaNü aufging. 2000 rief er das Projekt „Musik erleben“ an der Grundschule Mackenzell ins Leben. Das Projektorchester „Colours of Wind“ und die „Rhöner BMB“ gehen ebenfalls auf Meyer zurück. 33 Jahre lang war er bei den „Colorados“ aktiv, einer der gefragtesten regionalen Tanz- und Unterhaltungsbands. Und auch viele andere Projekte, gerade im Nachwuchsbereich, gingen und gehen auf Meyer zurück.
Auf der Suche nach dem noch besseren Klang
Keine Frage: Meyer lebt die Musik, was in der Familie liegt: Seine Frau spielt Orgel in der Kirche und ist Leiterin des örtlichen Gesangvereins, Vater Otto ist bis heute aktiver Musiker in der Tonica, Tochter Carolin glänzte schon bei „Jugend musiziert“ und Sohn Jan-Phillip spielt Posaune bei den Brass Brothers. Kein Wunder, dass es mittlerweile auch „Meyers Hausmusik“ gibt. Meyer betonte deshalb in seiner Rede, bei der er sich bei den zahlreich anwesenden Wegbegleitern und Lehrmeistern bedankte, deswegen auch den Preis symbolisch in die Mitte stellte: „Die wichtigste Kulturzelle ist die Familie. Es macht einfach riesig Spaß zu musizieren, ich kann dabei entspannen.“ Für den Business-Solutions-Manager eines großen Finanzunternehmens selbst sei das, was er macht, etwas Selbstverständliches: „Ich bin kerngesund, meine Familie ist kerngesund. Finanziell geht es uns gut. Das sind paradiesische Zustände, eine Luxussituation in der ich mich schon das ganze Leben befinde.“ Und grundsätzlich sei er bei der Suche nach dem noch besseren Klang auch immer ein wenig egoistisch gewesen, schlug auch deshalb so viele Wege ein. Den perfekten Klang will er auch weiterhin finden, das versprach er der Festgesellschaft im bis auf den letzten Platz gefüllten Hünfelder Rathaussaal, vergaß dabei allerdings auch nicht den mahnenden Zeigefinger zu heben: „Wir können uns vor dem demographischen Wandel nicht verstecken. Wenn man vor weniger Publikum spielt, dann löst das Frust aus. Reicht die Nachwuchsarbeit noch aus, die wir jetzt betreiben? Ich glaube nicht.“ Die Nachwuchsarbeit steht weiterhin im Blickpunkt Meyers. Getreu dem Motto „Stillstand ist Rückschritt“ will er neue Fördermodelle suchen: „Das sind Fragen, die mich bewegen.“
Schräge Ideen, die den Kindern peinlich sind
Bewegend waren die zahlreichen Reden auf Meyer, besonders Anke Wehner aus der Tonica traf den Nagel auf den Kopf: „In diesem Fall ist die Verleihung des Preises eine Zwischenstation. Für dich Zeit zum Innehalten. Für uns ist es eine Gelegenheit ‚Danke‘ zu sagen. Du bist mit Blogs und Facebook immer aktuell, aber auf keinen Fall abgehoben. Wir kennen dich mit deinem verschmitzten Lächeln, mit schrägen Ideen, die deinen Kindern oft peinlicher sind als dir.“ In der Begrüßung hielt Hünfelds Bürgermeister Stefan Schwenk fest: „Stefan Meyers Arbeit, insbesondere für das Jugendmusiknetzwerk Hessisches Kegelspiel, hat sicher einen ganz außerordentlichen Beitrag dazu geleistet, dass unsere Blaskapellen, unsere Musikvereine, kaum Nachwuchssorgen haben, dass sie auch in Zukunft jungen Menschen eine musikalische Heimat bieten können.“ Die Laudatio hielt Hünfelds Stadträtin Martina Sauerbier: „Wenn heute das musikalische Niveau so hoch ist, wenn es gelingt junge Leute zum Musikmachen zu begeistern, dann hängt das immer von ganz wenigen Menschen ab die Besonderes leisten. Stefan Meyer gehört zweifelsohne zu diesen Menschen und deshalb hat er den Kulturpreis der Stadt Hünfeld in besonderer Weise verdient.“
